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14:44 min | So, 17.3.2019 | 19:40 Uhr | 3sat

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Das Bauhaus, Deutschland, Folge 101

SWR

1919 wurde in Weimar ein Mythos geboren. Sein Schöpfer, der Architekt Walter Gropius, hatte die Vision vom klaren, durchsichtigen und funktionalen Bauwerk für den neuen Menschen. Zum Kulturdenkmal wurde in Weimar das Hauptgebäude und Van-de-Velde-Bau der Hochschule für Architektur und Bauwesen erklärt, Wirkungsstätte von so namhaften Malern wie Paul Klee und Lyonel Feininger sowie Architekten wie Henry van de Velde und Walter Gropius, sowie das »Haus am Horn« in Dessau das Bauhausgebäude nebst originalgetreu wiederhergestelltem Feininger-Haus.

Filmtext

1919 wird in Weimar ein Mythos geboren. In der ehemaligen Kunstgewerbeschule wird eine Kunstinstitution gegründet, die auch das Leben neu gestalten will, und auf die sich bis heute die Architektur fast zwanghaft beruft: Das Bauhaus.

Der Schöpfer des Bauhausmythos: Der Architekt Walter Gropius. Seine Vision: 'Der Bau der Zukunft'. Klar, durchsichtig und funktional, ein lichtdurchlässiger Arbeits- und Lebensraum für den 'neuen Menschen'. "Das Bauhaus erstrebt die Sammlung allen künstlerischen Schaffens zur Einheit". Gropius' Idee wird von Künstlern mit völlig unterschiedlichen Stilen geteilt. Die Maler Lyonel Feininger und Paul Klee werden als Bauhauslehrer verpflichtet. Georg Muche, der Kunstpädagoge Johannes Itten, der großen Einfluss auf die Schüler ausübt, auch Wassily Kandinsky, der 'Erfinder' der abstrakten Malerei..

Als das Bauhaus in Weimar Quartier bezog, hatte Gropius das Ziel gesteckt, den Weg sollten Schüler und Lehrer gemeinsam suchen, Suche war Programm. Frei von der akademischen Tradition wollte man bei den mittelalterlichen Bauhütten in die Schule gehen, und bei der modernen Wissenschaft.

Schularbeiten: die Fingerübungen der Bauhausschüler sind heute Museumsstücke. Reliquien aus der Grundausbildung: Gestaltungsaufgaben mit Elementarformen und Primärfarben. Bruch mit der akademischen Hierarchie. Studenten und Professoren nennen sich 'Meister' und 'Gesellen'. Der Auftritt der 'Bauhäusler' schockiert in Weimar. Gelegentlich verstellte man sich provokant. Feste und Manifeste gehören zum Bauhaus-Programm. Weltoffenheit statt Provinzialität: die eigene Kapelle spielt nicht den Kleinstadtrhythmus. Nach 4 Jahren verlangt der staatliche Geldgeber einen Leistungsnachweis des Bauhauses. Trotz der internationalen Anerkennung für die Ausstellung werden die finanziellen Mittel gestrichen. Mit dem Sieg der Rechtsparteien ist für das Bauhaus das Ende in Weimar gekommen.

"Eine solche Schule, bewegend und in sich selbst bewegt, wird ungewollt zum Gradmesser der Erschütterungen des politischen und geistigen Lebens der Zeit", so der Bauhauslehrer Oskar Schlemmer.

Schon ein Jahr später berichtet eine Besucherin der Industriestadt Dessau von einem 'Riesenlichtkubus', dem neuen Bauhaus: "bei heller Sonne und blauem Himmel wirkt das Gebäude als Konzentration allen Lichts, aller Helle, Glas, Glas." Ohne den Kubus von Dessau wäre der Bauhausmythos nicht entstanden. "Das Bauhaus war eine Idee und ich glaube, dass die Ursache für den ungeheuren Einfluss, den das Bauhaus auf jede fortschrittliche Schule in der Welt gehabt hat, in der Tatsache zu suchen ist, dass es eine Idee war", so der letzte Bauhausdirektor Mies van der Rohe im Rückblick. Das Bauhaus war eine Idee und ein Gebäude aus Beton und Glas, entworfen von Walter Gropius. Wagemutig hatte er mit riesigen Glasfassaden die Grenzen zwischen Innenraum und Außenwelt aufgehoben.

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Das Bauhaus - Mythos und Missverständnis

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Das Bauhausgebäude in Dessau. Es wurde im Dezember 1926 von Walter Gropius eingeweiht. Gropius hatte ein Gebäude aus Beton und Glas, entworfen und wagemutig mit riesigen Glasfassaden die Grenzen zwischen Innenraum und Außenwelt aufgehoben.

