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Filmtext & Video


Filmtext

Vom Ufer aus sieht man ihn meist überhaupt nicht. Den Fertö-tó, wie er in Ungarn genannt wird, den Sumpfsee. Ein Drittel der Fläche des Neusiedler Sees ist Schilf - bis zu drei Meter hoch, nur auf schmalen Kanälen zu durchdringen und meist mehrere Kilometer breit. Der Neusiedler See ist der drittgrößte See in Mitteleuropa. 320 Quadratkilometer misst das Seebecken, der See selbst nimmt aber nur etwa 230 Quadratkilometer ein.

Nur anderthalb Meter ist der Steppensee im Durchschnitt tief. Der Wasserstand wird vor allem durch Regen und Schnee bestimmt, er kann aber auch durch künstliche Kanäle reguliert werden. In der Vergangenheit ist der See schon mehrmals ausgetrocknet. So eigentümlich der See selbst, so einmalig ist auch sein Umland. Zu den Besonderheiten gehören die Lacken, kleine Weiher und Tümpel, die nicht mit dem eigentlichen See verbunden sind. Einige trocknen im Sommer aus. Es ist ein Paradies für Tiere, das seit 1992 als Naturpark in großen Teilen sich selbst überlassen bleibt. Wasserbüffel und Graurinder verhindern die Verschilfung des Gebiets.

Seit die Bernsteinstrasse in der Antike hier vorbei führte, wird in St. Margarethen Kalksandstein geschlagen. Die Römer bauten damit ihre Garnisonen. Später wurde hier Baumaterial für den Wiener Stephansdom und die Ringstrassen geholt. Kelten und Markomannen, Vandalen, Slawen und Awaren. Viele Völker hinterließen ihre Spuren. Auch die deutsche Mythologie hat tiefe Wurzeln in diesem Landstrich. Irgendwo in dieser Gegend hat sich Attilas Hof befunden. Jener Ort, an dem der Hunnenkönig, laut dem Nibelungenlied, Dietrich von Bern traf. Der lässt sich als Ostgotenkönig Theoderich identifizieren.

Die Römer, die um die Zeitenwende hier herrschten, gründeten auch Sopron, das frühere Ödenburg. Die Stadt ist Zentrum und natürliche Hauptstadt der Region. Kaiserin Elisabeth wird verehrt, weil sie ihren Mann, Kaiser Franz Joseph, zum Ausgleich mit Ungarn drängte. -Seit dem 11. Jahrhundert trägt Sopron den Beinamen "treueste Stadt". Schon damals huldigte sie den Magyaren.

Nach dem Ersten Weltkrieg und der Zerschlagung der "K.- und K. - Monarchie" wurde Sopron Österreich zugeschlagen. Die Bürger aber setzten eine Volksabstimmung durch und votierten für einen Verbleib bei Ungarn. Heute machen sie gute Geschäfte mit Ausflüglern aus Österreich und anderswo,.

Pannonien nennt man dieses Grenzland zwischen Österreich und Ungarn. Ein Steppenland mit äußerst heißen Sommern und bitterkalten Wintern. Geologisch verläuft hier, im Regenschatten der Alpen, die Grenze nach Osteuropa. Nirgendwo in Österreich und Ungarn ist mehr Himmel als hier.

Der Albinoesel war schon fast ausgestorben. Im Naturschutzpark Neusiedler See wird er wieder gezüchtet. Die weißen Esel verhindern, dass allzu viele Büsche und Bäume wachsen. Dadurch bleibt das Land offen und bodenbrütende Vögel finden genügend Nistplätze.

Seit dem 16. Jahrhundert prägt die Familie Esterházy die Geschichte des Neusiedler Sees. Die Fischer des Sees zahlen noch heute Pacht an das Haus Esterházy.

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Europa: Österreich/Ungarn

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Als Nikolaus I., sein Zweit - Schloss Esterháza, das "ungarische Versailles", für horrende 10 Millionen Gulden errichten ließ, waren viele Arbeitsplätze gefährdet.

