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14:39 min | So, 6.5.2018 | 6:00 Uhr | SWR Fernsehen

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Das historische Tallinn, Estland, Folge 131

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Der nordöstlichste Punkt des mächtigen Hansebundes war die alte Handelsstadt Reval, die heutige estnische Hauptstadt Tallinn. Reval hatte eine Schlüsselstellung für den Handel des Westens mit dem Russischen Reich und weiter Richtung Osten inne. Einen herausragenden Platz unter den Hansestädten nahm Reval aufgrund eines einzigartigen Privilegs ein: sämtliche vorbeikommende Waren mussten vor den Toren der Stadt gestapelt werden. Revals Kaufleute verdienten so am erzwungenen Zwischenhandel zwischen Ost und West. Schnell wurde die Stadt zur Festung, mit 35 Türmen bewehrt.

Filmtext

Um 1230 siedelt der deutsche Schwertritterorden westfälische und Lübecker Kaufleute am Eingang zum finnischen Meerbusen an Es ist die Gründungszeit der Hansestadt Reval. Reval nimmt unter den Hansestädten schnell einen herausragenden Platz ein.

Vor den Toren der Stadt mussten auf Grund eines einzigartigen Privilegs sämtliche vorbeikommende Waren gestapelt werden, d.h. die Kaufleute Revals verdienten am erzwungenen Zwischenhandel zwischen Ost und West. Reval ist eine Festung bewehrt mit 35 Türmen auf den Mauern stehen die besten Kanoniere des Ostens und wachen über die Schätze der Kaufleute.

Zwischen 1403 und 1415 also in 12 Jahren handelt allein der Kaufmann Veckinhusen über 300000 Felle aus dem russischen Reich und schickt sie weiter nach Deutschland bis nach Flandern und England. Irgendwann um 1460 betritt auch der junge Kaufgeselle Hans Pawels die Stadt. Er hat von dem Reichtum der hansischen Kaufherren gehört und will hier sein Glück versuchen.

Kaufleute aus ganz Europa zieht es nach Reval doch nur wenige erhalten das Privileg hier allein handeln zu dürfen. Eifersüchtig wachen die Gilden über ihre Rechte. Reval hat die Schlüsselstellung auf dem Handelsweg in das russische Reich und weiter Richtung Osten nach Arabien ja sogar bis China. Wer in Reval Handel treiben will, muss in den auserlesenen Kreis der Gilden kommen.

Für junge Kaufgesellen wie Hans Pawels gibt es die Schwarzhäupter. In dieser Gilde müssen sie ihre Tüchtigkeit unter Beweis stellen, bevor sie eine Tochter der Handelsherren heiraten und sich als Bürger der Stadt endgültig niederlassen dürfen. Pawels wird Mitglied der Schwarzhauptgilde, der Gilde der unverheirateten Kaufgesellen.

Als Schwarzhaupt darf er auch eigene Geschäfte tätigen, gehört aber noch nicht zum Patriziat der Stadt.

Der heilige Mauritius, Namensgeber und Schutzpatron der Schwarzhäupter. Als Kommandeur einer römischen Legion erlitt er den Märtyrertod. Vorbild für die auch dem Gemeinwohl verpflichteten Gildemitglieder: Der Turnierreiter in Rüstung - ein Hinweis auf die Verpflichtung, im Verteidigungsfall für die Stadt zu kämpfen. Doch die jungen Kaufgesellen tragen noch mehr zur öffentlichen Erbauung bei. Im Jahre 1481 bestellen sie das Altarbild der Heiligen Jungfrau und lassen sich darauf auch gleich porträtieren.

Eine selbstbewusste Geste mit zugleich demonstrativer Bescheidenheit. Auf dem Hauptbild des Altars, neben der Heiligen Jungfrau, die gerüsteten Schwarzhäupter. Man darf annehmen, dass die beiden Herren einen erheblichen Beitrag zur Erstellung des Altars geleistet haben. Reval besteht aus einer Ober- und einer Unterstadt, zwei unversöhnliche Teile, deren Geschichte voller Konflikte ist. Bis ins letzte Viertel des 19. Jahrhunderts herrschen in der Stadt zwei unterschiedliche Rechtssysteme.

Unten das Lübecker Stadtrecht, oben das herrschaftliche Recht von Adel, Bischof und Statthalter. Wollte jemand aus der Oberstadt nach unten, musste er um den Schlüssel zu einem der zwei Tore bitten. Oft genug wurde dies von den selbstbewussten Kaufleuten verweigert. Fast zweieinhalb Kilometer zieht sich die Stadtmauer um das alte Reval. Eine Bastion, durch zusätzliche Wälle geschützt, die auch starken Angreifern ausreichend Widerstand leisten konnte.

Erbaut wurde die Mauer wie auch die meisten Häuser der Stadt aus Kalkstein, den man überall in der Umgebung der Stadt findet. Ein Zerwürfnis mit Russland führt 1494 zur Schließung des Nowgoroder Hansekontors, damit liegt das Stapelrecht für den Handel mit dem Osten allein in Reval. Es ist die Blütezeit der Stadt.

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Europa: Estland

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Dies ist das Rathaus. Hoch oben über dem Rathaus wacht der Schutzpatron der Stadt, der alte Thomas. Über 500 Jahre lang hatte er als Wetterfahne für die Seeleuten gedient.

Dies ist das Rathaus. Hoch oben über dem Rathaus wacht der Schutzpatron der Stadt, der alte Thomas. Über 500 Jahre lang hatte er als Wetterfahne für die Seeleuten gedient.

