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14:47 min | So, 29.10.2017 | 6:00 Uhr | SWR Fernsehen

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Der Sommerpalast, China, Folge 222

SWR

Der Sommerpalast, eigentlich "Garten der Harmonischen Einheit", an den Westbergen bei Peking ist der einzige erhaltene kaiserliche Garten. In ihm ist der vollkommene Traum der chinesischen Gartenarchitektur verwirklicht. Dass dieser Garten mit seinen Palästen und Tempeln, Pavillons und Pagoden, mit insgesamt 3000 Räumen auf 290 Hektar Grund heute noch ein Gefühl davon vermitteln kann, wie die chinesischen Kaiser und ihr Hofstaat gelebt haben, ist Cixi zu verdanken. Sie war Mitte des 19. Jahrhunderts kaiserliche Konkubine und Mutter des Thronerben, der als Kind zum Kaiser wurde.


Filmtext

"Jeder Kaiser muss, wenn er seine offiziellen Pflichten erledigt hat, einen Garten haben in dem er müßig schlendern, Ruhe für Herz und Gedanken finden kann. Fehlt ihm ein solcher Ort, verliert er seinen starken Willen, erlahmt bald sein Eifer in der Regierung."

So, mit politischer Notwendigkeit verbrämt, erzwang Kaiser Qianlong Mitte des 18.Jahrhunderts die Bewilligung von Geldern für seinen Traum. Der Garten übertraf dann alles, was seit 1150 vor den Toren Pekings an kaiserlichen Sommerresidenzen angelegt worden war. Der "Berg der Langlebigkeit", der höchste künstliche Hügel ist gekrönt von der Pagode "Duft des Buddha".

Die Qual des mühsamen steilen Aufstiegs - ein läuternder Weg zum Gebet. Die wilde Felslandschaft haben 10 000 Kulis vor zweieinhalb Jahrhunderten aufgetürmt.

Die achteckige Pagode war der Lieblingstempel von Cixi, der letzten Kaiserin Chinas. Ahnenkult und Konfuzianismus lehnte sie ab, weil beide die männliche Vorherrschaft betonen, Frauen nur als Mütter von Söhnen etwas gelten. Cixi verehrte Guanyin, die buddhistische Göttin der Barmherzigkeit mit ihren vielen hilfreichen Armen. Vor dieser riesigen Statue in engem Raum musste sich selbst eine Herrscherin hilfsbedürftig fühlen. Harmonie zwischen Baukunst und Natur ist das Grundprinzip der Anlage. Galerien grenzen ab und öffnen zugleich immer wieder neue überraschende Ausblicke auf die natürliche Landschaft der Westberge, die wie zufällig mit einzelnen Pagoden betont wird. Offene, überdachte Gänge verbinden Audienzhallen und Tempel, Archive und Schatzkammern, Theater und Küchen. Freies Spiel für die kühlenden Winde von den Bergen, Schutz um bei jedem Wetter zu lustwandeln oder sich in der Sänfte tragen zu lassen. Von den Klöster- bebauten Steilhängen des Himalaja bis zu den lieblichen Wasserlandschaften südlich des Yangtze, - die berühmtesten Landschaften Chinas sind hier nachgebildet.

Dreiviertel der 290 Hektar großen Parkanlage nimmt der künstliche See ein. Der Bronzebüffel erinnert an den alten Brauch mit einem Rinderopfer den Wasserdämon zu besänftigen.

Als sich China 1860 weigerte, Engländern und Franzosen große Gebiete für ihren Handel abzutreten, zerstörten die ausländischen Truppen alle kaiserlichen Gärten, auch den Sommerpalast. Die 17- Bogenbrücke blieb unversehrt. Cixi, Konkubine des 1861 gestorbenen Kaisers, Mutter des einzigen Thronerben, wurde Regentin. Sie wollte die Schmach der Zerstörungen schnell vergessen, ließ ohne Rücksicht auf das verarmte Volk die Kulissen der Macht wieder aufbauen. Ihr Vorbild war Qianlong. Ihre Privaträume in der "Halle der Freude und der Langlebigkeit". Sie war eine ehrgeizige Frau, hatte schon als Mädchen heimlich Lesen und Schreiben gelernt. Drache und Phönix, die Symboltiere des Kaisers und der Kaiserin schmücken die offiziellen Zeremoniengebäude. Der Drache gilt als Stifter von Reichtum und Glück, als Symbol für kaiserliche Macht, Güte und Fruchtbarkeit. Vor der Thronhalle wacht das Chi-lin. Nach der Überlieferung erscheint dieses Fabeltier aus Hirsch, Fisch und Rind immer wenn ein guter Herrscher regiert. -

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Asien: China

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Der "Berg der Langlebigkeit", der höchste künstliche Hügel ist gekrönt von der Pagode "Duft des Buddha".

