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SENDETERMIN So, 6.4.2003 | 21:00 Uhr | 3sat

Afrika: Ghana Accra

Wo Gold und Menschen verschifft wurden

Europäische Burgen mit Zinnen und Kanonen zwischen Wellblechhütten an kilometerlangen Traumstränden Ghanas. Wie Fremdkörper wirken diese steinernen Zeugen eines über 500 Jahre andauernden Handelsaustausches zwischen Europa und Westafrika.

Küstenfort Cape Coast Castle

Küstenfort Cape Coast Castle

Heute sind die Festungen monsungegerbt und vom Verfall bedroht, aber sie lassen noch erahnen, wie lukrativ die Geschäfte einst waren.

1471 begann der ungleiche Tauschhandel. Nautische Kenntnisse hatten ihn erst möglich gemacht. Auf der Suche nach legendären Reichtümern ankerten damals portugiesische Caravellen an der Küste Westafrikas. In einer geschützten Bucht errichteten sie 1482 den ersten Stützpunkt der Europäer in den Tropen: Elmina. Die stattliche Festung wurde zur Handelsdrehscheibe für Gold und Sklaven, profitabel getauscht gegen europäische Waren. Auch Christoph Kolumbus soll in Elmina gewesen sein, bevor er auf Amerikaentdeckung ging.

Eingang Sklavenkerker

Eingang Sklavenkerker

Die einträglichen Geschäfte der Portugiesen führten dazu, dass bald andere europäische Kaufleute an Ghanas Goldküste auftauchten, um Portugals Monopol zu brechen. Holländer, Engländer, Franzosen, Schweden, Dänen und sogar Preußen wollten teilhaben am Westafrikahandel. Auch sie ließen Festungen bauen, brachten Soldaten, Handwerker und Personal nach Afrika und beluden ihre Flotten im Schutz der Forts. Schwere Kanonen bewachten die wertvollen Waren. Bald war die ganze Küste gespickt mit über 60 Bastionen verschiedener Nationen.

Hart, personalintensiv und kostspielig war der Konkurrenzkampf an der Goldküste. Durch exklusive Verträge mit lokalen Stammesfürsten, die Pachtgenehmigungen erteilten und am Handel profitierten, sicherten sich die europäischen Mächte ihre Stützpunkte. In geräumigen Lagern wurden Stoffe, Gewehre, Glasperlen und Geschirr aus Europa gestapelt, in engen Verliesen das menschliche Handelsgut aus dem Hinterland. Allein die Festung Cape Coast hatte Platz für 1.000 Sklaven. Niemand kennt genaue Zahlen, aber wahrscheinlich wurden rund 2.000 000 Schwarzafrikaner von den Küstenforts der Europäer nach Übersee verschifft.

Daten & Fakten

Kulturdenkmal: Forts und Burgen entlang eines 500 km langen Küstenstreifens
Ghanas
UNESCO-Ernennung: 1979
1471
Landung portugiesischer Seefahrer
1482
Festung São João da Mina (St. George’s Castle, Elmina)
1505
Beginn des Sklavenhandels
1515
Fort São Antonio
1662
englisches Cape Coast Castle, Cape Coast
1661
Christianborg (Osu Castle), Accra
1684
brandenburgisches Fort Sophie Louise, Three Point
1688
holländisches Fort Orange, Sekondi
1721
englisches Fort Victoria, Cape Coast
1764
englisches Fort Metal Cross, Dixcove
1768
englisches Fort Apollonia, Beyin
1807
Ende des Sklavenhandels, durch den 2 Mio. afrikanische Sklaven verschleppt worden waren
1829
englisches Fort Williams, Cape Coast
1850
Goldküste als britische Kolonie und Enteignung holländischer Besitzungen
1874
Goldküste wird Kronkolonie
1954-56
Restaurierung von Fort São Antonio, Axim
1957
Unabhängigkeit Ghanas

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