Innerhalb des Rathauses gibt es den großen Saal, in früherer Zeit war er Lagerraum für wertvolles Handelsgut, der geschmückt ist mit den hansischen Farben - gelb-blau für die Hanse, rot-grün für Reichtum.

Gebaut wurde die Mauer wie auch die meisten Häuser der Stadt aus Kalkstein, den man überall in der Umgebung der Stadt findet.

Reval glich einer Festung, bewehrt mit 35 Türmen auf den Mauern, auf denen die besten Kanoniere des Ostens standen und über die Schätze der Kaufleute wachten.

Kaufleute aus ganz Europa zog es nach Reval doch nur wenige erhielten das Privileg hier allein handeln zu dürfen. Wer in Reval Handel treiben wollte, muss in den auserlesenen Kreis der Gilden kommen, wie beispielsweise in den der Schwarzhauptgilde. Die Gilde der unverheirateten Kaufgesellen.

Dies ist der Altar, gewidmet dem Schutzpatron der Segler und Händler St. Nikolai, im Inneren der Kirche der deutschen Gemeinde.

Vor den Toren der Stadt mussten auf Grund eines einzigartigen Privilegs sämtliche vorbeikommende Waren gestapelt werden, d.h. die Kaufleute Revals verdienten am erzwungenen Zwischenhandel zwischen Ost und West.

Reval besteht aus einer Ober- und einer Unterstadt, deren Geschichte voller Konflikte ist. Bis ins letzte Viertel des 19. Jahrhunderts herrschen in der Stadt zwei unterschiedliche Rechtssysteme.

Geschaffen wurde dieser Altar von dem Lübecker Meister Hermann Rode.

Die jungen Kaufgesellen der Schwarzhauptgilde trugen zur öffentlichen Erbauung bei. Im Jahre 1481 bestellen sie das Altarbild der Heiligen Jungfrau und ließen sich darauf auch gleich porträtieren.

Auch Hans Pawels hat Glück, er kauft sich im gleichen Jahr ein großes Stadthaus, seinen erfolgreichen Geschäften angemessen. Zu dieser Zeit ist er bereits Mitglied der Großen Gilde. Ihr gehören die erfolgreichsten Kaufleute an, sie allein sind privilegiert Fernhandel zu treiben. Sie allein bestimmen die Mitglieder des Rates und damit das Schicksal der Stadt. Hoch über dem Rathaus der Schutzpatron der Stadt - der Alte Thomas.

Im Rathaus sein Vorgänger, der 500 Jahre als Wetterfahne den Seeleuten gedient und als Wahrzeichen über das Glück der Stadt gewacht hat. Im großen Saal, in früherer Zeit Lagerraum für wertvolles Handelsgut, die selbstbewusste Zurschaustellung der hansischen Farben - gelb-blau für die Hanse, rot-grün für Reichtum. Auch Hans Pawels hat nun als angesehener Handelsherr seinen Sitz im Rathaus. Doch hier wird nicht nur Geld vermehrt, sondern auch für das seelische Wohl der städtischen Gemeinde gesorgt.

Von Reval aus ergehen Aufträge an die bedeutendsten Künstler der Zeit.. Es ist die Kirche der deutschen Gemeinde, halb Lagerhaus, halb Fluchtburg und dabei immer Raum der Andacht. Für sie soll der Lübecker Meister Hermann Rode einen prächtigen Altar schaffen, gewidmet St. Nikolai, dem Schutzpatron der Segler und Händler.

Im Mastkorb des Segelschiffes St. Nikolai. Auf den Fahnen am Bug des Schiffes der Kopf des Heiligen Mauritius. Es ist die beste Zeit Revals, die Stadt strotzt vor Selbstbewusstsein. Noch werden Pelze, Getreide, und Wachs gegen Tuch und Salz getauscht, hortet man in den Lagerhäusern im Herbst das billige Getreide, um es im Frühjahr in Zeiten des Hungers teuer zu verkaufen. Doch lange wird sich das Monopol nicht mehr halten lassen, der Hansebund zeigt bereits die ersten Risse, auch bedrängt Russland die reichen Kaufherren in Reval.

Nichts währt ewig, so ist die Botschaft des Revaler Totentanzes. Der Lübecker Meister Bernt Notke schuf das Gemälde.

Es mahnt die Lebenden an die Vergänglichkeit alles Irdischen und die Unvermeidbarkeit des Todes. Fast trotzig die Grabplatte eines Revaler Kaufmanns, der gläubig doch wehrhaft sein Leben bestritt, so zumindest will er es den Betrachter glauben machen. 200 Jahre später, wird sich Reval den Zaren in Moskau unterwerfen. Besiegt, doch mit allen Privilegien. Wieder ein Erfolg für die reichen Handelsherren und ihre prächtige Stadt.

Reval heißt heute Tallinn und ist die Hauptstadt des Staates Estland. In der Kirche zu St. Olau schuf sich Hans Pawels seine eigenes Denkmal. Der zugewanderte Kaufgeselle hat in Reval sein Glück gefunden und mahnt die Lebenden.

Buch und Regie: Heiko Petermann

Filmmusik & Stab

Musik:

Schätze der Welt II - Vor- und Abspann:
Oliver Kraft
Soundtrack Tallinn:
Fritz Krisse


Buch und Regie: Heiko Petermann
Kamera: Thomas Stokowski

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