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SENDETERMIN Mo, 27.5.2019 | 21:45 Uhr | 3sat

Asien: Mongolei Das Orchon-Tal

Steine, Stupas, Städte

Ein heiliger Fluss. Wenig erforscht und mythenumwoben durchquert er das Herz der Mongolei. Der Orchon ist die Lebensader der Region und seine Täler sind seit alters her Nomadenland.

Orchon-Flusslauf

Orchon-Flusslauf

Hunnen und Uiguren siedelten hier, an den Ufern des Orchon wurden alttürkische Stammesfürsten bestattet und bis heute lebt man im Orchon-Tal fast ausschließlich von der Viehzucht.

Umso verwunderlicher, dass bereits frühe nomadische Gesellschaften wie die Uiguren inmitten der zentralmongolischen Grassteppe die Stadt Karabalgas bauten, ein frühes Zentrum des Seidenstraßenhandels. Eine Stadt aus Lehm für mehr als 10.000 Bewohner. Reste der dem extremen Klima angepassten Architektur haben sich bis heute erhalten.

Hauptstadt der Mongolen

Karabalgas blieb nicht die einzige Stadt im Land der Nomaden: 1235 ließ Dschingis Khan im Orchon-Tal die Hauptstadt der Mongolen bauen, eine prachtvolle Palastanlage mit gepflasterten Strassen und luxuriösen Empfangshallen, die Voraussetzung für den ersten mongolischen Staat. Im Orchon-Tal lag das Verwaltungszentrum für ein Imperium, das vom Pazifik bis zum Mittelmeer reichte.

Ein internationales Team von Wissenschaftlern sucht heute nach dem Palast des Großkhans. Vermutlich wurde auf seinen Ruinen 1586 das erste buddhistische Kloster der Mongolei gebaut.

Bildergalerie

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Asien: Mongolei

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Kloster-Erdene-Zuu: das Kloster wurde nach tibetischem Vorbild erbaut.

Kloster-Erdene-Zuu: das Kloster wurde nach tibetischem Vorbild erbaut.

Über 50 Jahre lang war Religion in der Mongolei verboten. In den Jahren der sowjetischen Vorherrschaft wurden fast alle Klöster zerstört, so auch Erdene Zu. Heute leben wieder Mönche im Kloster, aber ein Großteil der Kultgegenstände und kostbare heilige Bücher in Sanskrit gingen verloren.

Haupttempel im Kloster Erdene Zuu - Detail.

Hirschstein aus der Bronzezeit im Orchon-Tal.

Kloster Erdene Zuu: Der zentrale Klostertempel im Orchon-Tal ist nach tibetischen Vorbildern gebaut. Dreigeschossig mit Holz-Ornamenten.

Das erste buddhistische Kloster der Mongolei, 1586 gebaut. Es heißt Erdene Zu, „Kostbarer Herr“. Nach alter Tradition umrunden Gläubige immer wieder die 100 Stupas der Mauern von Erdene Zu.

Lama Tempel im Kloster Erdene Zuu: es war ein mongolischer Fürst, der im 16. Jahrhundert zum ersten Mal den Titel „Dalai Lama“ verliehen bekam.

Klöster und Lama-Mönche prägten für Jahrhunderte das religiöse und soziale Leben im Orchon-Tal.

Das Wasser des Orchon gibt der Bergsteppe Leben. Ein heiliger Fluss, mythenumwoben. Rund 1000 Kilometer durchquert er das Herz der Mongolei bevor er in den Baikalsee mündet.

Wer hier lebt, muss sich an die Natur anpassen: an riesige Entfernungen und wegelose Wildnis. An harte Winter bis zu 50 Grad minus, scharfe Winde und staubige Sommer.

Leben heißt im Orchon-Tal: Umherziehen mit mobilen Jurten. Wie seit Jahrhunderten leben die Menschen von der Viehzucht und wandern von Weidestelle zu Weidestelle.

An den fruchtbaren Ufern des Orchon lagen die Zentren großer, vergangener Steppenreiche. Und mitten im Kernland der Nomaden gab es eine legendäre Stadt: Karakorum.

Daten & Fakten

Kulturdenkmal:Orchon-Tal: Kulturlandschaft des Orchon-Tals
UNESCO-Ernennung: 2004

Der Orchon-Fluss entspringt im Osten des Changai-Gebirges, und fließt von dort aus in großen Schlaufen Richtung Norden. Kurz vor der russischen Grenze vereinigt er sich mit der Selenga, welche anschließend in den Baikalsee mündet
1220
Spätere Inschriften verbinden die Gründung von Karakorum mit Dschingis Khan
1235
Unter Ugedai Khan, dem Sohn und Nachfolger Dschingis Khans entwickelt sich Karakorum zur ersten Hauptstadt des Mongolenreiches. Von ihm wird die bedeutende Residenz zu einer richtigen Stadt ausgebaut und zusätzlich mit einer Befestigungsanlage versehen
1237/8
Der älteste zeitgenössische Nachweis für die Existenz von Karakorum ist eine Münze
im 13.Jh.
wird die Haupstadt der gegenüber allem Neuen toleranten Khane zum Schmelztiegel unterschiedlicher Religionen, Kulturen und Völker
1368
Die Chinesen stürzen die mongolische Yuan-Dynastie, woraufhin die Mongolen zurück in die nördliche Steppe fliehen
1415
Eine mongolische Reichsversammlung beschließt den Wiederaufbau
1568
Gründung des buddhistischen Klosters «Erdene Zuu», auf den Ruinen der alten Stadt Karakorum
noch heute
ist Karakorum für die Mongolen die Keimzelle und Geburtsstätte ihres Nationalstaates

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