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Making Of Ulrich Tukur spielt den "Wüstenfuchs"

Erwin Rommel, der "Wüstenfuchs", war ein populärer General - und eine zwiespältige Figur der deutschen Geschichte. Für den ARD-Film "Rommel" wurden die letzten Monate seines Lebens im Sommer 1944 verfilmt. Wir zeigen Eindrücke von den Dreharbeiten.

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Dreharbeiten zum SWR-Film "Rommel"

Ulrich Tukur spielt den "Wüstenfuchs"

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Es sieht beklemmend echt aus - aber hier steht nicht die Wehrmacht auf der Schwäbischen Alb: Das sind Dreharbeiten. Niki Stein verfilmt für die SWR-Koproduktion "Rommel" die letzten sieben Monate im Leben des Ausnahme-Generals. Die Siege in der nordafrikanischen Wüste, die Erwin Rommel seinen Mythos und den Spitznamen "Wüstenfuchs" einbrachten, kommen im Film allerdings nicht vor. Die weiten Felder der Schwäbischen Alb bei Römerstein-Böhringen sollen keine Wüste, sondern Nordfrankreich darstellen, die Szene spielt im Sommer 1944. Vom Regie-Panzer aus gibt Stein Anweisungen an seinen Aufnahmeleiter - gar nicht militärisch im Ton, aber im Tempo ziemlich zackig: "Konvoi in Bewegung! Wir drehen!"

Es sieht beklemmend echt aus - aber hier steht nicht die Wehrmacht auf der Schwäbischen Alb: Das sind Dreharbeiten. Niki Stein verfilmt für die SWR-Koproduktion "Rommel" die letzten sieben Monate im Leben des Ausnahme-Generals. Die Siege in der nordafrikanischen Wüste, die Erwin Rommel seinen Mythos und den Spitznamen "Wüstenfuchs" einbrachten, kommen im Film allerdings nicht vor. Die weiten Felder der Schwäbischen Alb bei Römerstein-Böhringen sollen keine Wüste, sondern Nordfrankreich darstellen, die Szene spielt im Sommer 1944. Vom Regie-Panzer aus gibt Stein Anweisungen an seinen Aufnahmeleiter - gar nicht militärisch im Ton, aber im Tempo ziemlich zackig: "Konvoi in Bewegung! Wir drehen!"

Ulrich Tukur (rechts) spielt Erwin Rommel, Hitlers Lieblingsgeneral. Er soll den Einmarsch der Alliierten aufhalten, die im Juni 1944 in der Normandie gelandet waren. Tukur hat Erfahrung mit Filmen über das Dritte Reich: Er war unter anderem in der SWR-Produktion "Stauffenberg" im Einsatz, als Generalmajor Henning von Tresckow, der das Attentat auf Hitler mit geplant hatte. Nun ist Tukur Erwin Rommel - den man nicht gerade als Widerstandskämpfer bezeichnen kann. Rommel verdankte seinen Aufstieg zu einem erheblichen Teil den Nationalsozialisten. Eine schwierige Rolle? "Eine widersprüchliche Figur, wie ich sie noch nicht gespielt habe", sagt Tukur. "Mich erschüttert der Umstand, dass er das Zeug dazu gehabt hätte, einen Unterschied zu machen - wenn er zur richtigen Zeit über seinen Schatten gesprungen wäre, wenn er sich seines Soldaten-Eides entledigt hätte und den Schritt gegangen wäre, den Tresckow und die anderen gegangen sind."

19. Drehtag, Szene 6: Rommel und sein Adjutant sind mit dem Kommandantenwagen (ein Horch-Cabrio) an der Front unterwegs und entgehen nur knapp einem alliierten Luftangriff. Ein Vorgriff auf das drohende Unheil: Wenig später, am 17. Juli 1944, wird Rommel bei einem Tieffliegerangriff schwer verletzt. Damit - so erzählt es der Film - wird er genau in dem Moment aus dem Kriegs-Geschehen herauskatapultiert, an dem eine letzte Wendung möglich gewesen wäre: Der Vorzeige-General des Dritten Reiches hatte endlich zu erkennen begonnen, dass er sich Hitlers Befehlen widersetzen musste, sollte das deutsche Heer nicht mit Mann und Maus untergehen. Er dachte darüber nach, die Westfront zu öffnen und einen Separatfrieden mit den Alliierten zu schließen. Parallel dazu liefen in Berlin und Paris die Vorbereitungen für das Attentat auf Hitler - das am 20. Juli 1944 scheiterte. Was hätte Rommel bewirken können, wenn er sich daran beteiligt hätte?

"In dem Moment, wo Rommel eingreifen will und die Front im Westen aufmachen will, wird er von der Bildfläche geschossen - und danach kommt das Attentat auf Hitler und das Räderwerk der Geschichte stampft ihn nieder. Das hätte nicht sein müssen!", erklärt Ulrich Tukur seine Film-Figur - und scheint ihn dabei zu bedauern, diesen stahlharten Militär- und Machtmenschen. Warum? "Er hatte nicht das Zeug dazu, im entscheidenden Moment diesen Schritt zu gehen. Und das macht ihn für mich zu einer sehr anrührenden, traurigen, tragischen Figur, die ich gerne spiele." Tragisch ist Rommels Ende in der Tat: Obwohl er nicht am Hitler-Attentat beteiligt war, wurde Rommel im August 1944 des Hochverrats beschuldigt, weil er von den Plänen gewusst habe. Am 14. Oktober 1944 trafen zwei Generäle in Rommels Haus in Herrlingen bei Ulm ein und überbrachten eine Giftkapsel: Wenn der einstige Vorzeige-General sich selbst töte, solle ihm und seiner Familie der Prozess erspart bleiben. Rommel schluckte das Gift.