Der "Berg der Langlebigkeit", der höchste künstliche Hügel ist gekrönt von der Pagode "Duft des Buddha".

Die wilde Felslandschaft haben 10.000 Kulis vor zweieinhalb Jahrhunderten aufgetürmt.

Harmonie zwischen Baukunst und Natur ist das Grundprinzip der Anlage. Galerien grenzen ab und öffnen zugleich immer wieder neue überraschende Ausblicke auf die natürliche Landschaft der Westberge, die wie zufällig mit einzelnen Pagoden betont wird.

Dreiviertel der 290 Hektar großen Parkanlage nimmt der künstliche See ein.

Der Bronzebüffel erinnert an den alten Brauch mit einem Rinderopfer den Wasserdämon zu besänftigen.

48 Jahre lang dauerte Cixis "Regierung hinter dem Vorhang". Auf dem Thron saß immer ein Kind, doch Cixi flüsterte alle Entscheidungen hinter dem Wandschirm hervor.

Künstliche Dämme unterteilen den See, Brücken überspannen Kanäle, Fabeltiere, und immer wieder Löwen, Symbole der Macht, schieben sich in den Blick.

Die Pekinger sagen, "Der Wandelgang ist so lang, dass man an einem Ende die ersten Worte der Liebe wechseln und am anderen Ende angekommen, den Tag der Hochzeit festlegen kann."

In der Mitte der Südseite am "Wolkenteilenden Tor" legten die Boote an, wenn an Cixis Geburtstagen die Prozession der Gratulanten zu den Hallen unterhalb der Pagode zog.

Farben und Formen, alles hat einen tieferen Sinn: Grün bedeutet höchsten inneren Frieden, Rot ist die Farbe des Feuers, der Freude des Südens. Gelb, Farbe der gelben Erde Chinas, sind alle kaiserlichen Dächer.

Der Traum aller chinesischen Gartenarchitektur wurde hier verwirklicht: "Durch höchste Künstlichkeit zu vollkommener Natürlichkeit gelangen."

Doch unter Cixis Regentschaft ging das chinesische Kaiserreich seinem Ende entgegen. Der Rauch duftender Hölzer stieg empor, wenn der Kaiser hier Audienzen gewährte. 48 Jahre lang dauerte Cixis "Regierung hinter dem Vorhang". Auf dem Thron saß immer ein Kind, doch Cixi flüsterte alle Entscheidungen hinter dem Wandschirm hervor. Sie benannte und entließ Minister, sie fällte Urteile, entschied über Krieg und Frieden. Sie war eine einsame und schlecht beratene Regentin. Bis 1908 lag das Schicksal Chinas in ihren Händen. Erst regierte sie für ihren Sohn, er starb kaum 18-jährig an Pocken. Dann adoptierte sie einen kleinen Neffen, blieb für ihn als Regentin an der Macht. Als dieser Kronprinz sich später gegen sie stellte, ließ sie ihn für verrückt erklären und unter Hausarrest stellen.

.Mit der Pracht meinte sie auch die Macht des Kaisertums wiederherstellen zu können. "Es ist richtig einen Ausblick zu gestalten für Freude und Leichtigkeit, der das Wohnhaus mit Frieden und Harmonie umgibt." Diese, schon 500 Jahre alte Anweisung für die Gartenbaukunst ließ Cixi im Sommerpalast umsetzen.

Cixi kannte das Leben außerhalb der Palastmauern nicht, hatte keine Vorstellung von der Armut und den Unruhen im Land, von den Veränderungen der Welt, dem gierigen Griff der Ausländer nach China. Es gab Proteste gegen ihre Verschwendungssucht, der Wiederaufbau des Palastes wurde vorübergehend eingestellt. Doch der Marineminister stand in ihrer Schuld, denn seinen Sohn hatte sie als neuen Kindkaiser adoptiert. Und so flossen die Gelder, mit denen eine dringend benötigte Flotte aufgestellt werden sollte, heimlich in die Fertigstellung des Palastes.

