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Europa: Griechenland Filmtext & Video

Das antike Olympia

14:52 min | Di, 24.5.2016 | 7:35 Uhr | SWR Fernsehen

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Olympia: Das antike Olympia, Griechenland, Folge 301

SWR

Seit 776 vor Christus wurden Olympischer Spiele auf dem Peleponnes abgehalten. Rund 1000 Jahre lang, bis Erdbeben, historische Umwälzungen und die schlammigen Fluten des Flusses Kladeos das Feld der Ehre versinken ließen. 1000 Jahre sportliche Großtaten, Ringen um Ehre und Ölzweig. Geschichten von Helden und Halbgöttern und - von Skandalen. In Olympia lassen sich die Basen von Siegerstatuen, die Säulenstümpfe, die Tempelteile wie ein sportlicher und kultischer Almanach lesen.

Filmtext

Sie kommen aus Kleinasien, vom Schwarzen Meer, aus Nordafrika, von Zypern und Großgriechenland auf den Peleponnes. 40.000 Sportbegeisterte wollen Glanzleistungen sehen - und ihren Göttern huldigen. Die Hitze flirrt über der Arena. Ein Zuschauer ist verdurstet, ein Bestechungsskandal bekannt geworden. Ein Politiker lässt sich feiern...

So könnte sich die Chronik ganz gewöhnlicher olympischer Spiele lesen, wie sie seit 776 vor Christus in Olympia statt gefunden haben. Pausanias ist unser Gewährsmann. Er hielt fest, was an architektonischer Pracht noch zu sehen und von Göttern und Helden zu erzählen war. Ein antiker Reiseführer, 200 nach Christus. Da waren die Spiele schon fast ein Jahrtausend alt und die Katastrophen nah... Erst bebte die Erde. Dann erhoben sich die viel besungenen Flüsse Alpheios und Kladeos. Ihre Schlammmassen deckten zu, was nach dem Donnergrollen übrig blieb.

Vier Meter unter der Erde schlummerten heilige Hallen, Siegerstatuen, Trainingslager, Schatzhäuser, eine Nobelherberge - und große Ideale. Bis zur Wiederentdeckung im 18. Jahrhundert.

Ionische Säule

Überrest einer ionischen Säule

100 Jahre später begannen deutsche Archäologen mit systematischen Grabungen. Mit ihnen kamen die weitschweifigen Beschreibungen des Pausanias zu neuen Ehren. Man nutzte sie wie Bauzeichnungen, wie Bastelanleitungen für Puzzelteile. Bis heute graben und forschen die Deutschen hier. Sortieren Scherben und Epochen aus einem Jahrtausend. Die großen Schätze sind längst gehoben. Welche eine Freude für die Ruinenromantiker - so werden die Deutschen von den Griechen freundlich belächelt - wenn dann doch noch größere Funde gelingen. Wie unlängst der Sockel eines Weihgeschenks der Byzantier. Mit Inschrift! Ein Fuß 2500 Jahre alt!

"Die hervorragendsten Leistungen im Lauf stammen vom Rhodier Leonidas. Er hielt vier Olympiaden seine Schnelligkeit überragend aus und ihm fielen 12 Siege im Laufen zu."

Stadionlauf, knapp 200 Meter, so hatte alles begonnen. An der 18. Olympiade kamen Fünfkampf und Ringkampf dazu, an der 25. Pferderennen - irgendwann wird aus dem eintägigen Spektakel ein 5-Tage-Fest.

Wettkampf ist "Agon" - Spiel und Siegen. Keine Stoppuhr, kein Metermaß. Erster zu werden ist das Ziel, nicht zweiter, nicht dritter. Den Kranz des wilden Ölbaums erringen. Und dann die eigene Statue auf dem Podest zu sehen. Pausanias las die Inschriften wie Jahrbücher der Olympiaden. Für uns klingen sie wie Heldensagen.

"Milon aus Kroton wurden sechs Siege im Ringkampf zuteil. Es wird erzählt, dass er seine Statue selbst in die Altis getragen habe."

