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Filmtext & Video

14:51 min | Mo, 6.5.2019 | 12:45 Uhr | 3sat

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Akko: Hafenstadt Akko, Israel, Folge 324

SWR

Eine Bastion des Glaubens, maßgeblich von den Kreuzrittern im 12. Jahrhundert errichtet. Das Tor zum Heiligen Land - Akko im Norden Israels. Die Stadt kann sich mit großen Namen der Weltgeschichte schmücken - im Guten und im Schlechten: Von Herodes terrorisiert, von Pompeius und Julius Cäsar besetzt, von Alexander dem Großen überrannt. Apostel Paulus bringt schon früh das Christentum. Danach dringen die Araber in das Land, die Omajjaden bringen die kleine Halbinsel zur Blüte. Der englische König Richard Löwenherz erobert die Stadt zurück und macht sie zur Heimat der Kreuzritter. Die Johanniter bauen sie zu einer unterirdischen Festung des Christentums im Nahen Osten aus. Franz von Assisi gründet ein Nonnenkloster. Die Osmanen wandeln sie wieder in eine moslemisch-arabische Zitadelle, die Napoleon vergebens versucht einzunehmen

Filmtext

Eine hebräische Sage erzählt: Zur Zeit der Sintflut bedeckte das Wasser die gesamte Erde. Als es aber bei Akko an der Grenze zum Heiligen Land ankam, machte es halt. So steht es bei Hiob im 38. Kapitel: Wer hat das Meer mit Türen verschlossen, da es heraus brach wie aus Mutterleib, da ich es mit Wolken kleidete und in Dunkel einwickelte wie in Windeln. Da ich ihm den Lauf brach mit meinem Damm und setzte ihm Riegel und Türen und sprach: "Bis hierher sollst du kommen."

"Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter. Hier sollen sich legen deine stolzen Wellen." "Bis hierher" - hebräisch AD KO - AKKO. Ein Hafen in Palästina in Israel. Eine Stadt mit Kirchtürmen und Minaretten, zwischen Kreuz und Halbmond. Auf engstem Raum haben sich hier die Religionen und Kulturen immer wieder bekämpft. Akko, ein Schauplatz der Eroberungen und Machtwechsel, des Angriffs und der Verteidigung. Dafür stehen seine gigantischen Mauern, die seit Jahrtausenden die kleine Halbinsel als Festung ummanteln.

Wer in Akko herrschte, hatte nur die Wellen des Meeres und die Götter zu fürchten, so sicher und uneinnehmbar galt die Stadt. Die Ägypter, die Griechen, die Römer, die Ptolemäer, die Assyrer, die Perser kamen bis hierher. Wer auch immer auf seinen Eroberungsfeldzügen durch das südöstliche Stadttor einzog, hat mit Stolz die Mauern weitergebaut und ihren Mythos gepflegt. Zerstört wurden sie nie.

Die Gassen der Altstadt haben ihren alten Weg nicht verlassen. Das Labyrinth der Kasbah von Akko ist ein Dokument für Kontinuität im Wandel, dafür dass Steine länger leben als Herrschaften. Sie ist eine arabische Stadt geblieben. Paulus ist durch sie gewandelt und hat das Christentum gebracht, wie Franz von Assisi fast 1200 Jahre später, der hier ein Nonnenkloster gründete. Man nimmt an, dass die grosse Karawanserei Chan el´Umdan aus Mauern des 11. Jahrhunderts errichtet wurde - 1781, als die Osmanen den vorderen Orient und Akko beherrschten. Die Struktur der Karawanserei gleicht einem klösterlichen, mittelalterlichen Kreuzgang. Ihre Granitsäulen sind aber weit älteren Gebäuden entnommen - Überreste der Antike. Das Gebäude steht in unmittelbarer Nähe des Hafens und beherbergte internationale Seefahrer und Handelsleute, die im Erdgeschoss ihre Tiere und Waren lagern und im Obergeschoss dieses osmanischen Hotels des 18.Jahrhunderts wohnen.

Der kleine natürliche Hafen ist jedoch nicht nur Anlaufstelle von Handelsleuten und Eroberern wie Alexander der Grosse und Abenteurern wie Marco Polo, er ist auch das Ziel der Heilsbringer, der Heilsuchenden, der Verkünder und Gottespilger. Die Türme der Stadt sind die Denkmäler der Propheten und ihrer Jünger, Moslems und Christen auf dem Boden Galiläas. Bis hierher, bis zu den schützenden Mauern von Akko machten sie sich auf, um das Heilige Land nicht nur zu besuchen, sondern es zu besitzen.

Durch gewaltige Gräben zur Landseite abgeschirmt, die Stadt eine Festung. Seit 2000 Jahren im Kampfwechsel zwischen arabischen und christlichen Machthabern. 1105 machen die europäischen Kreuzfahrer Akko zu ihrer Stadt. Die Kreuzfahrerburg wird gebaut. An deren Seite später die massive Zitadelle entsteht, das alles überragende Bauwerk. Akko wird zum Zentrum der Kreuzfahrer und des Johanniterordens. Als Sultan Saladin die Stadt kurzzeitig wieder unter moslemischen Einfluss bringt, macht sich der englische König Richard Löwenherz nach Palästina auf, um sie für die Kreuzfahrer zurück zu gewinnen und zu stärken. Akko, der sichere Hafen, wächst zu einer Trutzburg des Glaubens. Ein System von geheimen Befestigungsanlagen entsteht, mit Fluchttunneln und Katakomben, in die sich die Christen bei Bedrohung verschanzen können. Die unterirdische Kreuzfahrerstadt.

