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14:44 min | So, 6.11.2016 | 6:45 Uhr | SWR Fernsehen

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Panama: Historisches Viertel von Panama und der Salón Bolívar, Panama, Folge 305

SWR

Gründung 1517 des heute Alt Panama genannten ersten Stützpunkts zur Eroberung und Beraubung Südamerikas, Bau einer neuen Stadt, der heutigen Altstadt Panamas im 17. Jahrhundert, Bau des Kanals und des Neuen Panama im 20. Jahrhundert. Alt Panama und die Altstadt, Panamá Viejo und Casco Viejo, sind zusammen mit dem historischen Salón Bolívar nicht nur Weltkulturerbe, sondern Teile einer aufstrebenden Wirtschaftsmetropole an der Schnittstelle zwischen Nord- und Südamerika, zwischen Atlantik und Pazifik.

Filmtext

Wo der Panamakanal durch feuchten, heißen Urwald führt, ziemlich genau hier begann vor 500 Jahren eine wahre Kriminalgeschichte, in der aber die Täter meistens nicht verfolgt und zur Strecke gebracht wurden. Nein, hier hat sich das Verbrechen gelohnt. Fast immer. Das erst Kapitel beginnt im September 1513. Da war in diesem Regenwald ein wilder Haufen goldgieriger Spanier auf der Suche nach den Schätzen Südamerikas. Doch was sie fanden, war zunächst nicht Beute.

Es war ein Meer, das bisher noch kein Europäer kannte Sie hatten den Pazifik entdeckt. Nur eine schmale Landbrücke trennt ihn hier vom Atlantik. Sofort zerlegten die Spanier auf der Atlantikseite einige ihrer Schiffe, ließen sie auf Sklavenrücken über Trampelpfade durch den Urwald zum Pazifik schleppen. ...und bauten sie dort wieder zusammen. Der Weg war frei Südamerika nun auch von Westen her zu erobern.

Schon bald war hier auch die erste spanische Siedlung: Nuestra Senora de la Asunción de Panamá. Am Pazifik nämlich hatten die Spanier endlich gefunden, wonach sie hauptsächlich suchten: Gold. Es war das Gold der Inka in Peru. Panama wurde Spaniens wichtigster Stützpunkt für den fortgesetzten schweren Raub, der nun begann. 200 Jahre lang brachten sie in Schiffen ihre Beute hier her. Ladung für Ladung wurde an Land geschafft.

Hier wurde das Diebesgut auf Esel und Maultiere umgeladen. Die trugen es über diese Brücke und weiter auf dem inzwischen leidlich ausgebauten Camino Real auf die atlantische Seite zum Abtransport nach Spanien. Gut organisiertes Verbrechen. Der Weg vom einen Meer zum anderen und weiter über den Atlantik war aber nicht nur beschwerlich, er war zuweilen auch gefährlich. Die wertvolle Fracht weckte die Begehrlichkeit anderer Krimineller: Englische Seeräuber fielen über die Spanier her, erst Fancis Drake, dann Henry Morgan. Der raubte 1671 das alte Panama vollständig aus, worauf die verzweifelten Bewohner ihre Stadt selber anzündeten.

Zweites Kapitel: Die Spanier, obdachlos, machten sich sofort an den Bau eines neuen Stützpunkts für ihre Raubzüge - nicht weit von den Ruinen des alten - diesmal auf einer Halbinsel, die leichter zu verteidigen war. Von dem Zwischenfall mit Morgan hatte man sich rasch erholt, denn die Gewinne aus dem bandenmäßigen Raub in Peru und den umliegenden Ländern waren horrend. Und der Sklavenhandel lief jetzt glänzend.

Den zahlreichen Kirchen und Klöstern der Stadt, auch denen ging es gut dank der dunklen Geschäfte seiner sonst sehr frommen Bürger. Die neue Kathedrale. In der Kirche San José stammen Teile des prunkvollen Altars noch aus der aufgegebenen Vorgängerkirche. Henry Morgan soll das wertvolle Stück übersehen haben, angeblich weil der Pfarrer das Gold in aller Eile schwarz übermalt hatte.