Die Olympioniken wurden am letzten Tag der Spiele im Zeustempel geehrt. Sport und Kult, Weihehandlungen und Wettstreit. Wie die Götter es vorgegeben haben. Es heißt Zeus habe seinen Vater Kronos mit den Fäusten besiegt und Apollon den Ares im Fünfkampf und den Hermes im Lauf. In den Friesen des Zeustempels sind die Gründungsmythen der Spiele, aber auch der Aufruf zum Frieden verewigt. Nach den Perserkriegen kamen die ewig zerstrittenen Griechen zur Einsicht, dass Olympia zum Symbol ihrer innerstaatlichen Eintracht werden sollte. Mit Orakel und Schiedsgericht.

"Habt ihre Barbaren nicht Feinde genug, dass ihr vertilgen müsst hellensche Städt und Männer", mahnte Aristophanes 411 vor Christus. Wenig später wurde der Zeustempel errichtet. Aus der Kriegsbeute der Eleer. Geschmückt mit der Siegesbeute eines römischen Feldherrn. Für den Frieden! Wer heute durch die Steinwüste stolpert, spürt nur die Macht der Giganten, aber nicht die einstige Herrlichkeit des Tempels, des bedeutendsten Bauwerks frühklassischer Architektur. 20 Meter hoch, 70 Meter lang...! Es ist der Versuch einer Andeutung jener Pracht, wenn deutsche Archäologen und Steinmetze jetzt eine Säule wieder aufrichten . Denn just an diesem Ende stand das große Bild des Zeus. Aus Gold, und Elfenbein.. Unvorstellbar. Ein Weltwunder der Antike.

Hier hatte sein Künstler Phidias seine Werkstatt - die Zeitläufte haben daraus später eine byzantinische Kirche gemacht..." Als die Statue fertig war, betete Phidias zum Gott, er möge ein Zeichen geben, ob das Werk nach seinem Wunsch sei und der habe sofort an der Stelle des Bodens einen Blitz niederfahren lassen..."

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Europa: Griechenland

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Bis zur Wiederentdeckung im 18. Jahrhundert schlummerten die heilige Hallen, Siegerstatuen, Trainingslager, Schatzhäuser und vieles mehr vier Meter unter der Erde.

Bis zur Wiederentdeckung im 18. Jahrhundert schlummerten die heilige Hallen, Siegerstatuen, Trainingslager, Schatzhäuser und vieles mehr vier Meter unter der Erde.

Die Beschreibungen der Spiele durch den Zeitzeugen Pausanias dienten den deutschen Archäologen, um Bauzeichnungen und Lagepläne zu erstellen.

394 nach Christus ließ der römische Kaiser Theodosius die Spiele verbieten. Später begrub Schlamm die antiken Stätten.

Die schönsten und besterhaltenen Statuen des antiken Olympias sind im Museum von Olympia ausgestellt.

Die antiken Spiele waren voll durchorganisiert. Die teilnehmenden Athleten unterwarfen sich strengen Wettkampfregeln. Doch auch Schummeln und Skandale waren nicht unbekannt.

Die Löwenköpfe gehören vermutlich zu einer großen Brunnenanlage.

Die verschiedenen griechischen Baustile sind an den Überresten der Säulen abzulesen. Leicht zu erkennen: das Kapitell einer ionischen Säule mit der schneckenförmigen Volute.

Wettkampfvorbereitungen der Faustkämpfer und Ringer fand in der Palästra statt. Im Innenhof, der von dorischen Säulen umrahmt war, wurde unter freiem Himmel trainiert.

Kult und Spiele - Olympia ist die steingewordene Erinnerung an ein Ideal. Ein Gesamtkunstwerk.

Die ionische Säule ist die, ab etwa 570 v. Christus vorherrschende Erweiterung der dorischen Säule. Charakteristisch ist die schneckenförmige Gestaltung des Kapitells.

Im 19. Jahrhundert begannen deutsche Archäologen mit systematischen Grabungen. Bis heute graben und forschen die Deutschen hier.

Die korinthischen Säulen erkennt man an den stilisieren Blattmotiven der Kapitelle.

