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15:02 min | So, 17.3.2019 | 6:00 Uhr | SWR Fernsehen

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Byblos: Ruinen von Byblos, Libanon, Folge 308

SWR

Seit über sieben Tausend Jahren ist Byblos ununterbrochen besiedelt und zählt zu den ältesten Städten der Welt. Das nahe Libanongebirge ist mit den zur Legende gewordenen Zedernwäldern überzogen. Die ägyptischen Pharaonen brauchen das wertvolle Holz für den Bau ihrer Flotten und für den Bau der Pyramiden. Die Ägypter bezahlen mit nubischem Gold, mit wertvollen Stoffen und mit Papyrus. Gebál wird zur reichsten, bekanntesten Metropole der Epoche. Zugewanderte Griechen ersetzen später den alten Stadtnamen durch Byblos - das griechische Wort für Papier/Buch und benennen die Provinz Phönizien.

Filmtext

So als hätte das Meer die Ereignisse angespült und wieder mit sich hinweg gerissen, lagert sich die Geschichte an der Küste von Byblos im Libanon ab - wie Segmentgestein.

Einen Tagesmarsch von Byblos entfernt, an der Quelle des Adonisflusses bei Afgha, in den Bergen des Libanongebirges, fand das Leben des jungen Gottes Adonis ein Ende, zerrissen von einem wilden Eber.

Seine Geliebte Aphrodite hatte das schreckliche Leid vorausgeahnt. Die dramatische Liebessaga der Antike nährt die Phantasie der Menschen bis heute.

Das Blut des Adonis drang in das Erdreich, aus dem jene Anemonen wuchsen, die die Hänge des Libanon jedes Frühjahr mit rosiger Farbe überziehen. Und sein Blut mischte sich mit den Wassern des Adonisflusses, der sich fortan im Frühjahr rot färben sollte und bei Byblos ins Meer mündet.

Seitdem erinnern sich die Menschen an der Quelle und der Mündung des Adonisflusses mit Feiern und Ritualen an dieses Schicksal und machen so Byblos zum heiligen Ort des Adonis und der Liebe.

Ein magischer Ort.

So ist der kleine Hafen ein seit der Steinzeit genutztes Naturgeschenk, der seine Form nur wenig geändert hat.

Der Hafen als Tor zur fernen Welt und Basis des blühenden Handels der Region über die Zeit, mannigfaltige Kulturen und Zivilisationen hinweg. Ideale Zivilisationsbedingungen zwischen den über dreitausend Meter hohen Bergen des Libanongebirges mit seinen fruchtbaren Hängen und der nahen Küste. Seit über siebentausend Jahren ist Byblos ununterbrochen besiedelt und zählt zu den ältesten Städten der Welt.

In der Steinzeit sind es nur die Fischer, die von hier aus auf Meeresbeute gehen, doch im 3. Jahrhundert v. Chr. wandelt sich das Dorf zur ummauerten Stadt mit dem Namen Gebál.

Es sind die ägyptischen Pharaonen, die dem Nest am Mittelmeer eine neue Kultur bringen. Eine für die damalige Zeit nie da gewesene Handelsaktivität beginnt. Das nahe Libanongebirge ist mit den zur Legende gewordenen Zedernwäldern überzogen. Die ägyptischen Herrscher brauchen das wertvolle Holz für den Bau ihrer Flotten und für den Bau der Pyramiden. Sie bezahlen mit nubischem Gold, mit wertvollen Stoffen und mit Papyrus. Gebál wird bekannt und zur reichsten Metropole der Epoche. Byblos exportiert neben dem Zedernholz, auch das Harz für die Einbalsamierung der ägyptischen Mumien und wertvolle Goldschmiedearbeiten, treibt Handel mit Zypern, Kreta, Anatolien und den Hethitern. In ihrer Bedeutung, zur 'goldenen Zeit' der Stadt wäre sie heute nur mit New York, London oder Paris zu vergleichen. Hinzugewanderte Griechen ersetzten den alten Stadtnamen Gebál durch Byblos - das griechische Wort für Papier/Buch und benennen die Provinz Phönizien. Für die Geschäftsabwicklungen werden Verträge geschlossen und Botschaften gesendet. Papyrus und Handelsaktivität bilden die Grundlage für die Erfindung des ersten Buchstaben Alphabets aus 22 Zeichen.

