So wohnt Steampunk Alex

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EIN FILM VON
Oleg Kauz (Redaktion, Kamera, Schnitt), Cécilia Marchat (Ton), Feline Gerhardt (Kamera) und Mirjam Michutta (Assistenz). Produktion: EIKON Media GmbH, im Auftrag des SWR.

Es wirkt schon ein bisschen gruselig: Ein antiker OP-Tisch dient als Esstisch, dazu alte Behandlungsstühle vom Zahnarzt, um sich gemütlich hinzusetzen. Und überall merkwürdige Maschinen. Alexander Schlesier hat seine gesamte Wohnung in eine Steampunk-Welt verwandelt.

Am Rande der Stadt in ländlicher Umgebung hat sich der Designer, Künstler und Tüftler in einer unscheinbaren Erdgeschosswohnung sein ganz eigenes Steampunk-Universum eingerichtet. Steampunk ist ein retro-futuristischer Begriff und hat seine Ursprünge in der Literatur. Die Anfänge gehen zurück auf Autoren wie Jules Verne oder H. G. Wells, die sich in der damaligen Zeit überlegten, wie wohl die Technik der Zukunft aussehen könnte.

Wohnen im Steampunk-Stil

Diese retro-futuristische und teilweise morbide Ästhetik des Steampunks ist Alexander zum ersten Mal vor etwa zehn Jahren auf einem Musikfestival aufgefallen und prägte ihn nachhaltig. Erst waren es kleinere Accessoires, die er aus kaputten oder veralteten technischen Geräten und Flohmarktfundstücken anfertigte. Doch die Leidenschaft weitete sich schnell auch auf größere Projekte aus und so lebt er heute gänzlich umgeben von seinen Werken und gesammelten Objekten, die er später noch umbauen möchte. Wo man in der Wohnung auch hinschaut, überall sieht man Gegenstände im Steampunk-Look: Schmuck, Uhren, Masken, Kleidungsstücke, Lampen, Möbel und viele mysteriöse Apparate, die man auf den ersten Blick gar nicht richtig einordnen kann. Nach klassischen Einrichtungsgegenständen aus modernen Möbelhäusern muss man in diesen Räumen wirklich suchen.

Antiquitäten, Second Hand und Vintage-Möbel

Die Wohnung gleicht einer musealen Wunderkammer und zieht durch die Fülle der skurrilen Objekte in ihren Bann. Denn in all den Details der antiken und umgestalteten Gegenstände stecken auch viele Geschichten. Zu vielen Antiquitäten und Vintage-Gegenständen kann Alexander erzählen, wie und wo er sie gefunden hat und wie es zu der Umgestaltung oder Umnutzung kam. Und fast alle Objekte haben eine Vorgeschichte und wurden früher ganz anders genutzt. Der Betrachter soll so an den permanenten Wandel in unserer Welt, aber auch an die eigene Endlichkeit erinnert werden.

Krankenhaus-Einrichtung in Küche und Wohnzimmer

Die Wohnungseinrichtung übt eine faszinierende Mischung aus Anziehung und Abstoßung zugleich aus, die Alexander sehr bewusst inszeniert. Die räumliche und zeitliche Irritation beginnt bereits im Eingangsbereich der privaten Wohnung, wo Besucher von einer Stempeluhr aus industriellen Zeiten begrüßt werden. Im Wohnzimmer mischt sich moderne Technik mit alten Fernschreibern und ausgestopften Tieren. In der Küche dominieren historische Möbel aus Apotheken, Arztpraxen und Krankenhäusern. Das wirkt auf den ersten Blick fremd oder makaber, hinterfragt aber gezielt unsere Nutz- und Sehgewohnheiten. Könnte zum Beispiel ein ausgemusterter OP-Tisch durch seine Verstellbarkeit und Flexibilität auch gute Dienste in einer modernen Küche leisten? Wieso ist uns eine solche Vorstellung fremd?

Steampunk: nicht nur ein Einrichtungsstil

Aber Steampunk ist für Alexander nicht nur Liebe zu einer bestimmten Materialität und Ästhetik, sondern auch eine Haltung. Für ihn ist Steampunk auch Kritik an der verschwenderischen Kurzlebigkeit unserer Konsumgesellschaft. Der Gegenentwurf, den Steampunk anbietet, hat viel mit Nachhaltigkeit, Wertschätzung für gutes Handwerk, Antikes, das Recycling und Upcycling, aber auch mit Entschleunigung zu tun.

So sind einige der von Alexander gebauten Objekte rein dekorativer Natur, andere aber auch im Alltag (wieder) nutzbar. Teile einer ausrangierten Nähmaschine können in seiner Werkstatt zum Beispiel auf eine kaputte Kaffeemaschine treffen und diese im Steampunk-Gewand wieder zum Leben erwecken. Ein alter Arztstuhl verwandelt sich zu einem individuell verstellbaren Bürostuhl, ein historischer Apothekerschrank zu einem Gewürzregal und ein mechanischer Fernschreiber zu einem mit dem Internet verbundenen Drucker – natürlich alles im Steampunk-Look.

Alex baut und gestaltet fast alles selbst

Hauptberuflich arbeitet Alexander als 3D-Designer, momentan für die Automobilindustrie. Das Tüfteln an den Steampunk-Maschinen ist für ihn Ausgleich zur Arbeit am Computer.

Handwerklich scheint Alexander sich auf nahezu allen Gebieten auszukennen. „Ich bin ‘77 in Plauen geboren. Die Einstellung, dass man im Osten immer nur improvisieren musste und unzählige YouTube-Tutorials ergänzen sich wunderbar. Mit Fantasie und der Lust zu lernen, kann man sich durch das Internet heute alles selbst beibringen.”

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