Drittes Kapitel: Die Nachkommen der spanischen Siedler haben sich endlich von Madrid losgesagt und die Soldaten des Königs vertrieben. Sie raubten jetzt auf eigene Rechnung. An ihrer Spitze Simón Bolívar. Der versucht in Panama so etwas wie die Vereinigten Staaten Südamerikas zu organisieren. 1826 findet in diesem Salon der entscheidende Kongress statt. Aber die Erben der Spanier sind schon zerstritten. Und so haben es die USA nicht schwer, Bolívars Plan zu hintertreiben.

Jetzt betrachten nämlich die Nordamerikaner dieses Lateinamerika als ihren Hinterhof. Das vierte Kapitel beginnt vor einhundert Jahren: Die USA bauen in Panama ihren eigenen Kanal, lassen sich rechts und links davon nieder und bleiben bis 1999. Da erst geben sie den Kanal und die Kanalzone zurück, kassieren nicht mehr die Gebühren, ziehen ihre Soldaten ab und mischen sich nicht mehr ganz so offen in alle Angelegenheiten Panamas ein. Seit nun fast hundert Jahren verbindet der Kanal die Weltmeere Atlantik und Pazifik und seit 40 Jahren verbindet diese - auch von den USA gebaute - Brücke Nord- mit Südamerika.

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Mittelamerika: Panama

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Alt Panama und die Altstadt, Panamá Viejo und Casco Viejo, sind zusammen mit dem historischen Salón Bolívar nicht nur Weltkulturerbe, sondern Teile einer aufstrebenden Wirtschaftsmetropole an der Schnittstelle zwischen Nord- und Südamerika.

Alt Panama und die Altstadt, Panamá Viejo und Casco Viejo, sind zusammen mit dem historischen Salón Bolívar nicht nur Weltkulturerbe, sondern Teile einer aufstrebenden Wirtschaftsmetropole an der Schnittstelle zwischen Nord- und Südamerika.

Die Geschäfte werden längst nicht mehr in der kleinen Altstadt aus dem 17. Jahrhundert abgewickelt. Panama dreht jetzt ein viel größeres Rad in einer neuen, viel größeren Stadt. Nur die Regierung ist mit vier der Ministerien dieser Altstadt treu geblieben.

200 Jahre lang brachten die Spanier in Schiffen ihre Beute nach Panama. Ladung für Ladung wurde an Land geschafft und dann auf Esel und Maultiere umgeladen. Die trugen es über diese Brücke und weiter auf dem inzwischen leidlich ausgebauten Camino Real auf die atlantische Seite zum Abtransport nach Spanien.

1826 fand in diesem Salon der entscheidende Kongress statt, denn Simón Bolívar versuchte in Panama eine Art Vereinigter Staaten Südamerikas zu organisieren. Aber die Erben der Spanier waren schon zerstritten, sodass der Plan scheiterte.

Erst seit die Altstadt Weltkulturerbe ist, regt sich wieder Interesse an den historischen Fassaden.

In den historischen Häusern der Altstadt wohnen jetzt die Angestellten. Oft nicht einmal gemietet, sondern einfach nur besetzt.

In der einst so prachtvollen Altstadt Panamas blühen nun Drogenhandel und Prostitution. Ein Ghetto der Schwarzen, die alle keinen Anteil haben an den guten, den "sauberen" Geschäften, die im neuen Panama in den klimatisierten Hochhäusern laufen.

Impressionen aus der Altstadt Panamas

Seit 40 Jahren verbindet diese, von den USA gebaute Brücke, Nord- mit Südamerika.

Den zahlreichen Kirchen und Klöstern der Stadt ging es gut, dank der dunklen Geschäfte, der Goldraube, von seinen sonst sehr frommen Bürger.

Am großen Platz gegenüber der Kathedrale stand einmal das noble Hotel Central - nun wie im Dornröschenschlaf.

Dies ist das Denkmal der Stadt Balboa, gestiftet von die USA während dem Bau des Panamakanals, zu Ehren der Entdeckung des Pazifiks.

