Hermanns Haus der unmöglichen Ideen

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EIN FILM VON
Anne Lambertsen (Redaktion), Stefanie Vier (Kamera), Yannik Gaul (Ton) und Florian Felix Klein (Schnitt).

Geht nicht, gibt’s nicht – das ist das Motto von Künstler, Erfinder und Tüftler Hermann. In einem alten Bauernhaus im Hunsrück hat er sich ein einzigartiges Paradies geschaffen. Voller ungewöhnlicher Wohn-Ideen.

Altes Bauernhaus wird Künstler-Paradies

Zwölf Jahre ist das nun her und inzwischen hat er sieben Zimmer gestaltet. Keins ist wie das andere und überall finden sich Dinge, die seine Besucher zum Staunen bringen. So baute er aus der alten, gusseisernen Badewanne, die noch im Haus stand, ein Regal. Sie in die Wand einzulassen, benötigte viel Muskelkraft und gute Ideen. Hermann fertigte Schablonen und ließ einen Glaser die Regalböden anfertigen, alle mit einem etwa zehn Zentimeter großen Loch an einer Seite, damit sein Efeu vom unteren Regal bis nach oben wachsen kann.

Tüftler Hermann findet für jedes Problem eine kreative Lösung

Das ist es, was Herrmann Spaß macht: Egal, welche Idee in seinen Kopf kommt, er setzt sie um – und für jedes Problem findet er eine Lösung. Mit viel Kreativität und handwerklichem Geschick. Hermann ist ein Tausendsassa. „Ich habe vier rechte Hände“, sagt er stolz. Er ist Künstler, Erfinder, gelernter Gärtner und Bau-Energietechniker. Dazu ist er auch noch Ortsbürgermeister von Schwall.

Ein Auto an der Garagendecke

Sein bisher aufwendigstes Projekt war der Bau seiner Werkstatt, wo heute die meisten seiner Einrichtungsgegenstände und Kunstwerke entstehen. Der Gedanke, ein echtes Auto an der Decke zu haben, ließ ihn nicht los und so wagte er das Experiment: Erst baute er die Schalung und auf die Bretter legte er dann alles, was er an seinen Wänden haben wollte: das über eine Tonne schwere, gepresste Auto, insgesamt fünfzig Spiegel, bunte Fliesen und vieles mehr. Über neun Monate arbeitete Hermann daran. Der Beton kam zum Schluss darauf, immer nur in kleinen Mengen. „Für mich war es schöner als Weihnachten, als ich die Schalung endlich entfernen durfte“, erinnert sich Hermann strahlend. Sein Experiment ist geglückt. Solche Momente liebt er.

Fließende Farben und Formen und ungewöhnliche Ideen

Farbe und Formen müssen für ihn fließen und alles soll rund sein. Ecken und Kanten versucht Hermann zu vermeiden, selbst die Zimmerecken hat er abgerundet. Dafür formt er Faserplatten und verputzt sie. Bei seiner Feng-Shui-Ausbildung lernte er alles über die Harmonie in Räumen und bezieht dieses Wissen immer mit ein.

Typisch für ihn: Er verwendet viele Spiegel. Oft auch nur Bruchstücke. In seinem Schlafzimmer hat Hermann besonders lange experimentieren müssen, denn er setzte sich in den Kopf, dass er eine einzige Kerze, nur durch das richtige Hängen der Spiegel, sieben Mal vom Bett aus sehen kann. Auch das hat er hinbekommen.

Hermann arbeitet mit Metall, Holz und Stein

Er hat immer was zu tun. Egal, wie unmöglich eine Idee zunächst auch scheint, Hermann findet einen Weg. Dabei arbeitet er mit den unterschiedlichsten Materialien: Ob Metall, Holz oder Stein – Hermann wagt sich an jedes Handwerk. Ganz nach dem Motto: Do it yourself.

Balance zwischen Naturverbundenheit und Kunst

Da Herrmann in einer Gärtnerfamilie aufgewachsen ist, entwickelte sich schon früh eine große Naturverbundenheit. Er erlernte am Kloster Maria Laach den Gärtner-Beruf. Dort hatte er erste Kontakte zu Künstlern. Besonders fasziniert ihn die Bildhauerei. Er lernte auch die Blumensteckkunst Ikebana. Seine Vielseitigkeit spiegelt sich auch in seiner Gestaltung und macht den Besuch in seinem Haus zu einer Entdeckungsreise.

Bei seinen Waldspaziergängen hält Hermann immer Ausschau nach besonderen Ästen – je verzweigter, desto spannender für ihn. Besonders Zwiesel haben es ihm angetan. So werden Stämme bezeichnet, die aus zwei gleich starken Armen bestehen. Dann setzt er alles daran, dieses Stück Natur zu erwerben und in sein Haus zu integrieren, selbst wenn dafür ein Kran zum Einsatz kommen muss. Ein Zwiesel als Türrahmen – auch das hat er hinbekommen.

DIY mit Naturmaterialien

Sogar das Kiefernholz für seinen selbstgebauten Küchentisch hat er selbst aus dem Wald geholt. Vier Jahre musste das Holz lagern, im Sägewerk ließ er es dann zu sieben Zentimeter dicken Bohlen schneiden. Auch der Tisch hat keine Ecken und Kanten und nur ein gedrechseltes Tischbein. Hermann genießt die Beinfreit und das Putzen geht so auch leichter. Das Holz nicht im Baumarkt zu kaufen, ist für Hermann ein inneres Bedürfnis. „So habe ich von Anfang an eine Verbindung zu dem Möbelstück, für mich ist es ein viel schöneres Wohngefühl.“  

Alte Dinge werden zu neuen Gebrauchsgegenständen

In Hermanns Haus entdeckt man einiges, das von seiner Lebensgeschichte erzählt. Die Kühlschranktür verzieren viele kleine Autoreifen – sie erinnern an die Zeit als er leidenschaftlich Rallyes fuhr. Die riesigen Kirschen in seinem Bad erinnern an seine Kindheit am Rhein „Auf die Kirschernte freute ich mich immer besonders, die meisten landeten in meinem Bauch.“ Solche Erinnerungsmomente zu erzeugen, gehört zu seinem Wohnkonzept.    

Blasinstrumente sind für ihn Symbol der Harmonie. Tuba, Trompete, Posaune – auf Flohmärkten sucht er nach ausgedienten Instrumenten, aber auch bei Herstellern fragt er nach alten Stücken. Daraus macht er zum Beispiel Kleiderhaken und Lampen.

Hermanns Haus ist gut gefüllt und er ist rundum glücklich damit. Doch wenn eine neue Idee in seinen Kopf kommt, der eigentlich nie stillsteht, oder er ein spannendes Objekt entdeckt – dann wird umgestaltet. Hermanns Prinzip: „Ich finde, man muss auch loslassen können, damit Neues entstehen kann.“

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