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14:22 min | So, 11.3.2001 | 21:30 Uhr | 3sat

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Aleppo, Syrien, Folge 133

SWR

Aleppo, die alte syrische Stadt, ist von jeher ein großer Marktplatz gewesen. Nichts ist reizvoller als in dieser arabischen Stadt in das endlose Gassengewirr des Suks einzutauchen. Zum Kulturdenkmal erklärt wurde die Altstadt mit der auf dem 275x375 m großen ovalen Burgplateau gelegenen Zitadelle mit dem 27x24 m großen Thronsaal, dem Hammam al-Labadiya, einem der schönsten Bäder Syriens, mit dem ersten osmanischen Bau der Stadt, der Moschee al-Khosrowiya, mit der Medrese as-Sultaniye (13. Jh.), mit dem Kunsthandwerksmarkt Khan ah-Shuna und dem 12 km langen Basar.

Filmtext

Was macht für den westlichen Besucher den Orient aus? Die Moscheen, das Feilschen beim Tee im Basar, der laute, hektische Verkehr? In Aleppo zumindest ist es genau die Mischung aus all diesem. Arabisches Leben.

Ahmed ist Händler, wie augenscheinlich die meisten anderen Bewohner von Aleppo auch.

Aleppo - eine lärmende arabische Metropole. In unzähligen Geschäften, auf Leiterwagen, von Bauchläden, aus der hohlen Hand - überall wird verkauft. Ahmed liegt mit seinem Karren und den billigen Ramschartikeln irgendwo im Mittelfeld.

Aleppo ist eine der ältesten Städte der Welt und war schon immer eine Stadt der Händler. DER MARKTPLATZ des Nahen Ostens.

Hinter dem alten Antiochia-Tor aus dem 12. Jahrhundert beginnt er, der größte Basar der Welt. Ein Markt der Superlative: Zwischen sieben und zwölf Kilometern schwanken die Angaben über die Länge der Ladenstraßen. Hier gibt es einfach alles. Und die moderne Welt bleibt draußen. Der Suk - der Basar - ist ein Labyrinth aus größtenteils überdachten Gassen. Seit dem 16. Jahrhundert hat sich baulich hier nicht mehr viel verändert. Die meisten Händler folgen der arabisch-türkischen Tradition und gehen ihrem Gewerbe nach, wie schon Generationen vor ihnen. Wer will, kann das geschäftige Treiben fünfmal am Tag zum Gebet hinter sich lassen. Weit hat er es nie, um dem Ruf des Muezzin zu folgen. Und sich nach der Sammlung, so Allah will, mit neuen Kräften ins Geschäft zu stürzen.

Das heutige Stadtbild von Aleppo geht auf die griechische Zeit zurück. Anfang des 3. Jahrhunderts vor Christus sind die Straßen von Aleppo nach einer schachbrettartigen Struktur neuangelegt worden. Damals hieß die Stadt Beroia. Wo die Dächer des Suk heute der großen Omayadenmoschee weichen, bildete die Agora, der griechische Marktplatz den Mittelpunkt der Stadt. Nördlich anschließend die größte Karawanserei Aleppos: Der Khan al Wazir, die Karawanserei des Wesir, aus dem 17. Jahrhundert. Damals bezogen die Scheichs aus der Wüste hier Quartier. Samt Gefolge und Kamelen. Heute warten hier Kleinlieferwagen und Esel. Abrufbereit, um die Läden im Suk mit Warennachschub zu versorgen. Einkaufen wie vor Jahrhunderten - man könnte auch sagen: ein Jahrhunderte währender Verkauf. Man muss sich Zeit zum Feilschen nehmen. Niemand, der eine Teepause ablehnen würde. Im Suk fließt die Zeit nach ganz eigenen Gesetzen: langsam und geschäftig zugleich. Und nicht nur dort. Der Innenhof der Omayadenmoschee bildet den Tag über das Kontrastprogramm zum Suk. Der Ruf der Muezzine tönt über die ganz Stadt. Koranverse zum Trost der Lebenden und der Toten sind dagegen nur hier zu hören. Gesungen von blinden Sängern. Erbaut wurde die Moschee unter den Omayaden-Kalifen im 8. Jahrhundert. 400 Jahre später wurde sie komplett erneuert. Geblieben ist der Grundriss mit seiner Ausrichtung nach Mekka - hier neigt man sich zum Gebet nach Süden.

Im 13. Jahrhundert war der Hamam al Labadiya nur eines von 194 städtischen Bädern. Aber wahrscheinlich schon damals das Schönste. Das hielt die Mongolen nicht davon ab, es zu zerstören. Erst 1985 wurden Waschräume, Dampfbad und Ruhesaal restauriert und wiedereröffnet.

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Aleppo - Tausendundein Bazar

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Aleppo ist eine der ältesten Städte der Welt und war schon immer eine Stadt der Händler. DER MARKTPLATZ des Nahen Ostens.

Aleppo ist eine der ältesten Städte der Welt und war schon immer eine Stadt der Händler. DER MARKTPLATZ des Nahen Ostens.

Im 13. Jahrhundert war der Hamam al Labadiya nur eines von 194 städtischen Bädern. Von den Mongolen zerstört, wurde es 1985 restauriert.

