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Afrika: Äthiopien Filmtext & Video

Aksum

14:45 min | So, 28.6.2020 | 6:00 Uhr | SWR Fernsehen

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Ruinen von Aksum, Äthiopien, Folge 329

SWR

Das Kulturdenkmal umfasst die Ruinen der ehemaligen Hauptstadt des Königreichs Aksum. Einwanderer aus dem südarabischen Raum gründeten den Ort an der Kreuzung wichtiger Handelswege zwischen Indien, Afrika und dem Mittelmeer. Heute ist Aksum vor allem seiner, bis zu dreißig Meter hohen, Stelen wegen berühmt. Sie sind jeweils aus einem einzigen Stück Granit gehauen und haben wohl Gräber gekrönt. Wie die, zum Teil, 500 Tonnen schweren Rohlinge über viele Kilometer transportiert wurden ist immer noch rätselhaft.

Filmtext

Es steht geschrieben, dass ein Drache mit Namen 'Wainàba' vierhundert Jahre über Äthiopien herrschte. Dann aber verschwor sich ein Mann, namens 'Angabò', er sprach: "ich will den Drachen töten, dann gebt mir die Herrschaft", und alles Volk sagte ja. Der Drache aber machte sich auf den Weg nach Aksum. Als er zur Rechten und zur Linken Feuer sah, wälzte er sich dahin und starb.

'Angabò' der Drachentöter aber herrschte 200 Jahre. Er sei der Vater der 'Königin des Südens'. 'Kebra Nagast', vom 'Ruhm der Könige' nennt sich die Handschrift aus dem 14.Jahrhundert, die in Axum aufbewahrt wird. Das Buch ist Nationalepos und zentrale Quelle für das Selbstverständnis der Äthiopier. Es belegt die Abstammung der äthiopischen Königsdynastie von Salomon und von der 'Königin des Südens', der Königin von Saba. Das ‚Grab des Drachens’ kann besichtigt werden, wie viele Orte, die der Volksglaube bestimmten Protagonisten aus dem Nationalepos zuschreibt, z.B. auch das Bad der Königin von Saba. Dies begründet die Faszination, die Axum auf moderne Äthiopier heute noch ausübt.

Aber auch ein Besucher, der von weit herkommt, kann sich der Mystik der Plätze schwer entziehen. 'Aksum' bedeutet so viel wie 'Brunnen der Fürsten'. Ein wasserreicher, grüner und fruchtbarer Ort muss es gewesen sein, ganz anders als heute. 4700 Jahre alt sind erste Hieroglyphenaufzeichnungen in denen von Weihrauch, Myrrhe, Elfenbein und Sklaven die Rede ist.

Es waren wohl Einwanderer aus dem südarabischen Raum, die hier an der Kreuzung wichtiger Handelswege zwischen Afrika, Indien und dem Mittelmeer eine hochentwickelte Zivilisation gründeten.

Stele Nr. 3, größte noch stehende Stockwerkstele in Aksum

Stele Nr. 3, größte noch stehende Stockwerkstele in Aksum

Kurz nach Christi Geburt wird Aksum dann in einem griechischen Handbuch für Seefahrer als eine prächtige, volkreiche Stadt beschrieben. Ähnlich den Lehmstädten des Jemen, müssen die verzierten Gebäude mehrere Stockwerke gehabt haben. Vielleicht sind auch die Monolithen ein stilisiertes Abbild dieser frühen Hochhausarchitektur. Geblieben ist von den Palästen und Wohnhäusern dieser antiken Metropole fast nichts. Heute ist das moderne Aksum ein Ort, dessen anonyme Architektur überall auf der Welt angesiedelt sein könnte.

Die Hauptstraße, in Richtung Gondar, führt am Ortsende am Palast von 'Dongur' vorbei. Wieder ist es die Legende, die diesen Ruinen eine ganz besondere Bedeutung verleiht. Die Königin von Saba soll über diese Treppen in ihren Palast geschritten sein. Von Archäologen datierte Steine weisen dagegen eher in die spätaxumitische Zeit. Aus dem 6.Jahrhundert sind auch Tonfiguren und Weingläser. Die Küche war mit einem gemauerten Backofen ausgestattet. Komfortabel ging es in der zentralen Halle zu, sie hatte Fußbodenheizung. Und es war nicht der einzige Palast.

So konnte die deutsche Axumexpedition noch 1906 im heutigen Stadtgebiet zahlreiche Ruinen und Relikte von herrschaftlichen Anwesen und Wohngebäuden dokumentieren.

Nach dem Tod Angabòs machte das Volk seine Tochter 'Makeda' zur Königin. Diese hörte von der Weisheit König Salomons, und dieser wiederum wusste um ihre unvergleichliche Schönheit.

So lud er sie zu sich nach Jerusalem ein. Dort fand ein festliches Gastmahl statt. Doch als die äthiopische Gesandtschaft müde wurde, gab es für die Königin kein ihrem Stande entsprechendes Gemach. Da bat sie der König in seine eigene Kammer. Nach ihrer Heimreise gebar 'Makeda' einen Sohn, 'Menelik Ebna Hakim', 'der Sohn des Weisen'.

Fast tausend Jahre älter als der Palast von Dongur ist Yeha, mitten im Gebirge, nördlich von Axum. Hat Makeda mit dem kleinen Menelik vielleicht hier gewohnt, wie erzählt wird?

Das Mauerwerk ist aus bis zu drei Meter langen Blöcken ohne Mörtel, fugenlos ausgeführt. Kubische Bauweise und Steinbockornamente zeigen den arabischen Einflss.

