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SENDETERMIN Di, 31.7.2018 | 21:45 Uhr | 3sat

Europa: Belgien Brügge

Metropole des Mittelalters

Vogelperspektive Brügge mit Häusern und Kanal

Altstadtidylle mit mittelalterlicher Gracht

Eigentlich hat eine Naturkatastrophe den Aufstieg Brügges zu einem der bedeutendsten Handelsplätze Europas im Mittelalter zumindest begünstigt. Eine Sturmflut pflügte 1134 eine Rinne in die Meeresbucht Zwin und schuf einen direkten Zugang zur Nordsee. Brügge entwickelte sich zu einem der meistangelaufenen Häfen im Norden Europas, war bald Drehscheibe im internationalen Handel, der die Wollproduzenten Englands mit den Weingütern der Gascogne und den flandrischen Tuchmachern verband. Große italienische Bankiers wie die Medici eröffneten Filialen und machten Brügge zum Weltfinanzzentrum.


Brügge erlebte sein Goldenes Zeitalter. Bauwerke wie der mächtige Belfried, das gotische Rathaus, der in prachtvoller Renaissance gehaltene Justizpalast sowie stattliche Zunft- und Patrizierhäuser erzählen von dem märchenhaften Aufstieg. Zu den architektonischen Höhepunkten dieser Epoche gehören auch Sakralbauten wie die monumentale Liebfrauenkirche. Und das Sint-Jans-Hospital, eine der ältesten und größten Herbergen dieser Art in Europa. Hier taten die Beginen ihren Dienst, die unweit der Stadt im Beginenhof in einer klosterähnlichen Frauengemeinschaft lebten.


Der allgegenwärtige Reichtum der Händler, Bankiers und Adeligen lockte bedeutende Künstler. Unter ihnen auch die Maler der Flämischen Schule. Als die „Flämischen Primitiven“ revolutionierten sie die bildende Kunst mit einem bis dahin nicht gekannten Realismus, der durch eine natürliche, bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Darstellung eine neue Sicht auf Mensch und Natur eröffnete. Bedeutende Vertreter wie Jan van Eyck wurden auch in Italien als Malerfürsten verehrt. Brügge avancierte zum größten kulturellen Zentrum nördlich der Alpen.


Das Ende des 15. Jahrhunderts brachte den Niedergang. Der Zwin - Brügges Verbindung zur Nordsee - versandete. In der Folge lähmte jahrhundertelanger Stillstand die Stadt. Und auch die Industrielle Revolution ging an Brügge vorbei. Im Rückblick ein großes Glück - nichts wurde abgerissen, um Platz für Fabriken zu schaffen. Da auch die beiden Weltkriege Brügge verschonten, blieb die Altstadt nahezu erhalten. Bis heute prägen dort neben der Gotik auch andere Stilepochen wie Renaissance, Barock und Neogotik in wunderbarer Synthese das Stadtbild. Zur Jahrtausendwende wurde das historische Zentrum von Brügge in die Liste des Welterbes der UNESCO aufgenommen.


Daten & Fakten:

Kulturdenkmal: Altstadt von Brügge

2./3. Jhd.
Gallo-römische Siedlung

1128
Brügge erhält Stadtrecht

1134
Sturmflut erzeugt Fahrrinne zur Meeresbucht, dadurch Zugang zum Meer

1200
Brügge erhält Marktrecht

1253
Ein Hansekontor wird etabliert

1503
Madonna mit Kind von Michelangelo in der Liebfrauenkirche

15. Jhd.
Versandung der Zwin, Ende des direkten Meereszugangs

16. Jhd.
Niedergang der wirtschaftlichen Hochblüte. Wechselnde Herrschaftsverhältnisse in Brügge

1830
Brügge wird Teil des neuen Königreiches Belgien

2000
Ernennung zur Weltkulturerbe

2002
Europäische Kulturhauptstadt


Sendung vom

Di, 31.7.2018 | 21:45 Uhr

3sat

Filmmusik & Stab

Musik:

Schätze der Welt II - Vor- und Abspann:
Oliver Kraft
Soundtrack: Nils Kacirek

Stab:
Buch und Regie: Willy Meyer
Kamera: Holger Schüppel
Schnitt: Petra Hölge

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