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SENDETERMIN Di, 2.9.2014 | 21:45 Uhr | Das Erste

Nach Amokläufen Polizei lässt traumatisierte Polizisten im Stich

Ernst Kappel war beim Amoklauf von Winnenden als Polizist im Einsatz. Seitdem ist er schwer traumatisiert, leidet an einer sogenannten Posttraumatischen Belastungsstörung. Von der Polizei fühlt er sich im Stich gelassen: Seine Erkrankung sei nicht ernst genommen worden, um einen geeigneten Therapeuten habe er sich selbst kümmern müssen. Auch ein weiterer traumatisierter Polizist berichtet, die Betroffenen seien nicht angemessen unterstützt worden.

Das baden-württembergische Innenministerium weist solche Vorwürfe zurück. Schriftlich teilt ein Sprecher auf Nachfrage von REPORT MAINZ mit, man habe sehr vieles für die Betroffenen unternommen und keine Fehler gemacht.
REPORT MAINZ liegt ein interner Aktenvermerk der Polizei vor. Darin listet sie auf, was sie für die schwer Traumatisierten getan hat. Prof. Günter Seidler hat diesen Aktenvermerk genau angesehen. Er leitet die Psychotraumatologie der Uniklinik Heidelberg und forscht seit Jahren zur Traumatherapie. Seine Einschätzung: Was die Polizei unternommen habe, werde dem Ausmaß der Therapiebedürftigkeit nicht gerecht.
Die Recherchen von REPORT MAINZ zeigen weiter: Dass traumatisierte Polizisten allein gelassen werden, ist ein bundesweites Problem. Das beobachtet der Leiter einer Selbsthilfegruppe mit mehr als 200 Polizisten. Auch der Kriminologe Prof. Christian Pfeiffer stellt im Interview mit REPORT MAINZ fest: „Es gibt bundesweit deutliche Fürsorge-Defizite. Das Problem ist, dass hier immer noch so eine alte Denkweise da ist, dass man sich zusammenreißt und nicht jammert.“

aus der Sendung vom

Di, 2.9.2014 | 21:45 Uhr

Das Erste

Bericht

Autorinnen:
Claudia Butter, Caroline Wenzel

Kamera:
Bernd Hermes, Thomas Schäfer, André Schmidtke

Schnitt:
Ulrike Vogel

Sprecherin:
Claudia Butter