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Filmtext & Video

14:04 min | Sa, 17.1.2009 | 6:00 Uhr | SWR Fernsehen

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Cartagena, Kolumbien, Folge 48

SWR

Die kolumbianische Hafenstadt Cartagena war der ideale Ort für ihre spanischen Eroberer, zum Landesinneren abgetrennt durch Berge und Hügel und zum Meer hin in einer weiten Bucht gelegen, durch vorgelagerte Inseln gedeckt. Zum Kulturdenkmal erklärt wurde der Hafen, »la Perla de las Indias« genannt, ein 11 km langer Verteidigungsgürtel (Murellas) nebst Festungsbauten und den Stadtteilen San Pedro, San Diego und Gethsemani.

Filmtext

Cartagena de las Indias.

Der natürliche Weg nach Cartagena führt übers Meer. Ihrer günstigen Lage am Meer verdankt die Stadt ihren Reichtum.

Die Spanier fanden als erste Europäer am Anfang des 16. Jahrhunderts hierher. Dass dieser Ort für eine Ansiedlung die besten Voraussetzungen bot, war ihnen von Anfang an klar; ein natürlicher Hafen am Ende einer weiten Bucht, zum Meer hin abgeschottet durch vorgelagerte Inseln, vom Landesinnere getrennt durch Berge und Hügel.

Schon 1508 überlegten die Spanier, sich hier niederzulassen. Naturgemäß hatten die damals hier noch lebenden Indianer etwas dagegen. Zu schwach oder zu rücksichtsvoll, um sie zu vertreiben, gaben die Spanier fürs erste ihr Vorhaben auf.

1533 aber kamen sie mit einer kleinen Flotte von drei Schiffen und 150 Mann Besatzung an diesen Ort zurück, nahmen das Land in Besitz und gründete auf einer von den Indianern mittlerweile verlassenen Insel Cartagena. Die Stadt erlebte schon bald einen glänzenden Aufschwung.

Fast der gesamte spanische Handel mit den neu eroberten Kolonien wurde über Cartagena abgewickelt. Cartagena wurde zum Umschlagplatz für Waren aller Art. Was immer in Westindien erbeutet wurde, Gold und Rohstoffe, nahm seinen Weg über diese Stadt. Im Gegenzug lief alles, was Spanien in die Kolonien lieferte, über Cartagena. Cartagena wurde eine reiche Stadt. Wo aber Reichtum ist, ist Neid und Gier nicht weit.

Der natürliche Weg nach Cartagena führt übers Meer. Das Meer steht jedem offen, der ein Schiff hat. Und Schiffe hatten auch die Feinde Spaniens und die Piraten.

Die Natur selbst erleichterte den Spaniern die Verteidigung ihrer Stadt. Vorgelagerte Inseln und Landzungen erlaubten ohnehin nur an zwei Stellen die Einfahrt in die Hafenbucht.

Eine Durchfahrt wurde von den Spaniern gleich gänzlich unpassierbar gemacht, die schmalere Zufahrt sicherten zwei Festungen.

Das Fort San Fernando mag für die damalige Zeit komfortabel gewesen sein. Heute erscheint es karg und spartanisch. Dabei gab es doch alles, was ein Soldat zum Leben braucht: Kanonen, Munition, eine Kapelle fürs Gebet und eine schon fast modern anmutende Toilettenanlage.

Ein Wasserloch in der Mitte des Hofes erleichtert den Dienst der Soldaten. An ihm lässt sich genau der Stand der Gezeiten ablesen. Ein kluger Krieger kann, ist wenig Wasser in dem Loch, bequem im Schatten bleiben und sich pflegen. Denn dann ist Ebbe. Bei Ebbe ist die Durchfahrt unpassierbar.

Wer hier trotz Hitze und Beschwer heraufklettert, wird durch den Blick auf San José entschädigt. An diesen beiden Forts, die den einzigen Wasserweg nach Cartagena bewachen, muss erst einmal vorbei, wer in die Stadt will.

