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Glücklicherweise wurde Brügge von den Umwälzungen der Industriellen Revolution und den Zerstörungen der Weltkriege verschont. Bis heute prägen neben der Gotik auch andere Stilepochen wie Renaissance, Barock und Neogotik das Stadtbild.

Die Säulengalerie im napoleonischen Stil. Anfang des neunzehnten Jahrhunderts hat der Fischmarkt hier ein neues Domizil erhalten. Zuvor haben die Bruggelingen – die Einwohner Brügges – frischen Fisch von der Nordsee auf dem Marktplatz gekauft. Er ist heute noch das Zentrum der ruhmreichen Handelsstadt. Majestätisch reihen sich die ehemaligen Zunfthäuser um den Platz. Alles wird überragt von dem Belfried, der typisch ist für flämische Städte aus dem Mittelalter. - Keine Kirche und kein Rathaus, ein Symbol für Freiheit, Wehrhaftigkeit und Reichtum. Vom Belfried aus wachten die Türmer über die Stadt und die Turmuhr bestimmte den Rhythmus des Lebens. Sie gab das Signal zum Öffnen und Schließen der Stadttore, markierte Anfang und Ende der Arbeitszeit, läutete zu den großen Festlichkeiten. 

Brügge leistete sich ein Carillon, ein Glockenspiel. Alle Viertelstunde unterhält eine andere Melodie die Menschen unten in der Stadt.  Ein System von Kanälen umschließt und durchzieht das historische Zentrum. Sie werden hier Reie genannt – nach einem Fluss, der im Mittelalter vollständig kanalisiert wurde. Damals dienten die Reien der Stadtverteidigung und vor allem dem Transport von Waren. Denn sie verbanden Brügge mit dem Meer.

Eine Sturmflut pflügte 1134 eine Rinne in die Meeresbucht Zwin und schuf so einen direkten Zugang zur Nordsee. Brügges Aufstieg zu einem der bedeutendsten Handelsplätze Europas im Mittelalter verdankt sich eigentlich einer Naturkatastrophe.

Nun konnten auch große Schiffe den Hafen von Brügge anlaufen. Dieser war bald Drehscheibe im internationalen Handel, der die Wollproduzenten Englands mit den Weingütern der Gascogne und den flandrischen Tuchmachern verband.  

Brügge entwickelte sich zu einem der umsatzstärksten Kontore der Hanse. Händler aus Italien, aus Süddeutschland, Kastilien und Portugal machten hier Geschäfte. Und Bankiers wie die Medici eröffneten Filialen. Brügge erlebte ein Goldenes Zeitalter.

Als Residenzstadt der prunkliebenden Herzöge von Burgund verstrahlte die Metropole ihren Glanz in ganz Europa.  Eine Burg, die im 8. Jahrhundert gegen die Einfälle der Normannen gegründet worden war, musste weichen. - An ihrem Platz entstanden repräsentative Bauten wie das Stadhuis, das Rathaus. 

Noch heute tagt der Stadtrat im Gotischen Saal. Die ursprünglichen Fresken gingen verloren. Und so künden Wandmalereien im Stile der Neogotik von der ruhmreichen Stadtgeschichte. Erhalten blieb das Kreuzrippengewölbe aus vergoldetem Holz. Für die Zeitgenossen damals ein Wunder der Baukunst.

Direkt neben dem Rathaus: die Heiligblutbasilika, früher einmal die Hofkapelle der ehemaligen Burganlage. Im 12. Jahrhundert errichtet, dient sie seit jeher auch der Verehrung der Heiligblutreliquie. Der Legende nach brachte Dietrich von Elsass, der ruhmreiche flandrische Graf, einige kostbare Tropfen des Heiligen Blutes von den Kreuzzügen mit nach Brügge. 

Doch wahrscheinlicher ist, dass die Heiligblutreliquie nicht aus Jerusalem, sondern um 1230 über Konstantinopel nach Flandern kam. Bis heute findet jedes Jahr ihr zu Ehren eine große Prozession in Brügge statt.

In prachtvoller Renaissance -  Die Oude Griffie – die Alte Stadtkanzlei.  In der Schöffenkammer erinnert eine Kaminschnitzerei an den Sieg über den französischen König in der Schlacht von Pavia. Huldigung und Dankesbezeugung der Bürgerschaft gegenüber ihrem siegreichen Landesherrn Karl V, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts wurden hier juristische Angelegenheiten geregelt, tagten die Geschworenengerichte.

Brügge gilt als die Verkörperung einer mittelalterlichen Stadt. Das Haus des Kunstmalers David de Graef. Mit Sorgfalt wurden Räumlichkeiten und Garten restauriert. Lebendig werden mittelalterliche Wohnverhältnisse zu Zeiten der Gotik. So klein und eng die Häuser der Bürger, so dominierend sind die Kirchenbauten in Brügge. Über 120 Meter ragt der Turm der Onze-Lieve-Vrouwekerk in die Höhe. Umgeben von lichter Sakralarchitektur der Gotik: die Prunkgräber von Herzog Karl dem Kühnen und seiner Tochter Maria von Burgund.

Den Brüdern Mouscron - Brügger Kaufleuten mit Filialen in Rom und Florenz - verdankt sich dieses Frühwerk des genialen Michelangelo. Mit ihm wurden sie in seiner Werkstatt beim stolzen Preis von 100 Dukaten handelseinig - und Brügge war um eine Pretiose reicher.  

