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Propaganda-Star Ein Mythos entsteht

Rommel entspricht dem Idealtyp des jungen, modernen Offiziers, den die NS-Propaganda als Vorbild sucht. Auf all seinen Kriegsschauplätzen wird er von Propagandakompanien der Wehrmacht und von Mitarbeitern aus Goebbels' Ministerium begleitet und so zu einer Werbefigur.

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Spielfilmszene: Rommels Ansprache vor der Propaganda-Kamera

SWR

Vor einer Geschützstellung gibt Generalfeldmarschall Rommel im Mai 1944 Durchhalteparolen aus. Die Kamera der Propaganda-Spezialisten ist immer mit dabei. Doch am 6. Juni 1944 gelingt den alliierten Truppen die Landung in der Normandie - allen Anstrengungen Rommels zum Trotz.

Wie wird Rommel zum Helden der Wochenschau?

Lucie Rommel an ihren Mann, Oktober 1939: "Heute nachmittag war ich im Kino, es ist in der Wochenschau eine fabelhafte Aufnahme, wo Du beim Führer bist. Man sieht Dich ganz groß und auch etwas länger. Vielleicht kannst Du diese Aufnahme bekommen, das wäre sehr schön."

Schon im Frankreichfeldzug 1940 wird Rommel in der gleichgeschalteten Presse erwähnt und er hat einen Auftritt in der NS-Wochenschau. Auch Bildpostkarten, die den Panzergeneral zeigen, sind in dieser Zeit schon weit verbreitet. So schickt der Heidenheimer Oberbürgermeister zu Weihnachten 1940 "den im Feld stehenden Söhnen der Stadt" ein farbiges Postkarten-Portrait Rommels.

Rommels Erfolge in Afrika 1941/1942 bewegen Propagandaminister Goebbels und Hitler, ihn zum Volkshelden zu stilisieren. Im April 1941 veröffentlich die Zeitschrift  "Das Reich" einen Propagandaartikel, in dem Rommel als soldatischer Führer beschrieben wird, "dem jede neue Aufgabe und jeder neue Boden willkommen ist, Lehrer und Vorbild, politischer Kämpfer und militärischer Schriftsteller, (…) eine Gestalt, die von den jungen Deutschen als diesem Jahrhundert gemäß empfunden wird."

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"Rommel ist ein handelnder General"

SWR

Historiker Thomas Kubetzky: Rommel erscheint in den Wochenschau-Beiträgen als ein Mann, der die Sorgen und Nöte seiner Soldaten kennt und der auch das Handwerk des Soldaten versteht.

Aus Rommel wird so "Unser Rommel" (Hitler, 30.1.1942), ein Offizier, der von vorne führt, immer ganz nahe bei "seinen" Soldaten, ein harter und fordernder Kommandeur, auf den man sich verlassen kann. Als er den Kriegsschauplatz Afrika im März 1943 endgültig verlässt, verschweigt die Propaganda dies zunächst, um den Mythos Rommel möglichst lange nutzen zu können.

Manfred Rommel an seinen Vater, November 1939: "Lieber Vati! Ich danke Dir für deinen lieben Brief. Ich freue mich auf dein Kommen schon mächtig. In der Schule bekamen wir Bilder von Dir zum Verkauf. Ich erkämpfte mir nach einer schweren Rauferei 5 Bilder von Dir. Zwei Bilder allerdings bekam ich friedlich."

Rommel wird so einerseits von der NS-Propaganda instrumentalisiert. Andererseits arbeitet er selbst aktiv an der Ausgestaltung seines Feldherren-Images mit und trägt dazu bei, dass die Bevölkerung den Krieg lange mit Siegeszuversicht begleitet.

Noch im Juni 1944, als die alliierte Invasion unmittelbar bevor steht, beteiligt er sich an Plänen des Propagandaministers, eine "Zersetzungspropaganda" gegenüber den westalliierten Truppen aufzubauen. "Er ist auch persönlich an dieser Propaganda interessiert und möchte sie mit allen Mitteln fördern. Er hat sich selbst Gedanken darüber gemacht und bringt praktische Vorschläge für einzelne Sendungen und Themen!", schreibt Goebbels Beauftragter Alfred-Ingemar Berndt nach einem Frankreich-Besuch bei Rommel.

Autor: Thomas Fischer