Bedroht war die Stadt schon, seit es sie gab. Kaum war sie gegründet, wurde sie auch schon das erste Mal überfallen. Von einem französischen Piraten. Lang und voll bekannter Namen ist die Liste derer, die ihm folgten, darunter Sir Francis Drake, der 1586 nach Cartagena kam. Und jeder stahl und raubte, was er konnte. Da durfte man noch dankbar sein, wenn es beim Plündern blieb und nicht die ganze Stadt in Schutt und Asche fiel.

Bevor man, durch Schaden klug geworden, die vorgelagerten Inseln mit Festungen versah, versuchte man, die Stadt auf konventionelle Weise zu sichern und zu befestigen.

Eine gewaltige dicke Mauer, zehn Meter hoch und bis zu 25 Meter breit, wurde um die ganze Stadt herum gebaut, mit Wachtürmen und Schießscharten. Kanonen bestimmen das Stadtbild ebenso wie das heiter Verspielte der Plätze und Häuser mit ihren Balkonen.

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Südamerika: Kolumbien

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Der natürliche Weg nach Cartagena führt übers Meer. Ihrer günstigen Lage am Meer verdankt die Stadt ihren Reichtum.

Der natürliche Weg nach Cartagena führt übers Meer. Ihrer günstigen Lage am Meer verdankt die Stadt ihren Reichtum.

Fast der gesamte spanische Handel mit den neu eroberten Kolonien wurde über Cartagena abgewickelt. Cartagena wurde zum Umschlagplatz für Waren aller Art, was die Stadt zu einem hohen Reichtum brachte.

Ihrer günstigen Lage verdankt Cartagena ihren Reichtum. Zum Meer hin abgeschottet durch vorgelagerte Inseln und vom Landesinnere getrennt durch Berge und Hügel.

1508 überlegten die Spanier zum ersten Mal, Cartagena zu erobern. Naturgemäß hatten die damals hier noch lebenden Indianer etwas dagegen, sodass die Spanier fürs erste ihr Vorhaben aufgaben. Sie kamen Anfang des 16. Jahrhunderts wieder um sich endgültig in Cartagena niederzulassen.

Eine gewaltige dicke Mauer, zehn Meter hoch und bis zu 25 Meter breit, wurde um die ganze Stadt herum gebaut, mit Wachtürmen und Schießscharten um die Stadt vor Feinden zu schützen.

Nach dem Überfall von Sir Francis Drake befestigten die Bewohner die Stadt mit einem Schutzwall und riesigen Wehranlagen. Die Einfahrt in die Bucht säumten zwei Festungen, die zu passieren einige Schwierigkeiten mit sich brachte.

Wo Reichtum ist, ist Neid und Gier nicht weit. Die Stadt sah sich immer wieder den Angriffen von Piraten ausgesetzt, unter anderem auch dem Seeräuber Sir Francis Drake, der mit seinen Freibeutern im Zuge eines Raubüberfalles alles kurz und klein schlug.

Das Fort San Fernando mag für die damalige Zeit komfortabel gewesen sein. Es gab alles, was ein Soldat zum Leben brauchte: Kanonen, Munition, eine Kapelle fürs Gebet und eine schon fast modern anmutende Toilettenanlage.

Der Versuch Cartagena immer sicherer zumachen, kam den Spaniern teuer zu stehen, da diese immer wieder von Plünderern heimgesucht wurde, welche zum Teil die ganze Stadt in Schutt und Asche legten.

Die Stadt sah sich immer wieder den Angriffen von Piraten ausgesetzt und errichte daher die zwei Festungen San Fernando und San José.

San Fernando ist eine der zwei Festungen, die die schmale Zufahrt zur Stadt sicherten.

Die Natur selbst erleichterte den Spaniern die Verteidigung ihrer Stadt. Vorgelagerte Inseln und Landzungen erlaubten ohnehin nur an zwei Stellen die Einfahrt in die Hafenbucht.

Das gewaltigste Monument des Selbstbehauptungswillens Cartagenas ist die Festung San Felipe. Ein ganzer Hügel wurde hier zu Verteidigungszwecken überbaut.

Teuer zu stehen kam die Spanier ihr fortgesetzter Versuch, Cartagena immer sicherer zu machen. So teuer, dass der spanische König sich bitter über die Kosten beklagte. Aber gelohnt wird es sich schon haben, sonst hätte man kaum so viel investiert. Und diese immer wieder von Plünderern heimgesuchte Stadt wäre diesen nicht schon nach kurzer Zeit erneut als lohnenswertes Ziel erschienen.

