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Pressemitteilung, 01.06.2021 Epidemiologen kritisieren: Regionale Impfdaten fehlen

Bundesgesundheitsministerium räumt ein: "Aus Sicht des RKI wären Daten wünschenswert"

Mehrere Epidemiologen, darunter der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach, kritisieren, dass wichtige Daten zum Fortschritt der Corona-Impfungen fehlen. Dem ARD-Politikmagazin REPORT MAINZ sagte Lauterbach, "wir erheben nicht ausreichend gut, wo die Menschen leben, die geimpft werden".

So könne man nicht erkennen, wo genügend Menschen geimpft sind und wo nicht. Dort, wo die Impfquote nicht hoch genug sei, drohten im Herbst Ausbrüche und lokale vierte Wellen. "Das würde dazu führen, dass in bestimmten Brennpunkten die Fallzahlen steigen und auch schwere Erkrankungsverläufe zu erwarten wären", so Lauterbach zu REPORT MAINZ.

"Lokale vierte Wellen" und "Todesfälle" möglich

Auch der Epidemiologe Prof. Oliver Razum von der Universität Bielefeld sieht in den fehlenden Daten ein Problem. "Wenn es zu einer niedrigen Impfabdeckung in bestimmten Bevölkerungsgruppen oder Regionen kommt, dann treten dort natürlich auch vermehrt Erkrankungen an Covid-19 auf", so Razum. "Das bedeutet wieder volle Intensivstationen, schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle."

"Spezielle Impfangebote schaffen"

Beide Experten fordern im Interview mit REPORT MAINZ deshalb Zahlen zum Impffortschritt auf lokaler Ebene, um Impflücken zu erkennen – ohne, dass man den Datenschutz missachte. Dann könne man dort gezielt Impfangebote schaffen, sagte SPD-Politiker Lauterbach. Denn in den Bereichen, wo wenige Menschen geimpft seien, gebe es trotzdem viele Impfwillige. "Viele von ihnen haben einfach nicht die Energie, die Kraft und die Ressourcen", so Lauterbach. "Die haben zum Teil keinen Hausarzt, die gehen nicht ins Impfzentrum." Ihnen müsse man deshalb vor Ort ein Angebot machen, etwa mit mobilen Impfteams oder besonderen Aufrufen.

Bundesgesundheitsministerium: "Daten wären wünschenswert"

Auf Anfrage von REPORT MAINZ räumte das Bundesgesundheitsministerium (BMG) ein, "aus Sicht des RKI wären zeitnahe Daten auf regionaler Ebene wünschenswert, um lokale Impflücken zu erkennen". Zwar müssen die Impfzentren laut Bundesimpfverordnung täglich Daten der Geimpften an das Robert-Koch-Institut (RKI) übermitteln, darunter auch deren Postleitzahl. Für die Arztpraxen gilt dies jedoch nicht. Diese übermitteln die Daten erst mit der Quartalsabrechnung an die Kassenärztliche Vereinigung. Von dort erhält sie das RKI. Doch dabei gibt es starke Verzögerungen. Denn erste Abrechnungsdaten samt Herkunft der Geimpften erhalte das RKI frühestens im 3. Quartal, teilte das BMG REPORT MAINZ mit.