Ursprünglich wohl als Tempel gebaut, wurde später eine Kirche daraus. So konnte der riesige Bau in der Bergeinsamkeit die Zeiten überdauern. Zurück ins Zentrum von Axum. Hier hat sich die Lebendigkeit und Vielfalt dieses Jahrtausende alten 'Marktplatzes', der einst Hauptumschlagplatz für afrikanische Luxusgüter war original erhalten. Elfenbein und Gold, vielleicht Sklaven werden schon lange nicht mehr gehandelt. Weihrauch und Myrrhe gibt es noch, auch Zauberwurzeln und alles was ein Heilkundiger braucht. Das Angebot an bunten Schirmen und prächtigen Gewändern, kündet ein Fest an: 'Maryam Zion'. Die Zimmerer mit ihren Beilen werden sich nicht mehr lange gegen die mechanisierte Konkurrenz behaupten können. Noch sind die Schmiede und die Kunstfertigkeit ihrer Hände gefragt. Welche Meister mag es an diesem Platz vor zweitausend Jahren gegeben haben, als nicht nur sprödes Eisen, sondern Elfenbein und Gold ihre Materialien waren?

Die Baumeister haben damals Lehm und Stein wohl um einiges kunstvoller beherrscht, als ihre modernen Kollegen den Beton.

Stele Nr. 1, die Größte, die wohl nie stand, im Hintergrund die neue Kathedrale

Stele Nr. 1, die Größte, die wohl nie stand, im Hintergrund die neue Kathedrale

Aksums größtes Rätsel bleiben die, bis zu dreißig Meter hohen Stelen. Sie sind jeweils aus einem einzigen, riesigen Stück Granit gehauen. Kein Steinmetz auf der Welt würde sich heute noch an ein solches Werk wagen. Das Knowhow und den Mut dazu muss es im antiken Äthiopien gegeben haben und er hat sich bis ins erste Jahrtausend nach Christus dort erhalten. Die Monolithkirchen von Lalibela sind lebendiges Zeugnis.

Doch während die Kirchen 'einfach' in den Fels gehauen wurden und auch dort blieben, mussten die gigantischen Stelen erst an ihren Aufstellungsort transportiert werden. Der Steinbruch ist fünfzehn Kilometer entfernt im Gebirge. Rohlinge liegen noch dort, riesig, unfertig. Es gibt verschiedene Theorien, wie die bis zu 500 Tonnen schweren Monolithen ihren Bestimmungsort, Axum am Horizont erreichten. Von übernatürlichen Kräften wird erzählt, aber auch von gigantischen Rampen und Lastelefanten. Dann das Aufrichten - zumindest einmal ist es gescheitert. Die größte Stele Axums ragte wohl nie in den Himmel. Sie haben Gräber bekrönt. Auch Funde die in jüngster Zeit, bei Fundamentierungsarbeiten, für die aus Italien heimgekehrte zweitgrößte Stele gemacht wurden, weisen in diese Richtung. Scheintüren versperren den Weg in die Tiefe. Vieles ist noch unerforscht.

Nicht weit, an anderer Stelle geht es dann doch in die Unterwelt: am 'Grabmal des Kaleb und Gebre Masqal'. Oder war es ein Schatzhaus? Die 'Lade Zion' kam zur Zeit Salomons mit 'Ebna-Hakim', der Menelik genannt wurde. Er nahm sie, nachdem er sie aus Jerusalem entführt hatte. Als die 'Bundeslade' Aksum erreicht hatte, blieb sie 40 Jahre, ohne dass sie in die Stadt kam. Danach aber zur Zeit des 'Asbeha', ward in Mitten der Stadt ein Heiligtum gebaut und sie ward dort hin gebracht, wo sie jetzt noch ist.

Es ist 'Maryam Zion'-Fest und Tausende sind gekommen um den Patriarchen zu sehen. Im 4.Jahrhundert ist Äthiopien eines der ersten Länder, in dem unter König 'Ezana' das Christentum zur Staatsreligion erklärt wird. Die von Menelik geraubte Bundeslade befindet sich heute in diesem Bau, davon sind gläubige Äthiopier felsenfest überzeugt. Im heiligen Bezirk werden auch die Kronen der Herrscher aufbewahrt. Die äthiopischen Kaiser verstanden sich immer als Beschützer und Bewahrer des Glaubens.

Auch als die Hauptstadt längst ins tausend Kilometer entfernte Addis Abeba verlegt war, kamen die Kaiser zur Krönung nach Axum. Steinthrone, von denen die Grundplatten heute noch erhalten sind, spielten dabei eine wichtige Rolle, denn hier wurden die zukünftigen Herrscher vom 'Abuna', dem kirchlichen Oberhaupt, gesalbt. Axum ist historischer und religiöser Mittelpunkt für die Menschen in Äthiopien geblieben. Kein anderer Ort läßt mehr Fragen offen, birgt mehr Geheimnisse und gibt doch dem Gläubigen die Gewissheit nirgends bei Gott näher zu sein, als hier.

Dieser Ort konzentriert aber auch das nationale Bewusstsein der Äthiopier, das mit der Abstammung von Salomon und der Königin von Saba beginnt, zu dem mächtige Reiche gehören, deren Zentrum Axum war und deren Herrscher auch später noch, nur hier die Krone empfangen wollten. Am Ende des 'Maryam Zion' Festes steht ein traditionelles Gastmal. Auch dort wo sonst Mangel herrscht, wird an diesem Tag gefeiert, und so kehrt, für wenige Stunden, etwas von dem Glanz und dem Überfluss des alten Aksum zurück an seinen Ursprung.

Buch und Regie: Rüdiger Lorenz

Filmmusik & Stab

Musik:
Schätze der Welt II - Vor- und Abspann:
Oliver Kraft

Äthiopische Musik

Buch und Regie: Rüdiger Lorenz
Kamera: Anton Mayer

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