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Pressemitteilung, 3.11.2021 REPORT MAINZ-Umfrage zu gefälschten Impfpässen: Bundesweit fast 2.000 Fälle bei Polizeibehörden

Die Polizeibehörden in Deutschland haben bisher fast 2.000 Fälle in Zusammenhang mit gefälschten Impfpässen bearbeitet. Das hat eine Umfrage des ARD-Politikmagazins REPORT MAINZ bei allen Landeskriminalämtern und obersten Polizeibehörden ergeben.

Ein Impfausweis mit einer dokumentieren COVID-19-Impfung wird in einer Hand gehalten.

Apotheker berichten von einer Zunahme gefälschter Impfpässe

Spitzenreiter ist demnach Bayern, dessen Landeskriminalamt nach eigenen Angaben "mehr als 600 Fälle" bekannt sind, die bei den Polizeibehörden aktuell bearbeitet würden. Das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen berichtet von einer "mittleren dreistelligen Anzahl von Vorgängen". Berlin spricht von 153 "Strafanzeigen", Hamburg von 113 "Verfahren". Dahinter folgen unter anderem Rheinland-Pfalz (76), Brandenburg ("knapp unter 60") und Sachsen-Anhalt (32). Nur wenige Fälle sind hingegen in Bremen (3) und im Saarland (1) bekannt geworden (Hinweise zur Methodik, siehe unten).

Mehrere Landeskriminalämter wiesen gegenüber REPORT MAINZ darauf hin, dass ein Fall oder Verfahren eine unterschiedliche Anzahl von gefälschten Impfzertifikaten betreffen könne. Das LKA Bayern teilt dazu mit, im Zusammenhang mit den mehr als 600 Fällen seien bisher "3.000 Impfpass-Falsifikate" sichergestellt worden. Eine "Auswertung der Anzahl der Impfpässe" sei "aus arbeitsökonomischen Gründen nicht möglich", schreibt hingegen das LKA Niedersachsen.

Ermittler und Politiker hatten in den vergangenen Monaten immer wieder auf die Problematik gefälschter Impfausweise hingewiesen. Apotheker, die Impfausweise digitalisieren, berichteten in der Sendung REPORT MAINZ am gestrigen Dienstag von einer Zunahme der Fälle in den vergangenen Wochen - vor allem wegen der zunehmenden Anwendung der 2G-Regel und der Abschaffung kostenloser Corona-Tests. Vergangene Woche entschied das Landgericht Osnabrück, dass eine Privatperson, die einen Impfausweis fälscht und diesen bei einem Apotheker zur Digitalisierung vorlegt, strafrechtlich nicht belangt werden kann. Nach Angaben des Apothekerverbandes ABDA haben Apotheken seit Juni mehr als 45 Millionen Impfnachweise digitalisiert.

Neben gefälschten Impfausweisen beschäftigen auch gefälschte Corona-Testzertifikate die Polizeibehörden. Hier sind die bisher gemeldeten Fallzahlen jedoch noch vergleichsweise gering. In den Rückmeldungen sprechen die Behörden von 240 Fällen, davon allein in Bayern "mehr als 200". Die meisten Landeskriminalämter und obersten Polizeibehörden konnten dazu gegenüber REPORT MAINZ keine Angaben machen.

Hinweis zur Auswertung "Fälle gefälschter Impfausweise": Angefragt wurden die Landeskriminalämter und obersten Polizeibehörden aller 16 Bundesländer. Mit Ausnahme von Schleswig-Holstein ("eine sehr geringe Anzahl von Straftaten") haben alle Behörden konkrete Zahlen oder Näherungswerte mitgeteilt. Die Angabe "unterer zweistelliger Bereich" wurde mit dem Wert "10" berechnet, die Angabe "unterer dreistelliger Bereich" mit "100" und die Angabe "mittlerer dreistelliger Wert" mit "500". Die Angabe "knapp unter 60" (Brandenburg) wurde mit "55" berechnet. Auf dieser Basis ergaben sich insgesamt 1.940 Fälle.