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Text des Beitrags Flaute bei Windparks

Warum Öko-Energie für Stadtwerke oft ein Verlustgeschäft ist

Unser Wirtschaftsminister ist in seiner Begeisterung für die Windenergie schwer zu übertreffen: Ein Aushängeschild für den deutschen Maschinenbau sei das, und bei der Energiewende werde die Windkraft noch Jahrzehnte im Mittelpunkt stehen.

Nicht alle können diese Euphorie teilen. Claudia Butter, Achim Reinhardt und Edgar Verheyen haben Menschen getroffen, denen beim Thema Windkraft schlicht die Luft ausgeht – und zwar deshalb, weil nicht überall da, wo ein Windrad steht, auch genügend Wind vorbeikommt.

Bericht:

So hoch wie die Windräder sind auch die Erwartungen: Nicht nur Stromquelle, auch Geldquelle sollen sie sein. Windkraft ist sauber und gilt wegen der Subventionen als hochlukrativ.

Vom Boom wollten auch die Stadtwerke, die Energieversorger der Städte, profitieren. Der Chef der Erlanger Stadtwerke, Wolfgang Geus, zum Beispiel investierte Millionen in Windräder.


O-Ton, Wolfgang Geus, Vorstandsvorsitzender Erlanger Stadtwerke (10.11.2013):
»Ja, also wenn ich die Chance habe, wollen wir mehr bauen, egal ob das jetzt hier in Würgau ist oder ob das auch an unseren anderen Standorten ist.«

Auch die Stadtwerke in Mainz witterten ein gutes Geschäft mit der Windkraft. Denn die sei nicht nur ökologisch notwendig, sondern auch „wirtschaftlich sinnvoll.

O-Ton, Detlev Höhne, Vorstandsvorsitzender Stadtwerke Mainz:
»Ja, selbstverständlich. Jedes Unternehmen, das investiert, erwartet auch, dass man entsprechend Gewinne macht. Ja.«
Frage: Welche Erwartungen hatten Sie?

O-Ton, Detlev Höhne, Vorstandsvorsitzender Stadtwerke Mainz:
»Die lagen so zwischen, je nachdem, nach Anlagen, zwischen viereinhalb und achteinhalb Prozent.«

Achteinhalb Prozent, das wären üppige Gewinne. Lohnt sich das Geschäft mit der Windkraft wirklich für Stadtwerke und damit für die Stromkunden und Steuerzahler?

Diese Bürger waren mal für Windkraft. Es ist noch gar nicht so lange her, da wollten sie in ihrer Gemeinde sogar selbst ein Windrad errichten und betreiben. Doch nach Windmessungen kamen sie davon schnell wieder ab.

O-Ton, Sybille Büttner, Bürgerinitiative:
»Das Problem ist einfach, dass die Windhäufigkeit nicht ausreichend ist. Also, das ist zu wenig Wind, und die können also nicht wirtschaftlich betrieben werden.«



O-Ton, Wolfgang Röder, Bürgerinitiative:
»Und man kann hier kein profitables Rad betreiben, und nur um schön in der Gegend rumzustehen, brauche ich die nicht.«

Die Stadtwerke Erlangen kümmerte das wenig – sie haben hier trotzdem drei Windräder hingestellt. Laut Geschäftsbericht machten die Stadtwerke 2012 wegen der "schlechten Windverhältnisse", rund 3,8 Millionen Euro Verlust. Auch aktuell wird wieder eine "unterdurchschnittliche Winddarbietung" beklagt.

O-Ton Sybille Büttner, Bürgerinitiative:
»Also für mich ist es einfach ein Irrsinn.«

O-Ton Richard Goldmann, Bürgerinitiative:
»Das seh‘ ich so, dass die Stadtwerke eine Riesen-Bauchlandung gemacht haben.«

O-Ton Elke Goldmann, Bürgerinitiative:
»Wenn ich daheim meinen Haushalt führe und ich würde so arbeiten, wie da gearbeitet wird, würde ich von meinem Mann ganz schön was erzählt kriegen. So funktioniert‘s einfach nicht.«

O-Ton Sybille Büttner, Bürgerinitiative:
»Letztendlich zahlt der Verbraucher, wir alle, Steuerzahler.

