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SENDETERMIN Di, 5.1.2021 | 22:01 Uhr | Das Erste

REPORT MAINZ - EXTRA Corona und die Schweinekrise - Ist die Pandemie auch eine Chance für mehr Tierschutz?

Auch in der Fleischindustrie wirkt Corona wie ein Brennglas und zeigt mehr denn je, wie Menschen und Tiere unter der Billigfleischproduktion leiden. Doch diese Krise ist auch eine Chance für einen echten Systemwechsel und für mehr Tierschutz in unseren Schweineställen.

Der Großschlachthof der Firma Tönnies in Rheda-Wiedenbrück. Dieser Ort ist zum Symbol für die Corona-Krise in der Deutschen Fleischindustrie geworden. Im Sommer 2020 ging hier wegen eines Corona-Ausbruchs unter den Fleischzerlegern nichts mehr. Nach einem Hintergrundgespräch mit Clemens Tönnies bekommen wir im November eine Drehgenehmigung. Vor Ort beobachten wir viele Tiertransporter, die Schweine anliefern. Sie werden noch am selben Tag geschlachtet. Alltagsroutine in einer Fleischfabrik. Jörg Altemeier empfängt uns. Der Veterinär ist im Konzern für den Bereich Tierschutz zuständig. Er erzählt, der Schlachthof arbeite auch jetzt noch mit eingeschränkter Kapazität.

Reporter: "Wie viele Schweine schlachten sie in aller Regel pro Tag?"

Jörg Altemeier

Jörg Altemeier, Tönnies Holding

Jörg Altemeier, Tönnies Holding: "Also in aller Regel, das heißt außerhalb der Corona-Zeiten, sind es über den Daumen 24.000, 25.000 Tiere am Tag. Jetzt, bedingt durch die Corona-Thematik, ist es erheblich weniger. Wir liegen zurzeit in einer Größenordnung von 17- bis 19.000 pro Tag. Die Konsequenz ist, dass wir derzeit in der Bundesrepublik eine Bugwelle an Schweinen, wenn man so will, vor uns herschieben."

Reporter: "Wie groß ist der Schweinestau insgesamt zu dieser Zeit?"

Jörg Altemeier, Tönnies Holding: "Der wird beziffert mit etwa 500- bis 600.000 Tieren."

Mehr als eine halbe Million Schweine warten bundesweit also auf die Schlachtung. In den Ställen der allermeisten Landwirte führt das zu großen Problemen. So wie auf dem Hof von Landwirt Alfred Tigges. Er ist ein konventioneller Landwirt. Er hält seine Schweine auf Betonspaltenböden. Schon auf den ersten Blick ist zu erkennen, die einzelnen Buchten sind übervoll.

Alfred Tigges

Alfred Tigges, Landwirt

Alfred Tigges, Landwirt: "Wir kriegen die Abteile nicht schnell genug geräumt. Wir haben, die eine Gruppe habe ich kein Schwein unter 135 Kilo verladen."

Üblicherweise verlassen die Tiere mit 120 Kilo Schlachtgewicht den Hof.

Reporter: "Wo liegt die Gewinnmarge?"

Alfred Tigges, Landwirt: "Die liegt bei minus 35 Euro. Die Schweine hier, die haben 100 Euro gekostet, 60 Euro Futtergeld. Wenn ich dann 125€, 130€ kriege, mache ich 35€ Verlust pro Tier."

Dieses Problem haben derzeit fast alle Schweinemäster. Sie müssen zu einem extrem niedrigen Preis verkaufen, der sich am Weltmarktpreis orientiert. Hinzu kommt, die Schweineproduktion in Deutschland ist ein in sich geschlossenes "just-in-time"-Geschäft. Die Muttersauen werden auf Termin besamt, nach 16,5 Wochen bringen Sie die Ferkel zur Welt. Mindestens drei Wochen verbleiben die Tiere bei der Mutter, werden dann bis zu sieben Wochen aufgezogen. Unmittelbar danach beginnt der Umzug in den Maststall. Diese Mast dauert etwa 18 Wochen. Termingenau gehen die Schweine in den Schlachthof. Können durch die Coronakrise weniger Schweine geschlachtet werden, gerät das ganze System ins Wanken.

