Selma renoviert Omas altes Häuschen

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EIN FILM VON
Heike Glaser (Redaktion), Katrin Oemig (Kamera), Dennis Jankovic (Ton) und Michael Zeigermann (Schnitt)

Mit nur kleinem Budget, aber vielen Ideen und dem richtigen Gespür hat Selma das alte Haus ihrer verstorbenen Oma in Mainz renoviert und anschließend behutsam und liebevoll eingerichtet. Entstanden ist eine stilvolle Mischung aus modernen Elementen und altem Charme.

Anno 1921: Ein historisches Mehrfamilienhaus

Das kleine Häuschen hatten 1921 ursprünglich die Urgroßeltern gebaut. Es handelt sich um ein einfaches Siedlungshaus. Es war das erste in der Reihe, eine Art Musterhaus für Familien mit großem Garten zur Selbstversorgung – typisch für die Zeit.

Drei Generationen wohnten darin: drei Kinder unterm Dach, in der Mitte die Eltern und im Erdgeschoss die Großeltern. In einem weiteren kleinen Dachzimmer, dem heutigen Badezimmer, wohnte vorübergehend das Fräulein Pfeiler, erzählt Selma. Eine unverheiratete Studentin mit indischem Freund. Noch enger zusammenrücken – das mussten die Kirschners auch gegen Ende des II. Weltkrieges als Wohnraum knapp war und 14 ausgebombte Menschen und Flüchtlinge Unterschlupf suchten.

Über Umwege zurück in Omas Häuschen

Selma wuchs zunächst in Kastel auf, studierte nach ihrem Abitur Schauspiel und Theaterpädagogik. Als ihre Großmutter Josefa 2015 starb, stellte sich die Frage, wer in die beiden oberen Stockwerke zieht. Da ihre Geschwister kein Interesse hatten, nutzte Selma die Chance und zog 2016 in Omas Häuschen. Sie teilt sich das Haus mit ihrem Onkel, der im Erdgeschoss wohnt.

Selma ist dankbar für die Wohnung und die kleine Miete, die sie dafür zahlt, denn sie weiß, wie schwierig und angespannt die Wohnsituation in Mainz ist. Manuel, ihr Untermieter, kann davon ein Lied singen. Eigentlich wollte er nur drei Monate bleiben, daraus wurden inzwischen sechs Jahre.

Renovieren mit wenig Geld und vielen Ideen

Als Theaterpädagogin und Schauspielerin mit Engagement am Rhein-Neckar-Theater in Mannheim verfügt Selma nicht über ein riesiges Einkommen. Jede Investition überlegt sich die junge Frau gut, und viele Renovierungs- und Umbauarbeiten macht sie DIY-mäßig auch selbst: den alten Boden rausreißen, um die schönen Holzdielen freizulegen, abzuschleifen und zu lackieren beispielsweise.

Eine der bisher größten Investitionen waren das Bad im Dachgeschoss und ein paar neue Fenster. Einflügelige Plastikfenster wären billiger gewesen, doch die Mainzerin hat sich für teure zweiflügelige Fenster aus Holz entschieden, passend zum Baustil des Hauses.

Ein Mix von Vintage-Möbeln und Erbstücken

Die 32-Jährige beweist: Stil ist keine Frage des Geldes – auch mit einem kleinen Budget kann man sein Zuhause geschmackvoll einrichten. Und so kombiniert sie mutig gebrauchte Vintage- oder Second-Hand-Möbel, die sie im Keller vorgefunden, geschenkt bekommen oder günstig im Internet erworben hat.

Kein Zimmer gleicht dem anderen und jedes ist geschmackvoll mit Mut zur Farbe gestaltet. Im Wohnzimmer treffen Blautöne auf Orange, das Bad ist in Graugelb gehalten. So muten sie modern an, ohne dass der Charme des Alten und die historische Substanz verloren gehen.

Die Küche, das Herzstück ihrer Wohnung, ist als nächstes dran. Lange hat Selma überlegt und geplant, denn die Anschlüsse für Gas und Wasser mussten verlegt werden. Dass sie seit rund sechs Jahren in einem Rohbau lebt, stört sie nicht. Viel mehr würde sie eine Fehlentscheidung stören. Und es ist klar: Selmas Weg führt nicht ins Küchenstudio, sondern in den Keller – dort wartet noch ein Küchenschrank aus den 1950er Jahren darauf, dass sie ihn wachküsst.

Ganz im Sinne der Großmutter

Fragt man die Mainzerin, wie sie ihren Einrichtungsstil beschreiben würde, zitiert sie gerne ihre Oma: „E bissje schee, e bissje gut und nit so deier!“ (Ein bisschen schön, ein bisschen gut und nicht so teuer)

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