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REPORT MAINZ-Autor Gottlob Schober äußert sich zu den Vorwürfen Diskussion über Beitrag "Verkaufte Patienten"

Gottlob Schober

Gottlob Schober

Liebe REPORT MAINZ Zuschauer,

zunächst einmal möchten wir uns für Ihre Zuschriften und Postings auf Facebook zum REPORT MAINZ Beitrag "Verkaufte Patienten" bedanken. Uns haben viele zustimmende und unsere Recherche bestätigende Nachrichten erreicht. Es gab aber auch Kritik. Darunter auch von vielen Menschen, die in irgendeiner Form zu "Bonitas" oder der "Bonitas holding" gehören. Da wir aufgrund der Vielzahl der Zuschriften nicht alle Emails oder Postings persönlich beantworten können, haben wir die Antworten auf die Hauptvorwürfe in diesem Schreiben zusammengestellt.

In seiner im Internet verbreiteten Stellungnahme wirft uns Bonitas-Geschäftsführer Lars Uhlen eine diffamierende Berichterstattung vor. Diesen Vorwurf weisen wir entschieden zurück. Nach sorgfältiger Recherche haben wir in o.a. Fernsehbeitrag, die als "Unternehmenskaufvertrag für einen Teilbetrieb" deklarierte Vereinbarung und eine sich darauf beziehende Email diskutiert.

Außerdem haben wir alle an diesem Vertrag beteiligten Personen im Bericht zu Wort kommen lassen und sind damit unserer journalistischen Sorgfaltspflicht nachgekommen. Herr Bettler und Herr Spitzenberger äußerten sich vor der Kamera, Herr Uhlen dagegen hat ein Interview explizit abgelehnt und nur schriftlich geantwortet. Sein Statement haben wir ausführlich in unserem Filmbericht zitiert. So heißt es dort unter anderem: "Uhlen erklärt: Man habe sich bereit gezeigt, jeden Patienten zu übernehmen, auch diejenigen, die nicht kostendeckend versorgt werden können".

Auch zur Email, die belegt, dass Bonitas eben nicht alle Patienten vom Käufer übernommen hat, haben wir Herrn Uhlen sehr ausführlich zu Wort kommen lassen. Diese Email stützt die These des ehemaligen Geschäftsführers des Verkäufers, Meiko Spitzenberger, der im Filmbericht sagte, dass nicht das gesamte Unternehmen, sondern "nur der Geschäftsinhalt verkauft" wurde, "der Patient als Renditeobjekt".

Wörtlich heißt es in der Bonitas-Email: "Wir würden von Ihrer Patientenliste Herrn B. streichen und Herrn E. Bei dem Umsatz der beiden Patienten können wir einen derartigen Kaufpreis natürlich nicht darstellen. Wie im KV (Kaufvertrag) geregelt, können natürlich auch weitere Patienten während der Phase der Integration von Ihnen angeboten werden". Mit dieser, für uns sehr eindeutigen email, haben wir Herrn Uhlen konfrontiert und seine Sicht der Dinge im Beitrag sorgfältig dargestellt.

So heißt es im Manuskript, das im Internet veröffentlicht ist: "Kurz vor der Sendung räumt Bonitas die zwei Fälle ein, die Email sei aber aus dem Zusammenhang gerissen. Bei einem der abgelehnten Patienten sei die Versorgung vor dem Tag der Übergabe ausgelaufen. Der zweite Fall sei durch einen Subunternehmer des Verkäufers versorgt worden. Für solche Modelle stünde das Unternehmen auf gar keinen Fall zur Verfügung."

Der Vorwurf, wir hätten Herrn Uhlen nicht zu Wort kommen lassen, ist insofern falsch. Dass namhafte Gesundheitspolitiker nach Durchsicht der REPORT MAINZ vorliegenden Unterlagen von Menschenhandel sprechen, bestätigt unsere Recherchen. All das haben wir im Filmbericht journalistisch sauber und korrekt dokumentiert.

REPORT MAINZ liegen zwei Verträge vor, in denen Patienten wie Waren gehandelt werden. Demnach hat der kleine Pflegedienst, laut Klientenliste, faktisch über 30 Patienten an die Bonitas-Tochter verkauft. Kalkulierter Preis: 40.000 Euro pro Mensch. Die Pflegeteams konnten gleich mit übernommen werden.

Weitere 20.000 Euro konnte der Verkäufer laut Vertrag verdienen, wenn der Patient mindestens zwei Monate beim neuen Pflegedienst bleibt. Dass wir als kritische Journalisten bei einer solchen Vertragsgestaltung, wo Preise pro Patient kalkuliert werden, genau nachfragen, liegt meiner Einschätzung nach auf der Hand. Da sich die Aussagen, der am Vertrag beteiligten Personen widersprachen, mussten wir, angesichts der Relevanz des Themas, darüber berichten.

Die auf facebook vielfach zitierte Kritik von Herrn Strittmatter, dem Vater von Leo, trifft ebenfalls nicht zu. Dazu habe ich Ihm bereits eine ausführliche email geschrieben, da ich die persönliche Kommunikation für den angemesseneren Weg halte. Deshalb an dieser Stelle nur so viel: Von einem "Werbefilm" war nie die Rede und die Frage, auf deren „verwertbare Antwort“ ich angeblich gedrängt habe, wurde im Filmbeitrag überhaupt nicht thematisiert.

Über die Presse wirft mir Bonitas Chef Lars Uhlen vor, er sei, genau wie zwei weitere im Beitrag zitierte Personen über die Absicht des Berichts getäuscht worden. Das weise ich entschieden zurück. Fakt ist: Vor Ausstrahlung des Berichts wurden Herr Bettler und Herr Uhlen mit allen Fakten ausführlich konfrontiert. Eine dritte Person, die uns in einem verdeckt gedrehten Verkaufsgespräch fünf Patienten für 250.000 Euro zum Kauf angeboten hatte, wurde im Beitrag anonymisiert gezeigt.

Auch den Vorwurf, dass ein solcher Beitrag alle Pflegekräfte diffamiere und man durch "Skandalisierung "den "Pflegenotstand herbeisende", weise ich entschieden zurück. Die Kritiker, machen es sich hier zu einfach und den Bock zum Gärtner. Der Mangel an Fachkräften in der Pflege ist unbestritten. Das liegt aber nicht an der kritischen Berichterstattung durch Journalisten, sondern daran, dass es in der Branche schwarze Schafe gibt. Solange einzelne Unternehmen möglicherweise mit schlechter Pflege viel Geld auf Kosten von Patienten verdienen können, wird sich am Negativimage von Pflegekräften wenig ändern. Und: Journalisten haben die Pflicht, darüber zu berichten.

Mit freundlichen Grüßen
Gottlob Schober