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REPORT MAINZ-Autoren mit dem "Blauen Panther" ausgezeichnet Bayerischer Fernsehpreis 2012 für "Das System Wiesenhof"

Mit ihrer Reportage "Das System Wiesenhof" hätten Monika Anthes und Edgar Verheyen für "großes und bitteres Aufsehen, für Empörung und für eine anhaltende öffentliche Diskussion gesorgt", heißt es in der der Begründung der Jury des Bayerischen Fernsehpreises: "Mit Hartnäckigkeit und Akribie sind die beiden Autoren den erschreckenden und abstoßenden Wirklichkeiten in der Massentierhaltung bei Geflügel nachgegangen. Abschottungsmaßnahmen konnten nicht verhindern, dass Bilder von einer Grausamkeit entstanden, die sich der Zuschauer vorher kaum hatte vorstellen können."

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REPORT MAINZ fragt

Monika Anthes und Edgar Verheyen

Die beiden Reporter recherchieren seit 2009 zu Deutschlands größten Geflügelfleischkonzern Wiesenhof. Sie haben in ihrer Reportage "Das System Wiesenhof" gezeigt, was industrielle Felsichproduktion für Menschen, Tiere und Umwelt bedeutet.

SWR-Fernsehdirektor Bernhard Nellessen sieht in der Verleihung des Bayerischen Fernsehpreises eine große Bestätigung der journalistisch-investigativen Arbeit der Autoren: "Monika Anthes und Edgar Verheyen ist ein besonderes Lob zu zollen, denn sie standen bei den Recherchen auch unheimlich unter Druck. Sie haben Rückgrat bewiesen, dafür ist dieser Preis ein gerechter Lohn."

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München

Bayerischer Fernsehpreis für zwei SWR-Produktionen

Zwei SWR-Produktionen sind am Freitagabend mit dem renommierten Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet worden: Monika Anthes und Edgar Verheyen erhielten ihn für die Reportage "Das System Wiesenhof". Maria von Heland bekam den Preis für ihre Regie des Märchenfilms "Die Sterntaler". Mit "Das System Wiesenhof" hätten die "Report Mainz"-Autoren für "großes und bitteres Aufsehen, für Empörung und für eine anhaltende öffentliche Diskussion gesorgt", so die Jury.

Monatelang hatten sich die REPORT MAINZ-Autoren Monika Anthes und Edgar Verheyen mit dem Deutschlands bekanntestem Geflügelproduzenten Wiesenhof beschäftigt. Ihre Recherchen und aufsehenerregenden Bilder zeigen, was maximale Rationalisierung in der industriellen Massenfleischproduktion für Tiere, Menschen und Umwelt bedeutet: Brutale Tierquälereien werden in Kauf genommen, Bauern werden zu Lohnsklaven, Arbeiter in den Schlachthöfen sind immer häufiger osteuropäische Billigarbeiter. Die Umwelt wird durch Emissionen und Hühnerkot massiv belastet.

Titel: Das System Wiesenhof

Titel der ausgezeichneten Fernsehproduktion

Bereits vor der Ausstrahlung hatte der Film für heftige Diskussionen gesorgt. Die PHW-Gruppe, zu der Wiesenhof gehört, versuchte mit massivem publizistischem und juristischem Aufwand die Ausstrahlung zu verhindern. Auch vor diesem Hintergrund freut sich SWR-Chefredakteur und REPORT MAINZ-Moderator Fritz Frey über die Auszeichnung der Autoren: "Als Anwälte von uns Verbrauchern haben sie sich mit einem mächtigen Gegner angelegt, der - bis hin zur persönlichen Verunglimpfung der Autoren - vieles versucht hat, um die Ausstrahlung des Beitrages zu verhindern. Dass die Autoren, die zuständige REPORT MAINZ-Redaktion, der SWR und das ERSTE sich nicht haben davon abbringen lassen, die faktenbasierten Recherchen der Öffentlichkeit zu präsentieren, wurde vom Zuschauer mit einer denkwürdig großen Nachfrage belohnt."

REPORT MAINZ-Redaktionsleiterin und Abteilungsleiterin Inland Birgitta Weber erinnert sich noch gut an die monatelangen Auseinandersetzungen um "Das System Wiesenhof": "Dieser Film hat REPORT MAINZ  wochenlang in Atem gehalten. Umso schöner, dass es gelungen ist, mit investigativen Recherchen in der ARD Millionen von Menschen zu erreichen und gleichzeitig eine gesellschaftspolitische Debatte über Massentierhaltung anzustoßen. Ein toller Erfolg!"

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Laudation und Dankesrede

Bayerischer Fernsehpreis für "Das System Wiesenhof"

Monika Anthes und Edgar Verheyen erhielten für ihre Reportage "Das System Wiesenhof" einen Blauen Panther.

Ein Erfolg, an dem auch Daniel Hechler als verantwortlicher Redakteur entscheidenden Anteil hatte: "Er war rund um die Uhr ansprechbar, für die Autoren, für das Justitiariat, den Chefredakteur, den Fernsehdirektor und die Gremien, die allesamt unsere Arbeit kritisch-wohlwollend begleitet haben", sagt Birgitta Weber.

Daniel Hechler kennt bis heute kein anderes Filmprojekt, das derart harten Gegenwind bereits vor der Ausstrahlung erfuhr. Dass es dennoch gelungen ist, den Film wie geplant zu senden, ist für ihn auch dem Engagement der Justitiariats zu verdanken, das sich monatelang mit den Schriftsätzen und Programmbeschwerden von Wiesenhof auseinandersetzen musste. Für Ihn ist der Bayerische Fernsehpreis "eine tolle Bestätigung der Arbeit des ganzen Teams".

Wie kaum ein anderer Film hatte "Das System Wiesenhof" unmittelbare Folgen. Auch das würdigte die Jury des Bayerischen Fernsehpreises in ihrer Begründung: "Nach der Ausstrahlung begann eine intensive Debatte über die Massentierhaltung in Deutschland, Handelskonzerne entschlossen sich, Produkte des durchleuchteten Unternehmens nicht mehr anzubieten."

Die größten Schweizer Supermarktketten boykottieren PHW/Wiesenhof. Migros, Coop und Denner bestätigten, keine Wiesenhof Produkte mehr zu kaufen. Der Landkreis Cloppenburg kündigte an, seine Kontrollen zu verstärken und der Deutsche Bauernverband räumte Probleme bei Tierschutzstandards in manchen Ställen ein.

Monika Anthes & Edgar Verheyen

Monika Anthes (li.) und Edgar Verheyen bei der Preisverleihung

Für Chefredakteur Fritz Frey ist der Preis auch eine Verpflichtung: "Ich bin mir sicher, dass die Redaktion von REPORT MAINZ und mit ihr die beiden Reporter Monika Anthes und Edgar Verheyen den Bayerischen Fernsehpreis als Ansporn begreifen auch künftig heiße Eisen anzupacken, selbst wenn sie als tief gefrorenes Geflügel daher kommen."

Als Ansporn sieht auch Fernsehdirektor Bernhard Nellessen den Bayerischen Fernsehpreis: "Der SWR ist für seine Inlandsberichterstattung ja vor allem auch rund um Report Mainz zu Recht berühmt. Wir werden diese Arbeit fortsetzen - sowohl im Magazin als auch mit längeren Filmen. Da sind wir sicher auch führend in der Bundesrepublik."

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