Schweinestau führt zu massivem Leid der Tiere

Leidendes Schwein im Stall

Leidendes Tier im Schweinestall

Die Leidtragenden sind nicht nur die Bauern, sondern auch die Schweine. Vor wenigen Wochen bekommen wir heimlich gedrehte Aufnahmen aus konventionellen Schweinemastbetrieben in Norddeutschland zugespielt. Der Absender: das Deutsche Tierschutzbüro. Wir sehen verletzte Tiere, viel zu dicht besetzte Schweinebuchten, die Tiere vollkommen verdreckt. Einen Tierkadaver hat der Landwirt einfach im Flurbereich liegen lassen. Er verwest bereits. Andere Tiere wirken krank, völlig fertig. Wir wollen den Landwirt mit den Aufnahmen konfrontieren. Es ist am frühen Abend, als wir den norddeutschen Betrieb erreichen. Ein durchschnittlicher Familienbetrieb, der neben Schweinen auch noch Milchkühe hält. Der Landwirt ist bereit, sich die Aufnahmen anzuschauen und gibt uns auch ein Interview. Dies allerdings nur unter der Voraussetzung, dass er anonym bleiben darf.

Reporter: "Was ist der Grund dafür, dass es so gekommen ist?"

Landwirt, anonym: "Wir haben ja seit April Corona und seitdem stauen sich die Schweine sehr zurück. Die Schlachthöfe nehmen die Schweine nicht mehr ab. Dadurch ist der Platz im Stall sehr eng, weil die Schweine viel zu schwer werden. Klar - das führt auch zu Tierschutzproblemen."

Auch auf Videoaufnahmen aus einem anderen Schweinemastbetrieb in der Nähe sehen wir viele schwer verletzte Tiere. Der Landwirt ist ebenfalls bereit mit uns zu sprechen. Auch er begründet die Zustände in seinem Stall mit der Corona-Krise.

Bauer, anonym: "Also zurzeit machen wir seit Februar kontinuierlich Verlust mit jedem Durchgang - pro Mastplatz zwischen 70 und 100 Euro. Es geht ans Eingemachte."

Corona als Ursache oder Verstärkung der Tierschutzprobleme?

Sind die Tierschutzprobleme in den Ställen nur eine Folge der Corona-Krise? Oder verstärkt diese Krise einfach grundlegende Probleme, zum Beispiel in der Haltung auf Spaltenböden? Das wollen wir vom obersten deutschen Schlachthofveterinär Dr. Kai Braunmiller wissen. Er ist auch Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Landwirtschaft und Tierschutz.

Dr. Kai Braunmiller

Dr. Kai Braunmiller, Veterinäramtsdirektor

Dr. Kai Braunmiller, Veterinäramtsdirektor: "Also diese Haltung auf Betonspaltenboden ist für die Tiere überhaupt nicht artgerecht. Wir haben eine wissenschaftliche Untersuchung machen lassen, was die Liegeschäden angeht. 92 Prozent dieser Tiere bekommen Liegeschäden, 40 Prozent leicht, rund 50 Prozent mittel und schwer und mittlere und schwere Zustände, wie man sie hier auch gesehen hat, sind eigentlich Straftatbestände, die so überhaupt nicht zu tolerieren sind."

Reporter: "Das heißt, diese Haltung ist im Grunde tierschutzwidrig?"

Dr. Kai Braunmiller, Veterinäramtsdirektor: "Die ist tierschutzwidrig. Ganz klar, also hier wäre dringend auch Umstellung möglich, also eine Nachrüstung der bestehenden Anlagen und endlich eine Konzeption für eine gute, tiergerechte Haltung in der Zukunft."

Er beruft sich auf eine Untersuchung der Universität München. Wenn man seine Einschätzung hochrechnet, würde das bedeuten: In Deutschland werden pro Jahr rund 50 Millionen Schweine gemästet, davon das Gros in konventioneller Haltung, also auf Betonspaltenböden. Wenn also mehr als 90 Prozent von ihnen rechtswidrig gehalten werden, sie infolgedessen Schäden davontragen, betrifft dies deutlich mehr als 40 Millionen Tiere.