Die milden Stunden des Spätnachmittags im marmornen Teehaus zu verbringen, liebte Cixi besonders. Das Teehaus in Dampfergestalt wirkt wie eine ironische Anspielung auf die Finanzquellen. Cixi lebte jedes Jahr vom 1. April bis zum 10. Oktober hier. Weit weg vom heißen, stickigen Peking, von der unmenschlich großen, steinernen Verbotenen Stadt fühlte sie sich wohl.

Meist reiste sie per Boot an. Auch im Sommerpalast war sie ständig von Eunuchen und Dienerinnen umgeben, war ihr Tagesablauf zeremoniell festgelegt, aber sie war hier freier, konnte die Natur beobachten, sich auf den See rudern lassen, unter Weiden picknicken, manchmal sogar Alleinsein genießen. Künstliche Dämme unterteilen den See, Brücken überspannen Kanäle, Fabeltiere, und immer wieder Löwen, Symbole der Macht, schieben sich in den Blick. Eine ausgeklügelte und doch selbstverständlich wirkende Vielfalt von Perspektiven lässt, wie immer wieder neu verschobene Theaterkulissen, Traumlandschaften entstehen. Traumlandschaften, die trockenen Fußes bei jedem Wetter vom 720 m langen Wandelgang genossen werden können.

Die Pekinger sagen, "Der Wandelgang ist so lang, dass man an einem Ende die ersten Worte der Liebe wechseln und am anderen Ende angekommen, den Tag der Hochzeit festlegen kann." In der Mitte der Südseite am "Wolkenteilenden Tor" legten die Boote an, wenn an Cixis Geburtstagen die Prozession der Gratulanten zu den Hallen unterhalb der Pagode zog. Auf der anderen Seite des Pagoden-Berges der Nordhang: Rauhe Landschaft, Nadelbäume und tibetische Tempel. Wenige Schritte nur vom lieblichen Süden eröffnet sich eine andere Welt, als hätte man eine Reise über Tausende von Kilometern gemacht.


Nach der zweiten Zerstörung des Sommerpalastes durch ausländische Truppen im Jahr 1900 blieb dieser Hang 80 Jahre lang ein Trümmerfeld, wurde erst im kommunistischen China wieder restauriert. Einzig der steinerne Tempel "Ozean der Weisheit" hatte die Zerstörungswut überdauert. Nicht alle Buddhafiguren wurden damals beschädigt, viele wurden erst später durch die Touristen kopflos.

Cixi bekannte sich, wie alle Mitglieder der Mandschu-Dynastie, zum tibetischen Buddhismus. Auch hier wieder Guanyin, die Barmherzige, in einer anderen Darstellung. Farben und Formen, alles hat einen tieferen Sinn: Grün bedeutet höchsten inneren Frieden, Rot ist die Farbe des Feuers, der Freude des Südens. Gelb, Farbe der gelben Erde Chinas, sind alle kaiserlichen Dächer. Überall trennen Mauern die Bereiche, Tempel, Paläste, Gärten und Wohnhöfe - die der Beamten sind schwarz gedeckt. Der Gott des langen Lebens schützt als Firstfigur das kaiserliche Archiv. Aus Anzahl und Reihenfolge der Dachreiter läßt sich der Rang des Bewohners eines Palastes erkennen.

Der Pavillon der "Kostbaren Wolken" ist nicht leicht. Er wiegt 207 Tonnen. Er wurde 1755 aus Bronze gegossen und überstand alle Zerstörungen des Palastes. Beim Glattschleifen, so heißt es in den Annalen, seien 5 Tonnen Feilspäne angefallen. Der Sommerpalast offenbart die Würde eines kaiserlichen Palastes und bewahrt die Eleganz eines Lustgartens. In diesem Labyrinth von Höfen und Gebäuden wurden die Intrigen gesponnen, die das chinesische Kaisertum zu Fall brachten.

.Cixis Weltfremdheit und ihrem Starrsinn, ihrer Liebe zur Natur und zur höfischen Pracht ist es zu verdanken, dass der Sommerpalast, als einziger der Kaisergärten, erhalten ist. Der Traum aller chinesischen Gartenarchitektur wurde hier verwirklicht: "Durch höchste Künstlichkeit zu vollkommener Natürlichkeit gelangen."

Buch und Regie: Gisela Mahlmann

Filmmusik & Stab

Kraft, Oliver
Schätze der Welt II
Gundermann, Karsten
Sommerpalast

Buch und Regie: Gisela Mahlmann
Kamera: Ralf Nowak

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