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Pressemitteilung, 07.01.2021 Schlachthof Neuruppin nach Berichterstattung in REPORT MAINZ geschlossen

Nach einer Dokumentation über massive Tierquälereien entzieht das industrieeigene Gütesiegel QS dem Unternehmen die Lieferberechtigung. Die Schlachtung wurde gestoppt.

Nachdem das ARD-Politikmagazin REPORT MAINZ über massive Tierquälereien im Schlachthof Neuruppin berichtet hatte, entzog am Mittwoch das industrieeigene QS-Qualitätssystem dem Schlachthof die Lieferberechtigung.

In dem Bericht hatte das Magazin darüber berichtet, dass Mitarbeiter Schweine mit einem scharfkantigen Gegenstand auf den Rücken schlugen. Außerdem wurden Tiere nicht ausreichend betäubt, mit der Folge, dass die Tiere während der Entblutung und Zerlegung wieder aufwachten. Die Aufnahmen waren REPORT MAINZ von der Tierrechtsgruppe "Deutsches Tierschutzbüro" zugespielt worden. Wochenlang wurden schlimmste Tierquälereien durch versteckte Kameras dokumentiert. Die Videoaufnahmen wurden von einem Veterinär und Tierschutzexperten ausgewertet. In einem Gutachten stellte der Experte über 400 Tierschutzverstöße fest. REPORT MAINZ legte die Aufnahmen daraufhin dem obersten Deutschen Schlachthofveterinär, Dr. Kai Braunmiller, vor. Er sieht den Schlachthof, aber auch die Veterinärbehörde in der Verantwortung.

"Beide haben versagt. Also der Betrieb, der auch eine eigene Kontrollpflicht hat und eigentlich auch den Tierschutz überprüfen muss. Aber dann muss ich klar sagen, es findet nicht die Kontrolle statt, die hätte stattfinden müssen, weil irgendwann muss das auffallen. Also, das geht überhaupt nicht", so Braunmiller.

Der Betrieb selbst hatte den betroffenen Mitarbeiter nach Bekanntwerden der Vorgänge entlassen, nachdem die Autoren den Verantwortlichen das Bildmaterial vorgeführt hatten. Außerdem informierte REPORT MAINZ das zuständige Veterinäramt. Das entzog jetzt dem Mitarbeiter und einem weiteren Beschäftigten den für die Tätigkeit im Schlachthof erforderlichen Sachkundenachweis. Strafanzeigen seien in Vorbereitung.

Um überhaupt schlachten zu dürfen und die Ware an Handelsketten zu verkaufen, hatte sich der Schlachthof unter anderem dem industrieeigenen QS-System angeschlossen und sich somit auch verpflichtet, Tierschutzstandards einzuhalten. Nach Ausstrahlung des Beitrags in REPORT MAINZ reagierte QS prompt, prüfte den Vorgang und entzog dem Schlachthof vorerst die Berechtigung, weiterhin zu liefern.

Gegenüber REPORT MAINZ teilte die Gesellschaft mit:

"Die QS Qualität und Sicherheit GmbH (ist) über die Zustände im Schlachthof informiert. Wir haben den Betrieb daraufhin umgehend für das QS-System gesperrt und ihm die Lieferberechtigung in das QS System entzogen."

Weiter heißt es:

"Nachdem wir nun anhand des uns vorliegenden Bildmaterials die gravierenden Verstöße sowohl gegen die QS-Anforderungen als auch gegen die einschlägigen Tierschutzvorschriften der Großschlächterei eindeutig zuordnen konnten, haben wir noch heute direkt ein Sanktionsverfahren gegen den Schlachtbetrieb eingeleitet."

Das Unternehmen bekomme nun die Gelegenheit zur Stellungnahme. Danach werde der Fall an den sogenannten Sanktionsbeirat übergeben, der entscheide dann unter Berücksichtigung aller Informationen etwa über die Verhängung von Geldstrafen oder sogar über einen Ausschluss aus dem QS-System. Solange bleibe das Unternehmen für das QS-System gesperrt.

Auch das Veterinäramt hatte nach Recherchen von REPORT MAINZ dem Betrieb bereits Auflagen zum Umbau des Schlachthofs erteilt. So sollen wohl im Betäubungsbereich des Schlachthofs Fixiermöglichkeiten geschaffen werden, damit die Tiere ruhig und ausreichend betäubt werden können.