Die Mamelukken-Sultane bauten Anfang des 15. Jahrhunderts die Befestigungen zu ihrer heutigen Größe aus, nachdem die Zitadelle zuvor zweimal von den Mongolen gestürmt worden war.

Das heutige Stadtbild von Aleppo geht auf die griechische Zeit zurück. Anfang des 3. Jahrhunderts vor Christus sind die Straßen von Aleppo nach einer schachbrettartigen Struktur neuangelegt worden. Damals hieß die Stadt Beroia.

Nirgendwo ist die Aussicht auf Aleppo besser als von der Zitadelle aus.

Al-Dschami' al-Kabir: erbaut wurde die Große Moschee von Aleppo unter den Omayaden-Kalifen im 8. Jahrhundert. 400 Jahre später wurde sie nach einem Brand erneuert. Sie beherbergt Überreste des Propheten Zacharias.

Am nördlichen Rand des Souks liegt die Große Moschee von Aleppo.

Jahrhundertelang war Aleppo Herrschersitz. Hier residierten die Mamelukken-Sultane.

50 Meter über der Stadt Aleppo liegt die Zitadelle auf einem künstlich errichteten Siedlungshügel.

Hinter dem Antiochia-Tor aus dem 12. Jahrhundert beginnt der größte Basar der Welt. Ein Markt der Superlative: Zwischen sieben und zwölf Kilometern schwanken die Angaben über die Länge der Ladenstraßen.

Der Innenhof der Freitagsmoschee. 5mal am Tag ertönt der Ruf des Muezzin zum Gebet.

Wie alt der ursprüngliche Kern von Aleppo hinter den Resten der Stadtmauer ist, weiß man nicht. Seit Jahrtausenden ist die Stadt ununterbrochen besiedelt. Alles wurde ständig umgebaut und überbaut. Aleppo hatte genug Zeit, um ein hypnotisierendes Flair herauszubilden - für Besucher aus aller Welt.

Anfang des 20. Jahrhunderts kam Aleppo in Mode: Man stieg im Hotel Baron ab. Laurence von Arabien und Winston Churchill wohnten hier, Agatha Christie schrieb an der Bar ihr Buch über den Mord im Orient-Express. Das Baron zählt zu den berühmtesten Hotels der Welt und zehrt heute noch von seiner Legende. Der Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle für Aleppo geworden. Für die ausländischen Besucher wurde der Thronsaal auf der Zitadelle restauriert. Jahrhundertelang war Aleppo Herrschersitz. Hier, über dem Portal der Burg, residierten die Mamelukken-Sultane. Die bauten Anfang des 15. Jahrhunderts auch die Befestigungen zu ihrer heutigen Größe aus, nachdem die Zitadelle zuvor zweimal von den Mongolen gestürmt worden war. Der Torbau gilt als eines der beeindruckendsten Bauwerke der islamischen Welt.

Aleppo - auf halbem Weg zwischen Euphrat und Mittelmeer, wie geschaffen dafür, ein Scharnier zwischen Mesopotamien und Europa zu sein. Und um Aleppo herum liegen seit jeher die fruchtbarsten Äcker des Nahen Ostens. Noch weiter außerhalb erstreckt sich der Steppengürtel der Nomaden. Für beide, Ackerbauer und Viehtreiber, war Aleppo der Marktplatz für Waren.

Nirgendwo ist die Aussicht auf Aleppo besser als von der Terrasse der Großen Moschee der Zitadelle aus. Eine zweite Moschee auf dem Burgberg ist nach Abraham benannt. Denn der Legende nach war die Zitadelle der Weidehügel des Stammvaters der Juden und Araber... In einer Höhle soll sein Vieh gestanden haben, und Abrahams Nachbarn kamen jeden Morgen, um nach Milch zu fragen: "Ist schon gemolken? oder "Halaba ya la?" So soll die Stadt zu ihrem semitischen Namen gekommen sein: Halab.

Halab ist heute eine islamische Stadt. Aber auch wenn frühchristliche Basiliken zu Moscheen wurden, gibt es doch noch eine relativ große christliche Minderheit in Aleppo. In der Stadt der Händler haben Moslems, Juden und Christen seit jeher friedlich zusammengelebt - und zusammen verdient.

Selbst die Lahmen unter den Händlern schaffen es bis nach Indien - sagt ein Sprichwort über den Geschäftssinn der Kaufleute von Aleppo.

Wer mit Gold handelt, hat sich an die Spitze der geschäftigen Hierarchie emporgearbeitet. Der Suk ist seit ewigen Zeiten streng geordnet: Schlachter sind für sich und Gewürzhändler, Stoffe sind neben Stoffen, Brautkleider neben Brautkleidern. Wer aber mit den Edelsten der Materialien handelt, darf sich in der Nähe der Moschee niederlassen.

Irgendwo im Bauch von Aleppo arbeiten unterirdische Textilwerkstätten für den Export. Der große Markt expandiert weiter, verlässt die griechische Säulenallee, an deren Verlauf sich der alte Suk orientiert. Basar ist immer.

Buch und Regie: Jens Dücker

Filmmusik & Stab

Kraft, Oliver
Schätze der Welt II
Dücker, Jens
der Suk
Tabla synthetisch
Hektik
Barpiano im Baron
Musik zu Syrien

Buch und Regie: Jens Dücker
Kamera: Markus Hausen

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