Wehrhaft wie die Stadt erscheinen auch die Kirchen in ihr. Streng und abweisend sind sie, Festungen eher als Kirchen. Wo andere mit Gold und Edelsteinen prahlen, prunken sie mit ihrer Schmucklosigkeit. Die Kirche des Klosters, in dem der Heilige Pedro Claver lebte, direkt am Hafen gelegen, ist dafür ein gutes Beispiel.

Ein Beispiel für das Gute ist das Leben Pedro Clavers. Der größte Teil des Reichtums Cartagenas stammt aus dem Sklavenhandel, für den die Stadt so etwas wie ein Monopol besaß. Sklaven galten nicht als Menschen, man achtete sie weniger als die Tiere. Interessant an ihnen war ihre Arbeitskraft, sonst nichts. Auf schwimmenden Särgen, eingepfercht auf engstem Raum, schaffte man sie übers Meer. Dass ein Teil der Ladung dabei auf der Strecke blieb, elendiglich krepierte, was machte das schon. Nachschub gab es genug. An die Tausende Sklaven wurden jeden Monat auf dem Markt verkauft.

Der Einzige und Erste, der in den Sklaven mehr sah als nur handelbare Waren, die man mit einem Brandzeichen zum Eigentum abstempelte wie Vieh, war Pedro Claver. Von seinem Kloster ging der Jesuitenpater die wenigen Schritte zum Hafen, wann immer ein Schiff mit Sklaven einlief, nahm sich der Kranken und Geschwächten an, versorgte sie mit Medizin, verteilte Nahrungsmittel, Trost und Kleider. 'Sklave der Sklaven' wurde er dafür genannt.

Das gewaltigste Monument des Selbstbehauptungswillens Cartagenas ist die Festung San Felipe. Ein ganzer Hügel wurde hier zu Verteidigungszwecken überbaut. 1741 hatte der englische Admiral Edward Vernon mit seiner Streitmacht Cartagena eingenommen. Die ganze Stadt war schon in seinen Händen, bis auf die Festung San Felipe. Die Gedenkmünzen, die Vernons Sieg und Englands Triumph über Spanien verkünden sollten, waren schon geprägt. Da machte ein Mann den Engländern einen Strich durch die Rechnung.

Blas de Lezo. Die Festung im Rücken, kämpfte er im wahrsten Sinn des Wortes ohne Rücksicht auf Verluste. Er verlor im Kampf ein Auge, einen Arm, ein Bein, er kämpfte bis zur Erschöpfung und letztlich bis zum Tod.. Sein Beispiel gab den Mitstreitern die Kraft, die Engländer zurückzuschlagen und Cartagena zu retten. Von da an galten Cartagena und San Felipe als uneinnehmbar.

Das alles aber ist Geschichte. Vergessen und vorbei. Die unterirdischen Gänge San Felipes, die einmal überlebenswichtig waren, sind heute nur noch eine Touristenattraktion.

Wenn dann die Sonne sinkt, wenn Dämmerung sich auf die Mauern legt, verliert die Festung alles Martialische. Dann scheint es so, als überzieht sie ein sanfter Hauch von Nostalgie und wehmutsvoller Patina.

Buch und Regie: Hannes Spring und Josef Becker

Filmmusik & Stab

Musik:

Schätze der Welt I - Vor- und Abspann:
Büdi Siebert

Soundtrack Cartagena:
Rameau, Jean-Philippe
Les Indes Galantes (Take 5)
Les Arts Florissants
Pärt, Arvo
Tabula rasa
Jarrett, Keith; Kremer, Gideon
Rameau, Jean-Philippe
Les Indes Galantes (Take 5)
Les Arts Florissants
Rameau, Jean-Philippe
Les Indes Galantes ,
Les Arts Florissants
Campra, André
Messe des morts (Introit)
English Baroque Soloists
Rameau, Jean-Philippe
Les Indes Galantes (Take 5)
Les Arts Florissants


Buch und Regie: Hannes Spring, Josef Becker
Kamera: Gabor Bene, Dieter Wolf

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