Die nun mächtigen Könige Phöniziens werden in Sarkophagen beigesetzt, die mit Hilfe von Sand tief im Felsen versenkt werden, damit niemand sie störe. Der Sarkophag König Ahirams von Byblos, einer von neun phönizischen Königen, die Byblos regieren, trägt die ersten neuen Schriftzeichen. Sie bilden die Basis aller heute verwendeten Alphabete. .. Byblos wird um 1300 vor Christus zum Geburtsort der Schrift. Die Inschrift auf König Ahirams Sarkophag beschwört und warnt: Jedweder, der das Grab berühren oder Byblos zerstöre, solle seine Macht verlieren und und im Unfrieden leben.

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Asien: Libanon

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Byblos wurde eine stark befestigte Stadt, stark im christlichen Glauben, wie die Städte im Abendland während des frühen Mittelalters und man verbarrikadierte sich gegenüber den moslemischen Einflüssen und Übergriffen aus dem Hinterland.

Byblos wurde eine stark befestigte Stadt, stark im christlichen Glauben, wie die Städte im Abendland während des frühen Mittelalters und man verbarrikadierte sich gegenüber den moslemischen Einflüssen und Übergriffen aus dem Hinterland.

Byblos liegt am Rande des östlichen Mittelmeers zu Füßen des Libanongebirges.

Die Basilika St. Johannes-Markus wurde auf dem Fundamenten der Kapelle der ersten christlichen Gemeinde in Byblos gegründet. Sie wurde mehrfach zerstört.

Nach dem Rückzug der Kreuzfahrer Ende des 13. Jahrhunderts herrschen die Mamelukken und das Osmanische Reich über die Stadt.

Die sogenannten Seevölker, wie die Assyrer, Babylonier und Perser, fielen über Byblos her und Ägypten verlor an Macht. Bis Alexander der Große sich die Stadt zu Eigen machte und den griechischen Einfluss durchsetzte.

Die Kreuzritterburg des fränkischen Reiches ist erbaut aus mächtigen Quadern zum Schutz und viele Steine wurden aus den Trümmern der bisherigen Kulturen verwendet.

Von den ägyptischen Einflüssen, der phönizischen Stärke, der römischen Pracht, der Kultur der Seevölker - wohin man schaut - fast nichts ist davon geblieben.

Impressionen aus Byblos

Impressionen aus Byblos

Impressionen aus Byblos

Papyrus und Handelsaktivität bilden die Grundlage für die Erfindung des ersten Buchstaben Alphabets aus 22 Zeichen. Sie bilden die Basis aller heute verwendeten Alphabete. Byblos wird um 1300 vor Christus zum Geburtsort der Schrift.

Als die Römer Byblos 63v. Chr. eroberten, sahen sie in Byblos einen Ort mit spiritueller Anziehungskraft. Denn laut einer Sage fand das Lebendes Gottes Adonis, einen Tagesmarsch von Byblos entfernt, sein Ende.

Das Aufblühen und der Niedergang von nahezu zwei Dutzend Kulturen der Menschheit machen Byblos zu einer der reichsten archäologischen Zonen im Mittleren Osten.

Ein Schnittpunkt der Religionen ist Byblos geblieben, die Stadt zwischen Basilika und Soukh, Mohammed und dem Evangelisten Johannes-Markus.

Der Frieden über Byblos zerbricht bald. Die sogenannten Seevölker fallen über das Land her. Ägypten verliert an Macht. Nach den Assyrern und Babyloniern erobern die Perser den Raum, bis Alexander der Große den griechischen Einfluss durchsetzt. 63 v. Chr. schließlich marschiert Pompeius ins Land ein und Byblos erhält eine vollkommen neue Ordnung. Die Stadt wird abermals umgebaut. Prächtige Kolonnaden schmücken nun die römische Stadt. Sie wird von den Herrschern aus Rom nicht wegen ihrer strategischen Hafenlage so sehr geschätzt, sondern als spiritueller Anziehungspunkt. Der Adoniskult ist in der antiken Welt stark verbreitet und symbolisiert in Byblos einen Ort, der den Triumph des Lebens über den Tod stellt - das zog die Römer magisch an. Byblos festigt sein Ansehen als mystischer Ort. Der zentrale Brunnen, tief in der Mitte des Geländes, das sich immer mehr unter dem Schutt der Kulturen aufbäumt, hatte über die Jahrtausende schon viele Völker mit Wasser versorgt. Nach den Römern zog sich das Reich von Byzanz über den Nahen Osten, bis zur muslimischen Eroberung durch die Omajjaden aus Damaskus. Byblos wird, wie viele Orte des vorderen Orient, ein Kreuzweg der Glaubensrichtungen.

