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SENDETERMIN Mo, 11.2.2019 | 12:45 Uhr | 3sat

Europa: Portugal Angra do Heroismo

Die Azoren und die Entdeckung der Welt

Es war im 15. Jahrhundert. Prinz Heinrichs Seeleute veränderten mit ihren Entdeckungen die Seekarten und das Weltbild der Menschen. 1000 Meilen von der portugiesischen Heimatküste entfernt sichteten die unermüdlichen Eroberer plötzlich Buckel im endlosen Grau des Atlantik.

Angra de Heroismo

Angra de Heroismo

Und sie nannten sie "Acores" wie die Vögel, die über ihnen kreisten "Habichte" nicht ahnend, dass es eigentlich Bussarde waren.

Neun Inseln im tosenden Meer. In ihrem Inneren brodelt und dampft es. Vulkanausbrüche, Erdbeben... - und doch machen sich mutige Menschen auf, die Eilande zu besiedeln. Flamen und Portugiesen, Adlige und arme Bauern segeln ins Ungewisse mit Pflanzensamen, Kühen, Heiligenbildern und Waffen und versorgen das kleine Portugal und seine neu eroberten Gebiete mit dem nötigen Nachschub.

Angra do Heroismo auf der Insel Terceira hält über 300 Jahre eine Schlüsselrolle als Knotenpunkt zwischen drei Kontinenten, als Versorgungshafen für die Entdecker, als Zwischenstation für Schätze beladene Karavellen, als hochmoderne Stadt des 16. Jahrhunderts. Angra, der Anker. Breite Straßen, wie mit dem Lineal gezogen. Eine für das Vieh, eine für edle Herren zu Pferde, eine andere für Getreide und Ochsengespanne. Direkt am Hafen ein Schlachthof, ein Krankenhaus, eine Kirche.

Landschaft auf  Insel Terceira

Landschaft auf Insel Terceira

Viele berühmte Seefahrer wird Angra an Land und an Bord gehen sehen, und viele Schätze

sinken hier nach blutigen Seeschlachten auf den Meeresgrund. In Angra wird getauscht, gehandelt. Zucker gegen flämische Gemälde, kirchlicher Segen gegen Gold. Die Vielzahl der Klöster lässt ahnen, wie sehr die katholische Kirche von den Eroberungszügen und den Ängsten der Seefahrer profitierte. Silberne Altäre, brasilianische Hölzer, chinesische Gefäße, elfenbeinerne Kruzifixe... Heute zeigen Angras Kirche davon "im wahrsten Wortsinn" nur noch Bruchstücke. Erdbeben - das letzte 1980 - haben vieles zerstört.

Inseln zwischen den Welten. In ständiger Veränderung. Alle haben etwas mitgebracht und etwas weggenommen: Der Wind und die Vulkane. Die Flamen als erste Siedler, die Spanier als Besatzer, die Engländer mit ihrer Liebe zu den Orangen und die amerikanischen Walfänger. Geblieben ist ein Attribut - "heroismo". Für die freiheitsliebenden Azoreaner, die den Spaniern trotzen, den Monarchisten und den Erdbeben.

Daten & Fakten

Kulturdenkmal: »Klein-Lissabon«, u. a. mit dem Castelo São João Baptista, der größten Festungsanlage Portugals
UNESCO-Ernennung: 1983
1499
Anlandung der Karavelle des Vasco da Gama nach Entdeckung des Seeweges nach Indien
1534
Stadtrechte
1557-78
Bau des Castelo São Sebastião
um 1570
Bau der Erlöserkathedrale
1614
Erdbeben
1641
nach 11monatiger Belagerung Abzug der Spanier aus dem Castelo São João Baptista
1728-46
Bau der barocken Kirche Misericórdia nach dem Bürgerkrieg 1832-34 durch Königin Maria II. mit dem Titel »Heldenstadt« geehrt
1932-68
während der faschistischen Salazar-Diktatur im Castelo São João Baptista Gefängnis für politische Gefangene
Neujahrstag 1980
Erdbeben und Zerstörung von Angra
1983
Feuer im Turm der Kathedrale

Copyrightvermerk für Daten & Fakten
© Chronik Verlag im Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH Gütersloh/München 2000 - 2010

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