Alternative Haltungsformen für mehr Tierwohl

Doch es geht auch anders. Wir stoßen auf den Youtube-Kanal von Harm Böckmann. Er handelt mit Schweinen und nennt sich "Der Wurstnerd". In seinem Video-Blog stellt er regelmäßig Betriebe vor, die auf mehr Tierschutz und eine regionale Vermarktung setzen. Einer der Höfe, über die der Youtuber berichtet, liegt im Süden von Niedersachsen am Rande eines Moors. Es ist kein Bio-Hof, dennoch hat die Familie ihre Schweinehaltung seit 2017 komplett auf mehr Tierwohl umgestellt. Seine Sauen werden während und nach der Geburt nicht, wie sonst üblich, in einem Metallkäfig fixiert. Sie können sich frei bewegen, im Stroh wühlen. Nicht nur die Sauen haben mehr Bewegung und Stroh. Auch seine rund 150 Ferkel hält Bauer Hoffrogge nicht mehr in engen Buchten. Sie können auf rund 120 Quadratmetern zwischen drei Räumen hin und her laufen. Er mästet die Tiere bis sie zum Schlachthof gehen. Am Ende bekommt er rund zwei Euro pro Kilo, das sind in der aktuellen Krise 80 Cent mehr als konventionelle Mäster. Finanziell hat er deshalb im Moment kein Problem.

Johannes Hoffrogge

Johannes Hoffrogge, Landwirt

Johannes Hoffrogge, Landwirt: "Das fühlt sich sehr gut an. Und für mich ist es auch einfach ein Zeichen, dass es auch geht, sage ich mal so, dass man auch für den heimischen Markt produzieren kann und dann ein stabiles Preisniveau hat und dann auch mit weniger Sorgen schlafen kann."

Dafür bietet er seinen Schweinen deutlich mehr, als der gesetzliche Mindeststandard vorschreibt. Der sieht pro Mastschwein gerade mal 0,75 Quadratmeter Platz im Stall vor. Außerdem müssen die Tiere etwas Spielmaterial, wie zum Beispiel eine Eisenkette, bekommen. Das geplante staatliche Tierwohlkennzeichen fordert ab der Stufe eins zusätzlich für alle Tiere Raufutter, wie zum Beispiel Stroh oder Heu. In der Stufe eins bekommt jedes Tier dann 0,9 Quadratmeter Platz im Stall. In Stufe zwei gibt es 1,1 Quadratmeter. Außerdem sollen die Tiere möglichst Zugang zu Frischluft und dem Außenklima haben. In Stufe drei haben die Tiere Anrecht auf 1,5 Quadratmeter und einen Auslauf im Freien.

Wie die höchste Stufe der konventionellen Schweinehaltung aussehen kann, dass schauen wir uns auf dem Hof von Landwirtin Gabi Mörixmann an. Bereits 2012 hat sie die Schweinehaltung auf ihrem Hof radikal verändert.

Gabriele Mörixmann

Gabriele Mörixmann, Landwirtin

Gabi Mörixmann, Landwirtin: "Die Tiere können sich einfach den ganzen Tag aussuchen, gehen wir nach draußen, gehen wir in die Wühlhalle, die ist dann auch überdacht mit Stroh, gehen wir liegekühlen, gehen duschen, gehen wir baden, gehen wir scheuern."

Für diese besondere Haltung bekommt auch Gabi Mörixmann einen Festpreis von rund zwei Euro pro Kilo, auch jetzt in der Krise. Für sie ist dieser Fixpreis auch ein Zeichen der Wertschätzung ihrer Arbeit:

Gabi Mörixmann, Schweinehalterin: "Ja, aktuell ist das auf jeden Fall so. In die Zukunft kann auch ich nicht gucken. Aber aktuell muss ich sagen über den Preis mehr Wertschätzung. Und diese Wertschätzung können wir als Familie dann über dieses Haltungskonzept auch weitergeben an die Tiere."

Corona als Brennglas eines Systemproblems

Im November treffen wir Tierrechtler Jan Peifer erneut. Er übergibt uns nochmals Bildmaterial, diesmal aus einem Schlachthof in Brandenburg. Auf dem Aufnahmen sehen wir einen Mitarbeiter, der mit einem Metallstab Tiere regelrecht verprügelt, sie schlägt und nicht ausreichend mit einer Elektrozange betäubt. Die Folge: Tiere erwachen wieder während der Entblutung und der Zerlegung. Ein Experte stellt mehr als 400 Rechtsverstöße fest. Eine grausame Tierquälerei. Einer von zahlreichen Schlachthofskandalen in den letzten Monaten. Wir legen den Verantwortlichen in Neuruppin die Aufnahmen vor. Ein Interview lehnen sie ab. Schriftlich teilen Sie uns mit, sie hätten den Mann auf den Bildern entlassen und schicken uns die Kündigung. Darin heißt es: "Menschen wie Sie haben in unserer Branche absolut nichts verloren. Um solche weiteren Tierquälereien zu verhindern, werden wir Strafanzeige gegen Sie stellen". Auch dem Veterinäramt legen wir die Bilder vor und wir erfahren, weitere Maßnahmen wie Strafanzeigen würden vorbereitet.