Das demonstriert heute auf dem Gelände, dominant, die Kreuzritterburg des fränkischen Reiches. Erbaut aus mächtigen Quadern zum Schutz - und für die Ewigkeit. Viele Steine werden aus den Trümmern der bisherigen Kulturen wieder verwendet. Von den ägyptischen Einflüssen, der phönizischen Stärke, der römischen Pracht, der Kultur der Seevölker - wohin man schaut - fast nichts ist davon geblieben. Byblos wird eine stark befestigte Stadt, stark im christlichen Glauben, wie die Städte im Abendland während des frühen Mittelalters. Die alte Hafenstadt öffnet sich, der Handel blüht für 200 Jahre wieder auf - mit Spanien und Venezien, doch man verbarrikadiert sich gegenüber den moslemischen Einflüssen und Übergriffen aus dem Hinterland.

Es werden Zeichen gesetzt. Die Basilika St. Johannes-Markus wird errichtet. Benannt nach dem Evangelisten, der die erste christliche Gemeinde in Byblos mit einer kleinen Kapelle gründet, bevor er nach Ägypten wandert, um die Grundlagen der koptischen Kirche zu legen. Auf den Fundamenten der Kapelle entsteht die romanische Basilika. Sie wird mehrfach zerstört.

Byblos bleibt ein Ort der Gegensätze und der Kämpfe um die Macht und den rechten Glauben. Ein Auf- und Niedergang, der dem kleinen Areal wenig Kontinuität gestattet. Mit jeder kulturellen Invasion ändert sich die Perspektive. Nach dem Rückzug der Kreuzfahrer Ende des 13. Jahrhunderts herrschen die Mamelukken und das Osmanische Reich über die Stadt. Sie hinterlassen Byblos, das heute Jebail in Anlehnung an das alte Gebál heißt, einen Soukh, der sich mit gelebter Selbstverständlichkeit über das ehemalige römische Gelände und das christliche Areal gleichermaßen ausbreitet.

In Byblos liegen die Dinge übereinander, ein Bazar der Kulturen. Nach den Kreuzrittern und den Osmanen hat keine kulturelle Vereinnahmung mehr stattgefunden. Byblos versackt in der Weltgeschichte, die anderswo gespielt wird. Schillernde Erinnerungen an 7000 Jahre ununterbrochene Stadtgeschichte.

Ein Schnittpunkt der Religionen ist sie geblieben, die Stadt zwischen Basilika und Soukh, Mohammed und Johannes-Markus. Und aus der Weltstadt des 2. Jahrtausends vor Christus ist wieder ein Fischernest am Rande des östlichen Mittelmeers zu Füßen des Libanongebirges geworden. Nur die Mythen sind hier noch hellwach Der Obeliskentempel, ein Heiligtum des 19. Jahrhunderts v. Chr. wurde einst von einem Heer bronzener Krieger bewacht, die von Archäologen 4000 Jahre später ausgegraben werden. Sie sind heute das Wahrzeichen der Stadt und erinnern an ihre magische Vergangenheit. Wie die Sage, die hier jedes Jahr im Frühjahr erneut angeschwemmt wird, wenn das Schmelzwasser des Schnees aus dem Gebirge, rot gefärbt von der Erde, ins Meer gespült wird, die an das Schicksal von Adonis erinnert - als der Libanon noch Zedern trug und tatsächlich die Anemonen blühten.

Buch und Regie: Horst Brandenburg

Filmmusik & Stab

Musik:
Schätze der Welt II - Vor- und Abspann
Oliver Kraft
Soundtrack Byblos
Doublehead


Buch und Regie: Horst Brandenburg
Kamera: Thomas Ch. Weber

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