Das Bauhausgebäude in Dessau. Es wurde im Dezember 1926 von Walter Gropius eingeweiht. Gropius hatte ein Gebäude aus Beton und Glas, entworfen und wagemutig mit riesigen Glasfassaden die Grenzen zwischen Innenraum und Außenwelt aufgehoben.

Die in Serie produzierten Möbelentwürfe des Bauhausschülers Marcel Breuer, berühmt für seine Stahlrohrmöbel, sind heute begehrte Designklassiker.

Designklassiker: die Stahlrohrmöbel von Marcel Breuer. Der deutsch-jüdische Marcel Breuer war ein enger Mitarbeiter von Walter Gropius. Er emigrierte 1933 nach Amerika und war dort als Architekt und Professor an der Harvard University tätig. Er entwarf u.a. das Whitney Museum of American Art in New York City.

Das Kornhaus von Carl Fieger: die Gaststätte liegt auf dem Elbdeich und wurde 1929-1930 im Auftrag der Stadt Dessau erbaut. 1996 wurde es denkmalgerecht saniert.

Ohne den Kubus von Dessau wäre der Bauhausmythos nicht entstanden. "Das Bauhaus war eine Idee und ich glaube, dass die Ursache für den ungeheuren Einfluss, den das Bauhaus auf jede fortschrittliche Schule in der Welt gehabt hat, in der Tatsache zu suchen ist, dass es eine Idee war", so der letzte Bauhausdirektor Mies van der Rohe im Rückblick.

Das Treppenhaus im Bauhaus - unschwer zu erkennen in Oskar Schlemmers Gemälde "Bauhaustreppe".

Das Bauhaus war in Werkstätten gegliedert, die von Meistern geleitet wurden. So entstanden u.a. diese Holzstühle nach Entwürfen von Marcel Breuer

Ein Jahr nach Eröffnung berichtet eine Besucherin: "Bei heller Sonne und blauem Himmel wirkt das Gebäude als Konzentration allen Lichts, aller Helle, Glas, Glas."

In den 14 Jahren seines Bestehens blieb das Bauhaus Schule, Werkstatt und Versuchslabor. Die Studenten entwerfen Industrieprodukte: von der Glühbirne bis zum Werbeprospekt.

1919 wird in Weimar ein Mythos geboren. In der ehemaligen Kunstgewerbeschule wird eine Kunstinstitution gegründet, die auch das Leben neu gestalten will, und auf die sich bis heute die Architektur fast zwanghaft beruft: Das Bauhaus.

Der Schöpfer des Bauhausmythos: Der Architekt Walter Gropius. Seine Vision: 'Der Bau der Zukunft'. Klar, durchsichtig und funktional, ein lichtdurchlässiger Arbeits- und Lebensraum für den 'neuen Menschen'.

Für die Bauhausmeister entwarf Walter Gropius die "Meisterhäuser". Nahe der Bauhausgebäude liegen sie geschützt in einem Kiefernwäldchen.

Die 'Kommandobrücke', die Gebäudeflügel verbindet. Direktor und Bauhausmeister, die sich jetzt wieder 'Professoren' nennen, blicken optimistisch in die Zukunft. Schon bald ist das Bauhaus eine Wallfahrtsstätte für alle Architekturbegeisterten. Das Haus spricht für sich selbst und wirbt damit für den Bauhausgedanken: Transparenz in Kunst und Leben. Hinter der Glasfront lagen die Unterrichtsräume und Werkstätten offen. Wie schon in Weimar, ist in Dessau der Vorkurs die Voraussetzung für die Aufnahme in eine der Werkstätten. In diesem Vorkurs werden Eigenschaften und Verwendungsmöglichkeiten der verschiedenen Materialien erprobt. Gebilde aus Papier, im Vorkurs entstanden - Bestandteile der Sammlung des Bauhaus-Archivs in Berlin. Lehrlingsarbeiten, Gesellenstücke, Meisterwerke. Die Ausstellung widerlegt auch den Irrtum, es gäbe einen Bauhausstil. Es gibt viele. Kunstgewerbliche Handarbeit neben Entwürfen für industrielle Serienfertigung.