Hunderttausende Schweine stapeln sich in den Ställen, können nicht termingerecht geschlachtet werden. Viele Tiere leiden unter den Haltungsbedingungen, werden misshandelt und gequält und die Bauern mästen sich immer weiter in den Ruin. Dass dieses System so keinen Sinn macht, davon sind mittlerweile nicht nur unzählige Experten, sondern auch die Politik überzeugt. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner stellt auf einem Krisentreffen mit der Branche im vergangenen Sommer die Systemfrage:

Julia Klöckner, Bundeslandwirtschaftsministerin, 26.06.2020: "Was wir heute behandelt haben, war keine Tönnies-Frage, sondern eine Systemfrage. Es zeigt sich, dass das System nicht krisenfest ist. Es wird keine zweite Chance geben für die gesamte Branche, nicht nur wegen der Aufmerksamkeit, sondern weil Corona ein Brennglas ist, für das, was wir erlebt haben."

Ex-Minister Borchert fordert mehr Tierwohl

Bereits 2019 hat Julia Klöckner den ehemaligen Bundeslandwirtschaftsminister Jochen Borchert beauftragt, eine Kommission zu leiten, die Vorschläge zum Umbau der Nutztierhaltung macht. Wir treffen den 80-jährigen CDU-Politiker in seinem Haus in Bochum. Das Ergebnis der Kommission ist für die allermeisten Schweinehalter vernichtend:

Jochen Borchert

Jochen Borchert, Ehemaliger Bundeslandwirtschaftsminister

Jochen Borchert, Ehemaliger Bundeslandwirtschaftsminister: "Wir sind der Meinung, dass die jetzige Art der Tierhaltung nicht dem Tierschutzgesetz entspricht. Das, was wir vorschlagen, ist schon eine völlige Umgestaltung der Nutztierhaltung in Richtung mehr Tierwohl. Die Ställe müssen umgebaut werden, aber wir müssen auch Indikatoren, die Tierwohl ausdrücken, stärker beachten."

Um das zu erreichen, hat sich die Kommission auf zwei zentrale Maßnahmen geeinigt: Die Einführung des staatlichen Tierwohlkennzeichens für Schweine. Außerdem soll der Umbau der Ställe durch eine sogenannte Tierwohlprämie finanziert werden. Geplant sind 40 Cent pro Kilo Fleisch oder Wurst.

Chancen für einen wirtschaftlichen Systemwechsel

Doch geht das auch im großen Stil? Um das herauszufinden, fahren wir noch einmal zu einem Betrieb. Hof Bodenkamp gehörte früher zu den größten in Niedersachsen. Hier steht jetzt der Offenstall von Jens van Bebber. Wir kommen gerade zur Fütterung. Das Futter rieselt von der Decke, so können die Schweine, wie in der Natur, gemeinsam ihr Fressen suchen, vier Mal am Tag. Sie haben einen Bereich mit Stroh, um zu Wühlen und zu Ruhen und einen Außenbereich zum Koten. Ein im Grunde simples Konzept, dass man auch in bestehenden Stallanlagen umsetzen kann:

Jens van Bebber

Jens van Bebber, Schweinehalter

Jens van Bebber, Schweinehalter: "Das ist ein Stall, der ja tatsächlich ein ganz klassischer Stall war, geschlossen, zwangsbelüftet, hier war eine Zwischendecke drin. Es war aus der Zeit, wo er gebaut worden ist, auch noch ohne Fenster gebaut worden. Wir wollen einen Systemwechsel haben."

Die Wände wurden einfach geöffnet und heute stehen deutlich weniger Tiere in den Buchten. Insgesamt hält er nur noch rund 2000 Schweine, früher waren es 10 000. Wie funktioniert das wirtschaftlich?

Jens van Bebber, Schweinehalter: "Wir haben ein Ertragsniveau, was sehr viel besser ist, als die konventionelle Haltung. Also komme ich mit weniger Schweinen jetzt sogar besser finanziell aus, als ich das vorher mit den vielen Schwein in der konventionellen Haltung gemacht habe."

