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SENDETERMIN Di, 3.8.2021 | 21:48 Uhr | Das Erste

Tödliche Flut Hat der Kreis Ahrweiler zu spät gewarnt?

Bei der Hochwasser-Katastrophe kamen allein im Ahrtal mehr als 130 Menschen ums Leben. Hätten manche von ihnen gerettet werden können, wenn sie früher gewarnt worden wären? Drei Wochen nach der Flut wird diese Frage jetzt im Landkreis Ahrweiler gestellt, eine der am stärksten betroffenen Regionen. In der Kritik steht Landrat Jürgen Pföhler.

Wassermassen im Ahrtal. Erst spät in der Nacht um 23:09 Uhr hatte der Kreis Ahrweiler Katastrophenalarm ausgelöst - für viele Menschen zu spät.
Hätte er früher evakuieren müssen?

Rückblick: Am Morgen des 14. Juli ist der Pegel der Ahr noch normal: rund 90 Zentimeter. Das Landesamt für Umwelt meldet dann steigende Pegel. Ab 11:47 Uhr gilt Alarmstufe rot. Mittags warnt es vor Pegelständen um 3,30 Meter - fast wie beim Jahrhunderthochwasser 2016. Um 17:17 Uhr schickt das Landesamt die höchste Alarmstufe heraus - Lila. 20:36 Uhr dann die Warnung vor unglaublichen 6,90 Meter. Doch der Landkreis löst noch immer keinen Katastrophenalarm aus.
Ein großer Fehler, kritisiert Krisenforscher Frank Roselieb.


Frank Roselieb, Institut für Krisenforschung

Frank Roselieb

Frank Roselieb, Institut für Krisenforschung: "Und dann fragt man sich wirklich, was haben die eigentlich bis 23:09 Uhr gemacht? Selbst im Eifel-Kreis, der wesentlich weniger betroffen war, haben sie um 21:30 Uhr Katastrophenalarm ausgelöst."


Der zuständige Landrat Jürgen Pföhler möchte uns gegenüber dazu heute keine Stellung nehmen. Doch noch vor fünf Tagen sieht er sich im Interview gegenüber dem SWR nicht in der Verantwortung.


Jürgen Pföhler, CDU, Landrat Ahrweiler

Jürgen Pföhler

Reporter (29.7.2021): "Würden Sie für sich sagen, Sie haben da an dem Mittwochabend Fehler gemacht?"


Jürgen Pföhler, CDU, Landrat Ahrweiler (29.7.2021): "Nein, die Frage stellt sich nicht, weil ich war ja gar nicht Teil der Technischen Einsatzleitung."


Für das Krisenmanagement aber sind in Deutschland grundsätzlich die Landkreise zuständig.


Frank Roselieb, Institut für Krisenforschung: "Wir haben also rund 400 Krisenmanager in Deutschland. Da ist der Landrat im Kreis Ahrweiler der entscheidende. Der ist entsprechend geschult worden. Und damit trägt er eigentlich die Verantwortung."


Viele Menschen konnten sich nicht mehr in Sicherheit bringen. Derzeit prüft die Staatsanwaltschaft Koblenz, ob sie Ermittlungen aufnimmt.

aus der Sendung vom

Di, 3.8.2021 | 21:48 Uhr

Das Erste

Autorin:
Manuela Dursun

Schnitt:
Frank Rosam

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