Exemplarische Edelexponate, wie die Metallarbeiten von Marianne Brandt, handgetriebene Einzelstücke, und die in Serie produzierten Möbelentwürfe des Bauhausschülers Marcel Breuer, berühmt für seine Stahlrohrmöbel. Oder Holzstühlchen fürs Kinderzimmer, Entwurf: Marcel Breuer. In den 14 Jahren seines Bestehens blieb das Bauhaus Schule, Werkstatt und Versuchslabor.

Die Studenten entwerfen Industrieprodukte: von der Glühbirne bis zum Werbeprospekt.

Einer der prägendsten Bauhauslehrer: Der Ungar Moholy Nagy, Initiator kreativer Experimente mit neuen Techniken. Durch ihn wird Fotographik ein zentrales Thema im Bauhausprogramm.

Das 5-stöckige Atelierhaus bietet 30 geförderten Studenten Arbeits- und Wohnraum.

Die 'Bauhäusler' sind in der Industriestadt Dessau anfangs willkommen und genießen bis zuletzt den Schutz eines liberalen Bürgermeisters, der das Institut gegen die Angriffe der nationalsozialistischen Stadtverordneten verteidigt.

Bauhausleben. Sieben Jahre lang kann es sich in Dessau im spannungsreichen Gleichgewicht halten. Gropius hatte für sich und die Bauhaus-Lehrer die "Meisterhäuser" entworfen und in Reichweite der Schule errichten lassen, geschützt in einem Kiefernwäldchen. 1995 wurde das Feiningerhaus rekonstruiert. Bauhausmeister im Bauhausmobiliar. Auch Direktor Gropius und Frau wohnen mit den anspruchsvoll schlichten Möbeln aus der Bauhausproduktion. Das Allerheiligste der Meister: Das Atelier -und von seinen Bildern umgeben: Paul Klee.

Für kurze Zeit konnte sich in Dessau die Bauhausidee im Alltag verwirklichen: Gemeinschaftliches Leben und Arbeiten. Gropius wirkte als Koordinator und Moderator. 1928 legte er sein Amt nieder. Sein Nachfolger Hannes Meyer wird nach zwei Jahren aus politischen Gründen entlassen, die letzten Jahre leitet der renommierte Architekt Mies van der Rohe das Bauhaus als reine Architekturschule und nicht als "Wiedervereinigung aller werkkünstlerischen Disziplinen". Der autoritäre Stil kann nicht die ursprüngliche Begeisterung bei den Studenten wecken.

1932 spielt die Bauhauskapelle zum letzten Tanz auf: Die Nationalsozialisten haben die Schließung des ihnen verhassten Instituts durchgesetzt.

Trotz Fortführungs- und Wiederbelebungsversuchen, das Bauhaus war tot, doch sein Mythos lebte und breitete sich weltweit aus, oft missverstanden und reduziert auf einen Designstil.

Stückweise rekonstruiert und heute kreativ genutzt, ahnt man, welche Faszination das Bauhaus und seine Bühne ausübte, als keine Mauern zwischen Alltag und künstlerischer Überhöhung aufgerichtet waren.

Mit Leichtigkeit und spielerisch waren hier Grenzen überschritten worden.

Das Bauhauserbe: Nicht nur Museumsstücke, sondern auch seine Idee, die noch heute in die Zukunft weist.

Buch und Regie: Christian Romanowski

Filmmusik & Stab

Pasternak, Boris/Hoffmann, Ernst Th.
Sonate für Klavier
Gicquel, Annie
Duchamp, Marcel
La mariée mise à nu par ses celibataires
Eisler, Hanns
Anmut sparet nicht noch Mühe
Hindemith, Paul
Lustige Sinfonietta d-moll, op.4
Kraft, Oliver
Schätze der Welt II
Monk, Meredith
Personal Climate
Arevalo, Carlos
Hindemith, Paul
Lustige Sinfonietta d-moll, op.4
Pasternak, Boris/Hoffmann, Ernst Th.
Sonate für Klavier
Gicquel, Annie
Saariaho, Kaija
Verblendungen für Orchester und Tonband
Schreker, Franz
Kleine Suite für Orchester
Schulhoff, Erwin
Tango from Esquisses de Jazz
Suite for Chamber Orchestra
Hot-Sonate für Altsaxophon und Klavier
Bensmann, Detlef, Rische, M.
Schutt, Arthur
Delirium
Nichols, Ernest Loring "Red"
Five pennies
Mueller, Gus, Busse, Henry
Wang wang blues
Grouya, Ted
Flamingo
Mingus, Charles
Milhaud, Darius
Scaramouche, op. 165b
Bensmann, Detlef

Buch und Regie: Christian Romanowski
Kamera: Rüdiger Kortz

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