Es ist wirtschaftlicher und den Tieren geht es sichtlich gut. Ein mögliches Modell für die Schweinehaltung in Deutschland. Doch damit dieses Konzept zum Standard werden kann, muss die Politik entsprechende Gesetze erlassen. Die Ministerin will die Vorschläge der Borchert Kommission umsetzen und auch der Bundestag hat ihr dafür bereits im Sommer grünes Licht gegeben. Doch wie genau will Julia Klöckner den Systemwechsel vorantreiben? Gerne hätten wir darüber mit ihr gesprochen. Über Wochen stehen wir mit dem Ministerium in Kontakt, bieten Interviewtermine an, haken nach. Doch sie nimmt sich keine Zeit. Am Ende schickt uns das Ministerium eine zusammenfassende Stellungnahme. Darin heißt es: "Julia Klöckner hat sowohl das Gesetz als auch die Verordnung zum Tierwohlkennzeichen vorgelegt. Es liegt nun an den Koalitionsfraktionen, das Gesetz im Bundestag aufzusetzen."

Zur Tierwohlabgabe heißt es, es werde geprüft, ob diese EU-konform sei. Doch bisher ist noch nichts Konkretes passiert. Das geht selbst CDU-Mann Borchert zu langsam.

Jochen Borchert, CDU, Ehemaliger Landwirtschaftsminister: "Der Ball liegt im Feld der Politik. Hier ist das Kabinett insgesamt gefordert. Dazu gehören auch die Veränderungen im Baurecht, die wir brauchen. Und hier sollten jetzt die betroffenen Ressorts sich zusammensetzen und gucken: Wie kommen wir möglichst schnell zu Ergebnissen, mit denen wir eine Umgestaltung der Nutztierhaltung möglich machen."

Und auch Deutschlands oberster Verbraucherschützer, Klaus Müller, fordert, dass den Worten nun auch endlich Taten folgen:

Klaus Müller

Klaus Müller, Die Grünen, VZBV

Klaus Müller, Die Grünen, Verbraucherzentrale Bundesverband: "Es gibt bisher kein Gesetz, was beschlossen wurde zur Tierwohlkennzeichnung. Es gibt kein Gesetz zur besseren Nutztierhaltung. Es gibt kein Gesetz dafür, dass es insgesamt den Tieren heute besser geht. Und solange bleibt Papier geduldig."

Billige Massenproduktion vs. Tierschutz?

Auf der anderen Seite gibt es innerhalb der Branche noch immer große Bedenken, dass die deutschen Landwirte durch so eine Reform international nicht mehr konkurrenzfähig sein könnten.

Bernhard Krüsken

Bernhard Krüsken, Deutscher Bauernverband

Bernhard Krüsken, Deutscher Bauernverband: "Wir müssen jetzt darauf achten, dass wir nicht in einer Situation enden, in der dann Landwirte in Deutschland tierschutzkonform agieren und dann unsere Verbraucher anderswo preisgünstig einkaufen. Es ist doch niemanden damit gedient, wenn wir hier sozusagen auf maximale Tierwohlstandards gehen und dann in den deutschen Regalen die spanische Schweineschulter liegt."

Und die großen Schlachtunternehmen? Sie wollen wieder hochfahren, weiter Masse produzieren. Wollen wir einen echten Systemwechsel, dann muss sich die Politik entscheiden: billige Massenproduktion oder Tierschutz. Am Ende unserer Recherchen steht für uns fest:

Die Corona Krise hat mehr denn je deutlich gemacht, dass Millionen Schweine tagtäglich in unseren Ställen leiden. Bauern mästen sich in den Ruin und das nicht erst seit Corona. Doch diese Krise ist tatsächlich auch eine Chance für eine echte Veränderung, für einen Systemwechsel!

Jochen Borchert, CDU, Ehemaliger Landwirtschaftsminister: "Ich habe in meiner langen Zeit, in der ich politisch oder ehrenamtlich tätig war, keine Phase erlebt, in der die offene Diskussion über Tierschutz und die Bereitschaft, mehr Tierschutz umzusetzen, so breit verankert war wie im Augenblick. Die Chance, finde ich, muss man nutzen."

Sendung vom

Di, 5.1.2021 | 22:01 Uhr

Das Erste

AutorInnen:
Monika Anthes, Edgar Verheyen

Kamera:
André Bergmann, Birgit Handke, Kolja Niber, Andreas Schlosser, Jens Thering von der Osten

Schnitt:
Marcus Kaul