Auch die Stadtwerke Mainz glaubten, mit der Windenergie etwas Gutes zu tun und gleichzeitig Kasse zu machen. Wie sieht hier die Bilanz aus?

O-Ton, Detlev Höhne, Vorstandsvorsitzender Stadtwerke Mainz:
»Die Anlagen – es sind rund 20, die in dem Zeitraum 2005 bis 2010 in Betrieb gegangen sind – bringen kein Ergebnis, bis zum heutigen Tage nicht.«

Frage: Kein Ergebnis heißt keine Gewinne?

O-Ton, Detlev Höhne, Vorstandsvorsitzender Stadtwerke Mainz:
»Genau.«

Frage: Verluste?

O-Ton, Detlev Höhne, Vorstandsvorsitzender Stadtwerke Mainz:
»Ja, leichte Verluste.«

Frage: Können Sie einen Prozentsatz sagen?

O-Ton, Detlev Höhne, Vorstandsvorsitzender Stadtwerke Mainz:
»Leichte Verluste.«

Sind Windräder bundesweit ein Minusgeschäft? Werner Daldorf arbeitet für den Bundesverband Windenergie, der Lobbyarbeit für Windkraft macht. Er hat mehr als 1.200 Jahresabschlüsse von Windparks aus den vergangenen 13 Jahren verglichen. Sein Fazit: Zwei Drittel der Windparks im Binnenland machen Verluste – trotz der Subventionen.

O-Ton, Werner Daldorf, Bundesverband Windenergie:
»Das ist verdammt viel, und da kann man eben nur sagen, da ist die Planung nicht gut genug gemacht worden, es wurde zu wenig gemessen, es wurden die Windgutachten nicht vorsichtig genug ausgewertet, wenn überhaupt Windgutachten da waren. Und es sind im Binnenland viele schwache Standorte bebaut worden, an denen nichts zu verdienen ist.«

An der Windkraft verdienen die Verpächter der Grundstücke, die Planer und die Hersteller. Doch viele Betreiber wie die Stadtwerke machen also meistens Miese.

Deswegen sieht Finanzexperte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg Investitionen in Windräder kritisch.

O-Ton, Niels Nauhauser, Verbraucherzentrale Baden-Württemberg:
»Wir haben schon immer vor diesen Anlagen gewarnt, wegen dieser gerade sehr, sehr hohen Risiken. Wenn Energieversorger Geld versenken in unrentablen Projekten, dann trifft das auch die Stromkunden, die natürlich diese Defizite auch irgendwann wieder über einen möglicherweise höheren Strompreis ausgleichen müssen. Und das ist ungerecht, denn dafür sind sie ja nun wirklich nicht zur Rechenschaft zu ziehen.«

Windkraft – ein hochriskantes Geschäft zu Lasten der Stromkunden. Warum investieren die Stadtwerke trotzdem?

Die Erlanger Stadtwerke wollen kein Interview zu den Millionenverlusten geben. Schriftlich teilen sie mit, man habe sich auf Gutachten verlassen. Außerdem gebe es eine Vorgabe unseres Erlanger Stadtrats: "Bis 2030" sollen "50 Prozent des Erlanger Strombedarfs" aus erneuerbaren Energien erzeugt werden.

Auch in Mainz gab es eine Vorgabe des Stadtrats, kräftig in erneuerbare Energien zu investieren. Heute sehen die Stadtwerke das kritisch.

O-Ton, Detlev Höhne, Vorstandsvorsitzender Stadtwerke Mainz:
»Na ja, Politik investiert nicht, Politik geht kein unternehmerisches Risiko ein. Das tun diejenigen, die betreiben, und die müssen dann eben anders rechnen als die Politik.«

O-Ton, Werner Daldorf, Bundesverband Windenergie:
»Wenn Sie als Stadtwerke kommen und müssen den eigenen Stadtratsfraktionen unbedingt grünes Strompotenzial bieten, das war ja der Hintergrund dabei, dann waren die Stadtwerkevorstände gezwungen zu nehmen, was sie kriegen konnten.«

Unter dem Druck der Politik haben Stadtwerke in falsche Standorte investiert. Jetzt machen sie Verluste. Am Ende müssen Stromkunden und Steuerzahler dafür aufkommen. So wird die Akzeptanz der Energiewende aufs Spiel gesetzt.