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Brügge - Metropole des Mittelalters

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Ein System von Kanälen umschließt und durchzieht das historische Zentrum. Sie werden hier Reie genannt – nach einem Fluss, der im Mittelalter vollständig kanalisiert wurde.

Ein System von Kanälen umschließt und durchzieht das historische Zentrum. Sie werden hier Reie genannt – nach einem Fluss, der im Mittelalter vollständig kanalisiert wurde.

Glücklicherweise wurde Brügge von den Umwälzungen der Industriellen Revolution und den Zerstörungen der Weltkriege verschont. Bis heute prägen neben der Gotik auch andere Stilepochen wie Renaissance, Barock und Neogotik das Stadtbild.

Die Fassaden der Häuser spiegeln die verschiedenen Epochen der Stadt wider. Wer durch Brügge flaniert reist durch die Zeit.

Alles wird überragt von dem Belfried, der typisch ist für flämische Städte aus dem Mittelalter. - Keine Kirche und kein Rathaus, ein Symbol für Freiheit, Wehrhaftigkeit und Reichtum.

Heute fahren vor allem Touristenboote auf den Kanälen, die die Altstadt durchziehen. Im Mittelalter dienten sie dem Handel. Wolle aus England und Wein aus Frankreich wurden in Brügge umgeschlagen.

In einer Nische der Liebfrauenkirche befindet sich die Brügger Madonna. Die sitzende Madonna mit dem stehenden Knaben schuf Michelangelo zwischen 1501 bis 1506.

Die Heiligblutbasilika, früher einmal die Hofkapelle der ehemaligen Burganlage. Im 12. Jahrhundert errichtet, dient sie seit jeher auch der Verehrung der Heiligblutreliquie.

Brügge entwickelte sich im Mittelalter zu einem der umsatzstärksten Kontore der Hanse. Händler aus Italien, aus Süddeutschland, Kastilien und Portugal machten hier Geschäfte.

In Nachbarschaft zur Liebfrauenkirche liegt das Sint-Janshospitaal. Der allgegenwärtige Reichtum der Händler, Bankiers und Adeligen lockte bedeutende Künstler wie den deutschen Maler Hans Memling nach Brügge. Sein Schrein der Heiligen Ursula gehört zu den Hauptwerken der Flämischen Schule. – Wie auch Jan van Eycks Meisterwerk Die Madonna des Kanonikus Joris van der Paele. Als prominente Vertreter der sogenannten Flämischen Primitiven revolutionierten sie die bildende Kunst mit einem bis dahin nicht gekannten Realismus - und eröffneten damit eine neue Sicht auf Mensch und Natur.

Bevor das Sint-Janshospital zur Herberge der Kunst wurde, diente es achthundert Jahre lang als Ort der Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Reisende, Arme und Waisenkinder fanden hier Aufnahme. Eine Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern kümmerte sich um die Kranken. Das Sint-Jans-Hospital gehört zu den ältesten, noch erhalten Krankenhäusern in Europa. Dem Hospital angeschlossen war eine Apotheke, die bis zu ihrer Verlegung 1978 die Patienten mit Arzneien versorgte.

Nahe dem Minnewater, früher der Binnenhafen, über den Flussschiffe die mittelalterliche Stadt versorgten, liegt der Beginenhof. - Am Rande der Stadt gelegen, hatte hier ein weiblicher Laienorden einen Ort der Stille und des Rückzugs gefunden.  

Die flandrische Gräfin Johanna von Konstantinopel hat den Beginenhof 1230 gestiftet – und damit eine christliche Bewegung unterstützt, die der Kirche suspekt war. Die Beginen folgten ihren eigenen Regeln. Ihren Lebensunterhalt verdienten sie mit Arbeiten in der Stadt. Und da sie auch kein ewiges Gelübde ablegten, konnten sie jederzeit die klosterähnliche Gemeinschaft verlassen und heiraten.  – Bis 1928 lebten Beginen hier. Dann nahmen Nonnen des Benediktinerordens ihren Platz ein.   

Die monumentale Sint Salvatorskathedraal –  mit den Türmen von Belfried und Liebfrauenkirche ein weithin sichtbares Dreigestirn des Reichtums und des Selbstbewusstseins der mittelterlichen Handelsmetropole. In der an Traditionen reichen Stadt unterhält nicht nur die mechanische Spieluhr des Belfried das städtische Publikum.

An mehreren Tagen der Woche konzertiert in der Turmstube ein virtuoser Carillon-Spieler. Mit Werken vom Barock bis zur Moderne, die dank der 47 Bronzeglocken in alle Winkel der Stadt getragen werden.  

Brügge erlebte Höhen und Tiefen. Dem Goldenen Zeitalter folgte der Niedergang: zum Ende des 15. Jahrhunderts versandete der Zwin - die Handelsmetropole verlor ihren Zugang zu den Weltmeeren.  Stillstand lähmte fortan die Stadt. Doch der Armut der vergangenen Jahrhunderte folgte Brügges Renaissance – Zur Jahrtausendwende wurde seine Altstadt von der UNESCO in die Liste des Welterbes aufgenommen.


Buch und Regie: Willy Meyer

Kamera: Holger Schüppel

Filmmusik & Stab

Musik:

Schätze der Welt II - Vor- und Abspann:
Oliver Kraft
Soundtrack: Matthew Jones

Stab:
Buch und Regie: Werner Meyer
Kamera: Paul Ree
Schnitt: Melanie Sandford, ASE

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