Als Nikolaus I., sein Zweit - Schloss Esterháza, das "ungarische Versailles", für horrende 10 Millionen Gulden errichten ließ, waren viele Arbeitsplätze gefährdet.

Seit die Bernsteinstrasse in der Antike hier vorbei führte, wird in St. Margarethen Kalksandstein geschlagen. Die Römer bauten damit ihre Garnisonen.

Seit 1659 betreuen die Franziskaner das Kloster Frauenkirchen. Dieses ist bis heute Wallfahrtsort für Pilger.

Maria Theresia schätzte die Musikabende im Schloss Esterhazy zu Eisenstadt. Bei einem ihrer Besuche wurden Tonnen von sündteurem Salz vor die Auffahrt gestreut. Die Königin liebte es, im Schlitten durch den Schnee zu fahren. Dummerweise war Sommer.

Impressionen aus Pannonien

Geologisch verläuft hier, im Regenschatten der Alpen, die Grenze nach Osteuropa.

Seit dem 16. Jahrhundert prägt die Familie Esterházy die Geschichte des Neusiedler Sees. Die Fischer des Sees zahlen noch heute Pacht an das Haus Esterházy.

Der Burgherr von Forchtenstein war über den Tod Marias, seiner Geliebten mit der er seine Frau betrogen hatte, so untröstlich, dass er zu ihrem Andenken das Kloster Frauenkirchen stiftete.

Der Albinoesel war schon fast ausgestorben. Im Naturschutzpark Neusiedler See wird er wieder gezüchtet. Die weißen Esel verhindern, dass allzu viele Büsche und Bäume wachsen.

Laut der Legende kann, wer heute in Neumondnächten aufmerksam über den See blickt, noch manches Mal eine Kirchturmspitze erblicken, einen traurigen Gesang hören oder die unglückliche Maria über das Wasser wandeln sehen.

Pannonien nennt man dieses Grenzland zwischen Österreich und Ungarn. Ein Steppenland mit äußerst heißen Sommern und bitterkalten Wintern.

Die unbedingte Loyalität gegenüber dem Hause Habsburg, sowie Geschick vor dem Traualtar und auf dem Schlachtfeld brachten den Esterhazys eines der größten Vermögen Europas ein.

In ihren Netzen und Reusen zappeln Aale, Karpfen, Zander und Hechte. Schon Maria Theresia schätzte die Musikabende im Schloss Esterhazy zu Eisenstadt. Bei einem ihrer Besuche wurden Tonnen von sündteurem Salz vor die Auffahrt gestreut. Die Königin liebte es, im Schlitten durch den Schnee zu fahren. Dummerweise war Sommer. Die unbedingte Loyalität gegenüber dem Hause Habsburg, sowie Geschick vor dem Traualtar und auf dem Schlachtfeld brachten den Esterhazys eines der größten Vermögen Europas ein.

Fürst Nikolaus von Esterházy holte Joseph Haydn als Kapellmeister nach Eisenstadt. Haydn komponierte zur Unterhaltung des Hofes und schrieb, nach dem Vorbild der englischen Hymne die Melodie zur österreichischen Kaiserhymne "Gott erhalte Franz den Kaiser". Der Schriftsteller Peter Esterházy schreibt in seiner Familienchronik "Harmonia Caelestis": "Meine Mutter, die für den greisen Haydn schwärmte, besorgte ihm nicht nur ein Gespann aus einer goldenen Kutsche und sechs Pferden, sondern erhöhte auch sein Gehalt, es war keine Rede mehr von Untergebenheit, musikalischer Ordnung, Angestellt sein und besonders nicht von: Verpflichtung." Über seine Vorfahren schreibt Peter Esterházy: "Unsere Familie ist nach dem Abendstern benannt. ...

