Bitte warten...

Filmtext & Video

 

Filmtext 

NEWGRANGE

Zuerst ganz Schwarz, dann erhellt ganz langsam ein Lichtstrahl den Grabgang. Rund um die Wintersonnenwende dringt an einigen Tagen für wenige Minuten Licht in das ewige Dunkel eines Grabes.

Älter als die ägyptischen Pyramiden. Älter als das antike Babylon, die Mutter aller Städte -  Newgrange – ein realer Ort aus einer fernen Vergangenheit. Ein Hügelgrab aus der Steinzeit, 5.000 Jahre alt. Siebzig Meter im Durchmesser, sieben Meter hoch.

Ein Bauwerk – ein Kunstwerk, in des Wortes wahrstem Sinne. In der Umgebung von Newgrange finden sich zwei weitere Grabstätten die von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurden. Knowth, vermutlich noch älter. Das Hauptgrab ist umgeben von Satelliten, auch in ihnen fanden sich Grabkammern.

 

DOWTH

Dowth, die dritte Anlage, zeigt sich so wie die Gräber im Mittelalter wahrgenommen wurden, als scheinbar natürlich gewachsene Hügel. Teil der Landschaft, Weideland in einer der fruchtbarsten Gegenden Irlands.

Dowth ist das älteste Grab. Als es Mitte des 19. Jahrhunderts durch Zufall wieder entdeckt wurde, stellten Archäologen fest, dass es schon lange geplündert war.

 

BOYNE

Alle drei Gräber liegen nördlich von Dublin nahe der Stadt Slane in einer Biegung des Flusses Boyne. „Bend of Boyne“ wird das Ensemble denn auch genannt.

Seit etwa 8.000 Jahren vor Christus lebten hier Menschen. Im zweiten nachchristlichen Jahrhundert berichtete Ptolemäus, der große griechische Geograph, vom Fluss Buvinda. Dieser keltische Namen bedeutet „Wasser der Weisheit“. Noch heute glauben traditionsbewusste Iren, wer in seiner Jugend aus dem Boyne trinke, der wird ein Seher oder ein Poet. Vielleicht hat Irland deswegen auch so viele Schriftsteller.

Diese erzählten immer wieder Geschichten von Göttern wie Oengus, dem unehelichen Sohn von Sonnengott Dagda. Heimlich gezeugt mit Boann, der Flussgöttin. Dagda schenkte Oengus „Brú na Bóinne“, wie diese Gegend in Irland genannt wird, als Wohnsitz.


NEWGRANGE

Oengus, der Gott der Liebe, allem Schönen zugetan, steht auch den Musikanten bei. Wir können nur vermuten, dass Musik gespielt wurde, als in Newgrange rituelle Feste gefeiert wurden. Denn nicht nur Begräbnisse, auch Sonnwendfeiern fanden hier wahrscheinlich statt. Die Kenntnis vom Lauf der Sonne und dem Wechsel der Jahreszeiten war damals genauso überlebenswichtig wie heute. Das magische und doch ganz reale Licht findet seinen Weg durch ein kleines Fenster im oberen Teil des Eingangs. Newgrange wurde errichtet nach dem Plan der Sonne. Ein Platz für die Toten ausgerichtet nach dem Stern der das Leben erst möglich macht.

Erbaut wurde Newgrange um 3.150 vor Christus. Über die Jahrhunderte verfiel es und wurde vergessen. Im 12. Jahrhundert gehörte das Land den Mönchen der Abtei Mellifont. Diese betrieben hier Landwirtschaft.


KNOWTH

Auch auf den Grashügeln von Knowth. Die zwanzig kleineren Gräber waren damals schon nicht mehr zu erkennen. Sie wurden erst nach 1940 während der ersten Ausgrabungen neu entdeckt. Alle Gänge der Satelliten waren auf das Hauptgrab ausgerichtet. Dieses, das größte der irischen Hügelgräber, war das Zentrum des Steinzeitfriedhofs. Für immer unbekannt aber bleibt, wer hier zur letzten Ruhe gebettet wurde.

