Romy - Der Große ARD Film
Interview mit Jessica Schwarz

"Ein nachhaltiges Beben"

Zum ersten Mal wurde das Leben der Schauspielerin Romy Schneider im SWR-Fernsehfilm "Romy" verfilmt. Hauptdarstellerin Jessica Schwarz spricht im Interview über den besonderen Druck dieser Rolle, die Gefahren des Schauspielerberufs und die französischen Männer.

Jessica Schwarz
Jessica Schwarz: "Jede Schauspielerin trägt wohl ihre kleine Romy in sich."

Wer Romy Schneider spielt, wird auch mit ihr verglichen. Haben Sie diesen Druck gespürt, oder war das eine Rolle wie jede andere auch?
Jessica Schwarz: Ganz bestimmt nicht! Der Druck ist immens, der ist so immens, dass ich teilweise ohne Antiallergikum nicht spielen konnte, weil ich täglich von Nesselfieber geplagt war. Beim nächsten Film war das zum Glück nicht mehr so, also hatte es ganz klar etwas mit dieser Rolle zu tun. Ich habe die Verzweiflung von Romy eben selbst körperlich ausgeschüttet, was meiner Maskenbildnerin auch zu schaffen gemacht hat. Ich sage nur "Swimmingpool": Im Bikini mit 80 Leuten um einen rum und man hat überall Pusteln!


Wie finden Sie den Film?
Als ich mir "Romy" das erste Mal angesehen habe, musste ich hinterher unglaublich weinen, also wirklich lange und schlimm und ganz unvermittelt.
Mich hat das so überrascht, so überkommen, weil ich einfach merkte, wie nah alles noch ist und wie groß die Anstrengung war. Dieser ganze Druck hat sich entladen. Dieser ganze Wahnsinn musste einfach raus. Dann war da ein nachhaltiges Beben. Das hatte auch etwas mit dem Dreh und dem tollen Team zu tun, und das möchte ich unbedingt für mich bewahren.

Waren Sie eigentlich überrascht, als man Ihnen die Rolle angeboten hat?
Ja, sehr, und auch die Ehre war wahnsinnig groß. Ich stand auf der Straße - aber nicht dass ich jetzt als Heulsuse durchgehe - und weinte mal wieder (lacht).

Hätten Sie Romy Schneider gemocht?
Ja! Es gibt so viele Kleinigkeiten, die ich an ihr unglaublich schätze: Dieses Harmoniebedürfnis, diese Lust am Leben - die ich ja auch kenne. Wenn man einfach sagt, man lebt jetzt.
Sie war ein Mensch ohne Vorurteile, was ich immer bewundernswert fand. Ich finde es wichtig, auf Leute zuzugehen, ihnen eine Chance zu geben, auch wenn sie von anderen schon gerichtet wurden.

Jessica Schwarz
Romy reißt aus nach Paris: Jessica Schwarz in einer Filmszene


Gibt es Parallelen zwischen Ihnen und Romy Schneider?
Weil wir beide früh mit eher kommerziellen als kreativ wertvollen Dingen angefangen haben, mussten wir dann auch daran arbeiten, ernst genommen zu werden. Ich bin vielleicht ein bisschen mutiger und emanzipierter erzogen worden. Aber es war auch eine andere Zeit damals. Wer weiß, wie es gewesen wäre, wenn ich in ihrer Zeit geboren worden wäre.
Ich denke, ich bin ein bisschen selbstbewusster, aber vielleicht nimmt das auch im Alter ab. Manchmal dachte ich schon: "Jetzt nimmt mir niemand mehr so schnell die Butter vom Brot", aber dann habe ich auch wieder das Gefühl, dass das Selbstbewusstsein einfach geht.

Was hat Sie an der Beschäftigung mit Romy Schneider überrascht?
Diese Aggressivität, die in ihr steckte, obwohl sie doch ein so großes Harmoniebedürfnis hatte. Und obwohl sie einen so bewundernswerten Gerechtigkeitssinn hatte, konnte der auf einmal kippen.
In ihrer Ehe mit Harry Meyen wurde sie so lange unterdrückt und dachte, sie sei eigentlich gar nichts wert. Es gibt schreckliche Interviews mit ihr, wo man sich fast fremdschämt und wegschalten möchte und unglaublich bedrückt ist, was sie mit sich hat machen lassen - und dann ist da auf der anderen Seite dieses aggressive Nach-Vorne-Gehen.

Sehen Sie für sich selbst die Gefahr, vom Beruf so aufgefressen zu werden wie Romy Schneider?
Ich glaube, das gilt für jeden Künstler, der seinen Beruf liebt. Aber so sehr man seine Arbeit auch liebt, muss man einfach sehen, dass das private Glück auch ein wichtiges Glück ist. Und dass man nicht erst darauf stoßen sollte, wenn es zu spät ist.
Ich möchte nicht, dass mein Leben von anderen Menschen durchgeplant wird oder dass ich immer von Anfang Januar bis Ende Dezember genau weiß, was ich mache.

Können Sie sich vorstellen, den Beruf für die Familie eine gewisse Zeit zurückzustellen?
Unbedingt. Ich weiß aber nicht, ob ich mein komplettes Leben ändern könnte und für fünf Jahre zuhause bleiben würde. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass das mir oder meinem Kind gut tun würde. Ich weiß es aber nicht, denn man ändert sich ja, wenn man Mutter wird. Aber so ein Bild von Familie mit Kindern habe ich schon, auch weil meine Familienstruktur zuhause sehr, sehr gesund ist.

Wäre Alain Delon für Sie auch ein Traummann gewesen?
Mit Sicherheit! Sowieso: In Frankreich mit den ganzen Franzosen zu drehen, war schon toll. Die hatten einen unglaublichen Charme und waren ein bisschen eitel. Ich mochte das sehr gerne. Ich glaube, wenn man aus dem gut behüteten bürgerlichen Deutschland aufbricht und schon tausende von Herzen gebrochen hat, dass man selbst seins mal gebrochen bekommen möchte. Und dann taucht da Alain Delon auf, der natürlich all das hat, was man selbst sucht, und man weiß, dass man daran vielleicht scheitern wird. Dieses Wagnis will man eingehen. Definitiv wäre ich es auch eingegangen.

Hat sich Ihre Beziehung zu Romy Schneider im Lauf der Zeit verändert?
Jede Schauspielerin trägt wohl ihre kleine Romy in sich und sieht sie als großes Vorbild. Als kleines Mädchen habe ich natürlich angefangen, mich mit den "Sissi"-Filmen zu befassen. Der Wunsch war groß, auch Prinzessin und irgendwann Kaiserin zu sein, trotz der ganzen Tragödie. Sie hat einfach alles verkörpert, was man so in seiner Wunschvorstellung von Liebe und Drama hatte. Als Model wurde mir mal gesagt, ich habe eine Ähnlichkeit mit Romy Schneider. Da habe ich angefangen, mich mit ihr auseinanderzusetzen und "Swimmingpool" und "Die Dinge des Lebens" gesehen. Auf "Nachtblende" und die anderen Filme bin ich dann durch die Schauspielerei gestoßen.