Zugelassen zu den Spielen war jeder frei geborene Hellene, sofern er ehelich geboren und keines Verbrechens schuldig war. Aber der Ölzweig war bald nur noch eine Seite der Medaille. Sieger konnten in der Heimat mit Steuerbefreiung, Geldprämien, Geschenken rechnen. Der Weg ins Berufsathletentum beginnt bereits in Olympia. In den Zuschauerrängen waren nur Jungfrauen zugelassen, heißt es. Verheirateten drohte die Todesstrafe. "Kallipateia richtete sich - als ihr Mann gestorben war - als Sportlehrer her und brachte ihren Sohn zum Mitkämpfen. Als er siegte, übersprang sie die Umfriedung und entblößte sich... man ließ sie straffrei... und erließ ein Gesetz für Sportlehrer, dass sie nackt zum Kampf antreten müssten.

Mit den sogenannten Heräen hatten die Frauen ihre eigenen Wettkämpfe. Die Siegerinnen wurden auch mit dem Ölzweig bekränzt und durften ihr Standbild im Tempel der Hera weihen.

Kult und Spiele - Olympia ist die steingewordene Erinnerung an ein Ideal. Ein Gesamtkunstwerk. Hier stritten auch Trompeter um die Ehre, wurde Theater aufgeführt. Das gemeine Volk erfreute sich zwischen Jongleuren und Buden und hauste in Zeltstädten. Ein Volksfest mit Lärm, Gestank - und Wassermangel.

Eher luxuriös untergebracht waren die Athleten. Trainingsräume, Bäder, wahrscheinlich auch eine Bibliothek und Hörsäle, in denen Rhetoren unterrichteten. Trainingspläne, Hygienevorschriften - alles war genau geregelt. Auch die Athletenernährung war schon erfunden: Gerstenbrot, Weizenbrei, trockene Früchte für Leichtathleten. Der legendäre Ringer Milon jedoch soll täglich 20 Pfund Fleisch und 10 Liter Wein zu sich genommen haben. Die Idealgestalt war wohl auch nur ein Traum - und Hermes eben ein Gott...

Über die Einhaltung von Hygiene- und Wettkampfvorschriften wachten die Helladoniken, die Kampfrichter. Zu Beginn der Spiele legten sie mit den Athleten vor einer furchterregenden Zeus-Statue einen Eid ab. Aber das verhinderte nicht, dass Eitelkeit, Ehrgeiz und Meineid im antiken Olympia Siege errangen. Die verbliebenen Sockel vor dem Stadion bezeugen das. Sie trugen Zeusstatuen, die aus Strafgeldern gefertigt waren. Da wurden Gegner bestochen. Da wurden Athleten abgeworben, Kampfrichter gekauft.

"Wundern muss man sich schon, dass jemand vor dem Gott in Olympia keine Scheu hat...".

Während sich Pausanias noch entrüstet, hatten die Olympischen Spiele schon einige Skandale hinter sich .

Unter römischer Herrschaft wurde das Heiligtum geplündert.

Nero ließ die Spiele verschieben, damit sie in seinen Terminkalender passten. Er stürzte beim Wagenrennen und ließ sich dennoch als Sieger ausrufen. Andere römische Kaiser sorgten noch einmal für einen Aufschwung. Es entstanden neue Gebäude und ein Bewässerungssystem. Noch immer strömten die Massen - die beteten jetzt zu einem anderen Gott und bestaunten den großen goldelfenbeinernen Zeus als Touristen. 394 nach Christus ließ Theodosius die Spiele verbieten. Die Geschichte begrub die Spiele allmählich und der Schlamm der Flüsse deckte alles gnädig zu.

Bruchstücke von Siegern, Fetzen von Idealen liegen verstreut im olympischen Steinbruch. Die Arbeit der Steinmetze wird den Geist Alexanders des Großen in diesen Rundtempel nicht zurückkehren lassen, aber sie vermittelt ein Gefühl vom langen Atem einer grandiosen Geschichte.

In den frühen Morgenstunden vielleicht oder abends, wenn die Touristenbusse weg sind und das Pfeifen der Wächter verstummt ist, wenn die Olivenbäume flüstern, und tiefes Licht seine Schleier über alles legt, dann streift noch einmal Ahnung diesen Ort - ein Hauch von Heiligkeit.

Buch und Regie: Eva Witte

Filmmusik & Stab

Musik:
Schätze der Welt II - Vor- und Abspann:
Oliver Kraft

Soundtrack Olympia:
Biber Gullatz und Moritz Freise


Buch und Regie: Eva Witte
Kamera: Burkard Kreisel

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