 

Megalithkunst KNOWTH

Landschaft und Satellitengräber

Viele der Steine um die Grabanlagen sind mit Motiven verziert: Spiralen, Rhomben, konzentrische Kreise, Zickzack- und Wellenlinien ... Megalithkunst ... Allein in Knowth finden sich 260 solcher Steine.

Auch über sie gibt es nur wenig gesicherte Wahrheiten, dafür viele Vermutungen. Vielleicht sollten die Zeichen für die Lebenden eine Warnung sein, sich dem Grab zu nähern. Eine Mahnung den Toten Respekt zu erweisen. Oder sie verboten den Toten ihr Reich wieder zu verlassen. Die diesseitige und die jenseitige Welt sollten strikt voneinander getrennt bleiben. Im Römischen Reich mussten die Menschen noch um diese Gräber gewusst haben. Sie waren auf Münzen abgebildet. Dann begrub sie der Mantel der Geschichte. Viele Fragen werden wohl nie beantwortet.


NEWGRANGE

Newgrange wurde 1699 zufällig entdeckt. Und wieder vergessen. Erst in den 1960er Jahren erkannte man seine Bedeutung und die astronomische Ausrichtung. Das Grab wurde nach dem Bild restauriert, das sich die Archäologen von der Steinzeit machten.

Ob es vor 5.000 Jahren wirklich so ausgesehen hat ist umstritten. Auch ob die weißen Quarzsteine damals die Fassade zierten. Sie wurden in der Umgebung der Anlage gefunden und stammten ursprünglich aus den etwa einhundert Kilometer entfernten Wicklow Mountains. Im künstlichen Licht erkennen wir im Inneren, dass das Grab um drei Monolithen errichtet wurde. Diese Steine waren die ersten, alles andere konnte erst danach gebaut werden. Sieben Meter hoch ist das Gewölbe und immer noch wasserdicht. Spätere Besucher haben hier ihre Zeichen hinterlassen. Die Kammer hat drei Nischen, deren Steine verziert sind. Auf dem Altarblock wurden die Reste verbrannter menschlicher Knochen gefunden. Insgesamt hat man die Spuren von fünf Menschen geborgen.

Die Grabkammer von Newgrange ist als einzige für Besucher zugänglich. Und von deren Fragen bleiben viele unbeantwortet.

Wer wurde in diesen Gräbern bestattet ? Wie lange wurden die Gräber benutzt ? Wie dachten unsere Vorfahren über den Tod ? Hatten Sie Angst vor ihm ? Glaubten sie an ein Leben im Jenseits ? Hatten sie überhaupt eine Religion, einen Glauben ?

Sicher ist, Brú na Bóinne, der Palast des Boyne, war schon immer ein wichtiger Teil der irischen Mythologie. Sitz der Elfen und Heimstatt der Götter.


BOYNE

Die wichtigste und einzige Strasse dieser Gegend war damals der Boyne. Transportweg genauso wie  Nahrungs- und Trinkwasserspeicher. In jener Zeit waren die Menschen nicht mehr nur Nomaden, die vom Jagen und Sammeln lebten. Sie wurden sesshaft, betrieben Ackerbau und Viehzucht, lebten in Dorfgemeinschaften. Die arbeitsteilige Gesellschaft entstand.

 

DOWTH

Das Grab von Dowth wurde nach seiner Vermessung und Bestimmung wieder verschlossen. Eingang finden nur noch Wissenschaftler.  Friedlich ist es wieder Teil der Natur.


KNOWTH

Die Gräber an der Biegung des Flusses gehören zu den wichtigsten archäologischen Landmarken der Erde. Dieses steinerne Echo einer längst vergangenen Kultur lässt uns innehalten. Werden die Zeugnisse unserer Zivilisation auch 5.000 Jahre nachhallen ?

Filmmusik & Stab

Musik:

Schätze der Welt II - Vor- und Abspann:
Oliver Kraft

Soundtrack: Bend of Boyne
Michael Hofer

Buch und Regie: Goggo Gensch
Kamera: Eva Gensch
Schnitt: Juliane Helene Dreßler

Zurück zur Startseite von:

Sendezeit

3sat
Sonntags:
19.40 Uhr

SWR Fernsehen
Sonntags:
6.00 Uhr
Torii
Gesamtliste - alle Folgen