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Nachruf

Trauer um Fritz Schmaldienst

Die REPORT MAINZ-Redaktion trauert um Fritz Schmaldienst, der im Alter von 80 Jahren verstorben ist. Er war über viele Jahre als freier Mitarbeiter für uns im Einsatz. Als versierter Investigativ-Journalist hatte er sich vor allem mit seinen Recherchen in der islamistischen und dschihadistischen Szene einen Namen gemacht.

Fritz Schmaldienst

Fritz Schmaldienst

"An das Thema müssen wir unbedingt ran!" Wenn Fritz Schmaldienst mit den Kollegen der REPORT MAINZ-Redaktion telefonierte, konnte er manchmal sehr beharrlich werden. Oft kam er dann in die Redaktion gereist und öffnete sein schwarzes, schon etwas in die Jahre gekommenes Aktenköfferchen: Seine Informanten hatten ihm mal wieder brisante Papiere geliefert. Die nächste Story für REPORT MAINZ!

Gut 15 Jahre lang bereicherte Fritz Schmaldienst die Sendung mit exklusiven Geschichten. Nachdem er sein Berufsleben als Reporter beim Hessischen Rundfunk beendet hatte, startete er um die Jahrtausendwende seine zweite journalistische Karriere - als Rentner und freier Journalist. Bis ins hohe Alter lebte er rastlos seine Lust am investigativen Recherchieren aus. In REPORT MAINZ fand er einen dankbaren Abnehmer.

Es wurden mehr als 40 Beiträge mit exklusiven Recherchen. Zuerst, im Jahr 2001, deckte er dubiose Machenschaften beim "Deutschen Videoring" auf. Es folgten Beiträge zu den ausgebremsten Steuerfahndern in Hessen oder zu deutschen Raketenlieferungen in den Iran. Vor allem aber kümmerte sich Fritz Schmaldienst um die islamistische Szene in Deutschland - so intensiv und frühzeitig wie kaum ein anderer Journalist.

Als noch niemand wusste, wie man das Wort "Salafismus" buchstabiert, hatte er schon die ersten Dossiers über Hassprediger wie Ibrahim Abou-Nagie und Pierre Vogel zusammengestellt und zu Hause, auf seinem klapprigen Computer, einschlägiges Videomaterial gesammelt. Als es erste Hinweise auf deutsche Dschihadisten gab, die nach Syrien zur Terrormiliz IS zogen, hatte er längst mit betroffenen Eltern gesprochen und REPORT MAINZ konnte über das Thema berichten.

Er war sich bei den Recherchen für nichts zu schade

Trotz seines betagten Alters war er sich bei den Recherchen für nichts zu schade, zog allein mit seiner Amateurkamera los und ging keiner Konfrontation aus dem Weg. Vor islamistischen Moscheen in Pforzheim und in Offenbach kam es zu Handgemenge und tätlichen Angriffen. In anderen muslimischen Communities war Fritz Schmaldienst hingegen ein gern gesehener Gast, wenn er mit beigem Trenchcoat, Mütze und Krawatte auftauchte. Denn er hatte stets seine Hausaufgaben gemacht, war bestens informiert über islamische Geschichte und Theologie und konnte aus dem Stehgreif den Koran zitieren. In seinem zerrupften Köfferchen lag immer ein zerfleddertes Exemplar mit Dutzenden Anmerkungen und Eselsohren.

Neumodische Errungenschaften wie Facebook, Twitter und bandloses Produzieren - damit konnte er sich nicht mehr so recht anfreunden. Fritz Schmaldienst war und blieb ein Journalist der alten Schule. Ein Haudegen, der ergebnisoffen recherchierte und den Dingen vor Ort auf den Grund ging. Das brachte ihm auch in Kreisen der Sicherheitsbehörden höchsten Respekt ein.

Wenn er mit Kollegen einen Beitrag für REPORT MAINZ fertiggestellt hatte, klappte er sein Aktenköfferchen zu und verabschiedete sich von der Redaktion: "Tschüss, wir bleiben in Kontakt und telefonieren." Nun ist Fritz Schmaldienst im Alter von 80 Jahren gestorben.