Bitte warten...

Stellungnahme REPORT MAINZ antwortet auf Zuschauerreaktionen

zum Filmbeitrag "Der Kampf um die Windräder – Die Auswüchse der Boombranche" am 1.8.2016 in Ersten

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihr Interesse an unserm Filmbeitrag: "Der Kampf um die Windräder – Die Auswüchse der Boombranche".

Der Filmbericht hat eine kontroverse Debatte angestoßen. Uns haben ausgesprochen viele Zuschriften erreicht – zum Teil mit sehr positiven Reaktionen, zum Teil mit deutlicher Kritik. Gerne möchten wir an dieser Stelle auf die zentralen Kritikpunkte eingehen.

Erlauben Sie uns zunächst anzumerken, dass unser Film selbstverständlich weder die Energiewende noch die Windkraft in Frage gestellt hat. Er hat auch nicht den Klimawandel negiert. Wir betrachten es jedoch als legitim, in unserer Berichterstattung einen Blick auf die Umsetzung der Energiewende zu werfen und zu beleuchten, was beim Ausbau der Windkraft aktuell schief läuft. Entsprechend des Filmtitels haben wir auf bestimmte "Auswüchse" im Bereich der Windkraft aufmerksam gemacht und diese kritisch hinterfragt. Daran können wir nichts Verwerfliches finden.

Viele von Ihnen kritisieren, der Film habe nicht aufgezeigt, dass auch die Atomkraft finanziell gefördert wird und darüber hinaus schädlich für Klima und Gesundheit der Menschen sei. Sie haben recht, dass dies nicht thematisiert wurde. Unser Film hat sich mit dem Thema Windkraft und der bereits oben beschriebenen Fragestellung beschäftigt. Mit dem Thema Atomstrom und dessen Kosten hat sich die Reihe Exclusiv im Ersten bereits eine Woche zuvor beschäftigt. Die Reportage "Der große Atom-Deal – Die Lüge vom billigen Strom" können Sie nachträglich in der ARD-Mediathek ansehen.

Viele von Ihnen werfen uns vor, dass der Bundestagsabgeordnete Michael Fuchs (CDU) interviewt wurde, obwohl er für Atomstrom eintrete und die Transparenzregeln des Bundestags missachte.
Gerne nehmen wir auch zu diesem Vorwurf Stellung: Wir haben für den Film drei Bundestagsabgeordnete der Regierungskoalition dazu interviewt, wie die Erneuerbaren-Energien-Verbände im Rahmen der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes agiert haben und welche Auswirkungen dies hatte. Einer davon war Michael Fuchs. Unbestritten hat er sich lange für die Atomkraft eingesetzt. Inzwischen aber steht er hinter einer marktwirtschaftlich organisierten Energiewende. Als stellvertretender Fraktionsvorsitzender bestimmt er die Energiepolitik der CDU/CSU-Fraktion entscheidend mit und war im Übrigen auch Berater der Bundeskanzlerin bei den Bund-Länder-Gesprächen zum EEG. In dieser Funktion war er für uns durchaus ein geeigneter Ansprechpartner dazu, wie sich die EEG-Novelle im Laufe des Gesetzgebungsverfahrens verändert hat und warum.

Wir haben im Vorfeld des Beitrags mit mehreren Bundestagsabgeordneten gesprochen, die uns bestätigt haben, dass die Erneuerbaren-Energien-Verbände, wie etwa der Bundesverband Windenergie, sehr massive Lobbyarbeit betrieben hätten. Drei dieser Bundestagsabgeordneten haben wir, wie gesagt, im Beitrag gezeigt. Der Abgeordnete Fuchs vertritt hier also durchaus keine Einzelmeinung. Dass hier massive Lobbyarbeit betrieben wurde, konnten wir zudem durch eigene Recherchen belegen. So wurde im Film zum Beispiel auf die Mailkampagne des Bundesverbands Windenergie hingewiesen: Dabei wurden im Internet Textbausteine angeboten, die gezielt an Abgeordnete geschickt werden konnten. Dass auch andere Bereiche Lobbyismus betreiben ist unbenommen, diese zu beleuchten war jedoch nicht Thema dieses Films.

Bezüglich der Kritik an der im Beitrag gezeigten alleinerziehenden Frau möchten wir anmerken: An keiner Stelle haben wir behauptet, dass die Stromrechnung der Protagonistin allein wegen der EEG-Umlage auf das Doppelte gestiegen ist. Wenn uns aber Menschen in diesem Land davon erzählen, dass sie ihre Stromrechnung nicht begleichen können, auch weil sie durch Erneuerbare Energien wie die Windkraft teurer wurde, dann erlauben wir uns, dies zu berichten.

In einigen Zuschriften wird uns weiter vorgeworfen, der Beitrag hätte statt solide recherchierter Fakten nur auf die Tränendrüse gedrückt. Die Autoren wollten keine Windkraft und hätten deshalb beliebig absurde und falsche Argumente aneinander gereiht. Der Film sei tendenziös und dem öffentlich-rechtlichen Auftrag in keiner Weise würdig.
Diese Vorwürfe weisen wir entschieden zurück. Selbstverständlich haben die Autoren für diesen Film umfangreich über mehrere Monate recherchiert und nicht ihre persönliche Meinung wiedergegeben. Wir können nichts Kritikwürdiges daran finden, in unserer Berichterstattung auf bestimmte Probleme, die es beim Windkraftausbau gibt, hinzuweisen. Genau das war Inhalt und Thema des Films. Ein Missachten journalistischer Grundsätze ist für uns nicht erkennbar.

Wir danken Ihnen für Ihr Interesse an unserer Sendung.