Und dennoch bleibt das Leben in Akko immer ein Gemisch der Kulturen, ein Bazar. Bei den Händlern des Soukhs nimmt der eigenwillig, vermischte Alltag orientalischer, arabischer Prägung seinen gewöhnlichen Gang, die Einwohner leben mit den Wechseln der Geschichte und mit austauschbaren Herrschern - bis heute.

Und so verschmelzen auch die Bauten. Wie die Karawanserei aus den Mauern eines Klosters entstand, ist auch das Badehaus, das Chamam, auf den Fundamenten der Vergangenheit gebaut. Pascha El Jazzar lies es Ende des 18. Jahrhunderts mit feinsten Materialien des Nahen Ostens im Zentrum der Altstadt errichten. Das Chamam ist nicht nur der Ort der Reinigung und Entspannung. Hier wird auch debattiert und gehandelt. Im Licht des moslemischen Sterns haben die Paschas, ob El Jazzar oder Ibrahim die Traditionen der arabischen Kultur in Akko weitergeführt und sich gegen die über das Meer von Westen kommenden Übergriffe des Abendlandes gewehrt. - Einerseits. Andererseits haben sie die Magie des günstig gelegenen Hafens und die strategisch, geschützte Bastion auch genutzt um ihre Geschäfte mit europäischen Händlern zu betreiben und damit die Stadt am Leben zu erhalten.

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Asien: Israel

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Krankamera über der Stadt

Krankamera über der Stadt

Ahmed-Jezzar-Moschee

Karawansarei

Ahmed-Jezzar-Moschee

Karawansarei

Turm Karawansarei

Ruine einer Festungsanlage

Katakomben

Ahmed-Jezzar-Moschee

Katakomben

Katakomben

Katakomben

Akko lebt die Gegensätze zwischen Westen und Osten voller Spannung, aber auch die Symbiose. Und der moslemische Stern verschmilzt architektonisch mit dem christlichen Kreuz an vielen Stellen. Die unterirdische Kreuzfahrerstadt, die Hospitaliterburg, genannt nach dem Orden, der sich hier im Geiste der Johanniter im 12. Jahrhundert etablierte, ist das eindrucksvollste Baudenkmal der Stadt. Die gotischen Kreuzgewölbe dienten den Rittern als Versammlungs- und Beträume, Waffenlager und Refektorium, als Aufenthalträume für die Pilger und Repräsentationsgemächer für die Kreuzfahrenden Könige: Kaiser Friedrich II. oder Ludwig IX. Feinste europäische Hochgotik unter der Erde Palästinas. Fast 200 Jahre haben sich die Kreuzfahrer hier immer wieder verschanzt, bis 1291 die Mamelucken mit 66.000 Reitern und 160.000 Mann gegen nur 800 Ritter mit 14.000 Fußsoldaten der christlichen Ordensherrschaft ein blutiges Ende bereiten. Seitdem die Leere.

Der Zusammenfall war katastrophal. 450 Jahre blieb Akko ohne Bedeutung in der Geschichte. Seine Mauern dienten keinen mächtigen Herrschern, seine Kirchen blieben ohne Gläubige, aber die Kreuze riss man nicht von den Dächern. Auch nicht als im 17. Jahrhundert die Drusen die Stadt zu neuem Leben erweckten und sich auf die arabische Handelstradition von Akko besannen, die schon die Omajjaden aus Damaskus und der ägyptische Herrscher Ibn Tulun im 9. Jahrhundert nutzte. Hundert Jahre dauerte es bis Ende des 18. Jahrhunderts, bis die Hafenstadt an der levantischen Küste wieder ein blühendes Tor des Orients wurde. So verlockend, dass die Türken es einnahmen und dass Napoleon 1799 vergeblich versuchte, die Zitadelle und, die Kreuzritterburg von Akko zu stürmen. Noch immer standen die gewaltigen Mauern und die Medina mit ihren dicht gedrängten Häusern wie ein hermetischer Block. Bis hierher sollte Napoleon kommen, die Türme der Gotteshäuser konnte er nur von Ferne sehen, als Wahrzeichen und Zeigefinger der Ereignisse der vergangenen Jahrhunderte, eingebaut in das Labyrinth der Stadt. Ihre Menschen haben sich von hier nie vertreiben lassen, von keinen Eroberern, die aus dem arabischen Hinterland kamen und keinen, die vom Meer kommend hier ihr Glaubensheil gesucht haben. Seit 7000 Jahren, seit der Bronzezeit ist das kleine Plateau der Halbinsel von Akko besiedelt. Eine der ältesten Städte der Welt. Ihr Panorama liegt wie ein steinernes Schlachtschiff an der Küste Palästinas, Galiläas, der Levante, ein Land, das heute Israel heisst.

Bis hier - Ad Ko, sind viele gekommen. Die stolzen Wellen des Meeres, so Hiob, konnten die Stadt nicht hinweg reißen. Auch nicht der Stolz der unzähligen Herrscher, die sie besitzen wollten.

AD KO , bis hierher, kam vor allem der Glaube, der Christliche, der Moslemische, der Jüdische. Akko hat für sie alle seine Mauern bereitgestellt, zur Verteidigung und zum Schutz. Als Tor zum Paradies. Eine Glaubensfestung vor dem Heiligen Land.

Buch und Regie: Horst Brandenburg

Filmmusik & Stab

Musik:
Schätze der Welt II - Vor- und Abspann
Oliver Kraft
Soundtrack Akko
Wakanoa

Buch und Regie: Horst Brandenburg
Kamera: Thomas Ch. Weber

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