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SENDETERMIN Mi, 19.6.2019 | 5:00 Uhr | Das Erste

Wie EU und Bundesregierung die Verlagerung der Textilproduktion von Asien nach Afrika fördern Ausbeutung statt fairer Arbeitsplätze

Äthiopien sollte ein Neustart für die Textilindustrie werden: Schicke, moderne Fabriken, hohe Umweltstandards. Doch ein Blick hinter die schönen Fassaden offenbart das Elend vieler Arbeiterinnen, die hier auch Kleidung für den europäischen Markt nähen.

Nach dem Einsturz einer Textilfabrik im Rana-Plaza-Gebäude in Bangladesch mit mehr als 1.000 Toten wollten die Modefirmen und die Bundesregierung eigentlich alles anders machen: Sie gründeten ein Textilbündnis, verpflichteten sich zu hohen Standards und fairen Löhnen. Äthiopien, der neueste Produktionsort der Branche, sollte dabei mit gutem Beispiel vorangehen. Neue Industrieparks wurden aus dem Boden gestampft, moderne helle Hallen mit hohen Umweltstandards.

Doch Recherchen von REPORT MAINZ zeigen: Die Realität der Arbeiterinnen hinter der Fassade ist weniger strahlend: Löhne unter Existenzminimum, die niedrigsten weltweit. Verstöße gegen Arbeitsnormen, Erniedrigungen, Überstunden, kollabierende Näherinnen. Dabei fördert die Bundesregierung den Textilsektor in Äthiopien nach Kräften, vermittelt den Fabriken deutsche Kunden, bildet Arbeiterinnen aus, fördert nun sogar einen der Industrieparks. Auch die EU gibt viel Geld – aus einem Fonds zur Bekämpfung von Fluchtursachen. Die Bedingungen der Näherinnen hätten sich dadurch bislang jedoch nicht verbessert, schildern sie uns.