Welcher Stern sonst hätte der Stern der Blaubärte sein können, als die Venus, Advokatin weltlicher Lustbarkeit ... Wenn ein Mann in der Stunde des Abendsterns krank wird, ist es sicher wegen einer Weibsperson. Der Mensch des Abendsterns ist ein sehr weicher Mensch, zweifelt in der Hauptsache, sägt an dem Ast, auf dem er sitzt." Einmal hätte Joseph Haydn fast seine lebenslange Anstellung verloren.

Als Nikolaus I., sein Zweit - Schloss Esterháza, das "ungarische Versailles", für horrende 10 Millionen Gulden errichten ließ, war auch das Hoforchester gefährdet. Haydn komponiert seine "Abschiedssymphonie" - ein Musiker nach dem anderen löscht das Licht am Notenpult und verlässt das Orchester - mit dieser Drohung erobert er seine Anstellung zurück.

Die Vielfalt der verschiedenen Kulturen über 8000 Jahre hinweg und die außergewöhnliche Artenvielfalt waren für die Unesco Grund genug, das "Meer der Wiener", 2001 zu einem österreichisch-ungarischen Weltkulturerbe zu ernennen. Sie wollte damit aber auch den schwierigen Versuch unterstützen, wirtschaftliche Nutzung und touristische Schwerindustrie in Einklang mit der Natur zu bringen.

"Diese Brücke von Andau war vielleicht die unbedeutendste Brücke Europas. Allein die Laune des Schicksals wollte es, dass sie einige Wochen hindurch, in denen sich die Brandfackel des Krieges zu entzünden schien, zu einer der wichtigsten Brücken der Welt wurde. Über ihre lockeren Planken floh die Elite einer Nation, mehr als zwanzigtausend Menschen. Im Burgenland gab es damals Dörfer, in denen mehr Flüchtlinge lebten als Einwohner.

Ein ganzes Buch wäre zu schreiben, um Österreichs Beitrag für die Sache der Freiheit im einzelnen zu würdigen. Ich will es mit einem Satz bewenden lassen: Müsste ich je flüchten, so hoffe ich, dass es nach Österreich sein kann." Der amerikanische Schriftsteller James A. Michener, schrieb dies in einer Reportage 1956, als während des ungarischen Volksaufstands viele tausend Menschen über den Einser Kanal nach Österreich flohen.

Die Skulpturen an der Allee, die zur Brücke von Andau führt, erinnern an diese Zeit. Ähnliche, weniger dramatische, Ereignisse wiederholten sich dann im Spätsommer 1989. Dieses Mal waren es Urlauber aus der DDR, die hier die Grenze nutzten, um ihr Glück im Westen zu suchen.

Der Legende nach verdankt der Neusiedler See seine Entstehung einem Treuebruch. Vor langer Zeit betrog der Burgherr von Forchtenstein seine Frau mit Maria, einem Mädchen aus dieser Gegend. Als der liebestolle Ritter in einen Krieg zog, ließ seine Ehefrau, Maria im Dorfteich ertränken.

Deren Mutter schrie daraufhin einen fürchterlichen Fluch heraus. Am folgenden Morgen war das Wasser des Teichs gestiegen. Am zweiten Tag mussten die Menschen ihr Dorf verlassen, aus dem Teich war ein See geworden. Als man der Burgfrau von Forchtenstein diese Kunde brachte, verfiel sie dem Wahnsinn. Der Fürst indes war über den Tod Marias so untröstlich, dass er zu ihrem Andenken das Kloster Frauenkirchen stiftete. Pannonien ist eben ein gottesfürchtiger Landstrich.

Wer heute in Neumondnächten aufmerksam über den See blickt, kann noch manches Mal eine Kirchturmspitze erblicken, einen traurigen Gesang hören oder die unglückliche Maria über das Wasser wandeln sehen ...

Buch und Regie: Goggo Gensch

Filmmusik & Stab

Musik:

Schätze der Welt II - Vor- und Abspann:
Oliver Kraft

Soundtrack Neusiedlersee:
Michael Hofer
Kaiserquartett
Joseph Haydn
Musiker von Schloss Esterhazy (Interpreten)


Buch und Regie: Goggo Gensch
Kamera: Burkard Kreisel

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