Wenn Rommel von den Umsturzplänen der Männer des 20. Juli wusste - warum schloss er sich ihnen nicht an? Diese Frage trägt der Film an den historischen Erwin Rommel heran, wie der Regisseur und Drehbuchautor Niki Stein sie an seinen Vater gerichtet hat: "Mein Vater war sechs Jahre Soldat, er hat den ganzen Krieg mitgemacht, und natürlich war das ein Thema zu Hause. Das ist mindestens das fünfundzwanzigste Mal, dass ich die Frage stelle, wie konntet ihr das machen? Das ist auch die Frage, die wir an Rommel stellen. Und warum konntest du erst so spät begreifen - als Mensch, der ja durchaus in höherer Leitungsfunktion dem Regime diente, dass du da dem Teufel dienst?"

Historische Korrektheit ist bei diesem Thema oberstes Gebot. Und nicht nur der Regisseur bemüht sich darum - die Ausstatter tun das Ihre, um jeden einzelnen Komparsen (wie den abgebildeten Herrn in der Uniform des Generalfeldmarschalls Hugo Sperrle) historisch passend zu dekorieren. Professor Peter Steinbach von der Universität Mannheim hat das "Rommel"-Team beraten, damit alles seine Richtigkeit hat - und ist zufrieden: "Historisch finde ich den Film wirklich akzeptabel", sagt er. "Ich war sehr glücklich über dieses Drehbuch, weil es eine Entscheidungs-Situation sichtbar macht. Wir müssen ja in der Widerstandsgeschichte lernen, dass wir es nicht mit Engeln zu tun haben. Sondern wir haben es mit Menschen zu tun. Hätten wir es mit Engeln zu tun, dann hätten wir Menschen ohne Entwicklung. Hier haben wir Menschen, die eine Situation bewältigen. Und bei Rommel haben wir nun natürlich ein Problem. Stauffenberg und Tresckow überwinden die Situation. Rommel oszilliert [schwankt zwischen zwei Positionen] - und verhält sich damit im Grunde wie viele andere. Aber gerade dieses Oszillieren ist ja eigentlich ein spannendes, ein wichtiges Thema."

Es ist schon ein beunruhigendes, unheimliches Bild, das die kostümierten NS-Militärs auf den idyllischen Wiesen der Alb bieten. Auch von innen fühlt es sich seltsam an, erzählt der Schauspieler Harry Blank - hier als General Rudolf Schmundt - am Rande des Drehs: "Kaum ziehst du so so eine Uniform an und hast diesen Haarschnitt, siehst du aus wie einer 'von denen'!"

Um dem Nazi-Spuk zu entkommen, hilft ein Blick in das Wohnmobil des Maskenbildners Wolfgang Böge: Mit schöner Ironie hat er neben seine Bärte-Sammlung für Hitler, Himmler & Co. eine Sado-Maso-Maus gehängt, die mit der Peitsche droht. Der Mann hat Humor - übrigens hat er schon bei der Hitler-Satire "Schtonk!" die Maske gemacht.

Aber zurück zur Arbeit - der Krieg geht weiter! Auch wenn es auf diesem martialischen Bild nicht so aussieht: "Ich bin kein Action-Regisseur", sagt Niki Stein. "Mich interessieren die Menschen einfach mehr. Und ein Mensch offenbart sich im Konflikt, im Gespräch, in der Entscheidungssituation." Für seine Arbeit als Regisseur heißt das: "Ich will das Verhalten der Menschen, die ich zeige, schlüssig und für das Publikum nachvollziehbar machen. Das bedeutet eine besonders intensive Arbeit mit den Schauspielern." Sein Ziel ist kein Kriegsfilm, sondern offenbar eine Art psychologische Helden-Studie: "Ich hoffe, dass Sie am Ende, wenn Sie den Film sehen, die Figur Rommel verstehen, auch in ihren Widersprüchen."

Der Film soll Rommel nahe kommen, denn "in dem Moment, indem man eine historische Gestalt zum Mittelpunkt einer Erzählung macht, ergreift man ihre Partei", sagt Niki Stein. "Ich bin wahnsinnig froh, dass Uli Tukur das spielt", erklärt der Regisseur. "Ich habe bei Uli etwas gefunden, was ich mit dem Satz 'Er wird ihn sympathisch machen' beschreiben möchte. Rommel ist ein Mensch. Rommel ist auch ein Mensch mit Humor gewesen, und er ist auch ein Schwabe gewesen - das kann nur Uli Tukur spielen! Und er macht das bravourös."

Mehr zum Thema im SWR:

Ulrich Tukur als Erwin Rommel
Der Fernsehfilm
10.11.2016 | 23.45 Uhr | SWR Fernsehen
Die Dokumentation
13.11.2016 | 11.30 Uhr | SWR Fernsehen
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