Eine so hervorragende Lage war vor 500 Jahren gut fürs Geschäft, und sie ist es noch heute. Nur werden die Geschäfte längst nicht mehr in der kleinen Altstadt aus dem 17. Jahrhundert abgewickelt. Panama dreht jetzt ein viel größeres Rad in einer neuen, viel größeren Stadt. Nur die Regierung ist mit vier der Ministerien dieser Altstadt treu geblieben und mit dem Präsidentenpalast aus dem Jahr 1673. Bezeichnend und sicher kein Zufall, dass Justitia hier ohne Augenbinde auskommt.

Das Nationaltheater, Baujahr 1907. Es wird seit Jahren restauriert. Das Haus war lange zweckentfremdet - als Wohnraum und als Kino. Als Theater wurde es schon vor Jahrzehnten kaum vermisst, denn das Theaterpublikum von einst wohnte nicht mehr in der Altstadt, man wohnte längst nebenan im neuen Panama. Seitdem hat auch die Kathedrale nicht mehr das gleiche Publikum wie früher.

In den historischen Häusern der Altstadt wohnt nämlich jetzt das Personal - in manchem Haus auch das Verbrechen. Die einmal hochherrschaftlichen Adressen, jetzt herrenlos und dem Verfall preisgegeben, dienen den Nachkommen der Sklaven als billige, oft auch kostenlose Unterkunft. Nicht gemietet, sondern besetzt. Hier blühen Drogenhandel und Prostitution. Ein Ghetto der Schwarzen, die alle keinen Anteil haben an den guten, den "sauberen" Geschäften, die drüben in den klimatisierten Hochhäusern laufen.

Erst seit die Altstadt Weltkulturerbe ist, regt sich wieder Interesse an den historischen Fassaden. Am großen Platz gegenüber der Kathedrale das einmal noble Hotel Central - wie im Dornröschenschlaf.

Irgendwann wird es vielleicht zu neuem Leben erweckt. So wie die ganze Altstadt zu warten scheint, dass einer kommt, der sie wieder wach küsst. Die Immobilienspekulanten warten auch. Längst schon schlägt der Puls der Stadt im neuen Panama. Hier setzt sich auch der Krimi fort. Kapitel fünf.

Nach dem Gold der Inkas und den Sklaven Afrikas wurden im vorigen Jahrhundert die Drogen Südamerikas das große Geschäft. Und das Reinwaschen von Drogengeld. Obwohl Panamas berühmtester Drogenhändler, der Schwerkriminelle, General und Diktator, Noriega, vor langem in Miami verurteilt wurde, will in Panama bis heute das Gemunkel von organisierter Drogenschieberei und Geldwäsche nicht verstummen. Die Landeswährung ist der Dollar, die Behörden sind zuvorkommend und diskret. Geschäftsreisende und Bankkunden müssen hier keine lästigen Fragen befürchten. Kein Wunder, wenn da fremde Fahnder schon mal an Begünstigung von Straftaten denken. Aber das sollen sie erst mal beweisen!

Sechstes Kapitel: Die Altstadt kommt wirklich wieder zu Ansehen und Ehren. Um die Jahrtausendwende, plötzlich, wird es chic, in einem dieser historischen Häuser zu wohnen. Immer mehr der verfallenen Bauten werden auf modernen Stand gebracht. Und nicht immer handelt es sich dabei um Häuser, die schon entkernt und deshalb sogar für Hausbesetzer unbewohnbar waren. Oft muss so eine Immobilie erst "entmietet" werden. Immer wieder brechen in der Altstadt Brände aus, deren Ursache nicht zu ermitteln ist. Danach rücken Bauarbeiter an, schaffen Luxuswohnraum in historischem Ambiente.

Es scheint, als hätte der Verfall bald ein Ende, als sei die Rettung selbst solcher Häuser nur noch eine Frage der Zeit - und als müssten die bisherigen Bewohner bald allesamt gehen.

Wohin die jetzigen Bewohner der Altstadt dann gehen, wovon sie leben werden - davon handelt das nächste, noch ungeschriebene Kapitel der Geschichte vom Tatort Panama.

Buch und Regie: Albrecht Heise

Filmmusik & Stab

Musik:

Schätze der Welt II - Vor- und Abspann:
Oliver Kraft

Panama Soundtrack:
Klangraum


Buch und Regie: Albrecht Heise
Kamera: Rüdiger Kortz

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