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08.10.2013: Experten kritisieren mangelhafte Aufarbeitung von Mobbing bei der Polizei Gewerkschaft und Kriminologe werfen Ministerien schöngerechnete Zahlen vor

Nach Ansicht des Kriminologen Prof. Christian Pfeiffer, Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen e.V., und des Vorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei Baden-Württemberg, Rüdiger Seidenspinner, gibt es bei der Polizei mehr Mobbing-Fälle als offiziell zugegeben wird. Das berichtet das ARD-Politikmagazin REPORT MAINZ. "Hier wird unter den Teppich gekehrt, was sich wirklich abspielt", sagte Prof. Christian Pfeiffer.

Polizisten bei der Arbeit

Polizisten bei der Arbeit.

REPORT MAINZ hatte zuvor bei den Innenministerien der Länder nachgefragt, wie viele solcher Mobbing-Fälle in den vergangenen fünf Jahren gemeldet wurden. Mehrere Länder gaben in der Umfrage an, Mobbing bei der Polizei gar nicht statistisch zu erfassen. Die anderen berichteten von Einzelfällen, bei der Polizei habe es maximal drei bis gar keine Mobbing-Fälle gegeben. Nur zwei Länder hielten dabei explizit eine Dunkelziffer für möglich.

Rüdiger Seidenspinner sagte daraufhin gegenüber REPORT MAINZ: "Das ist schöngeredet, das ist schöngerechnet. Man versucht da über Probleme, die es innerhalb der Polizei gibt, hinwegzutäuschen. Wir haben sehr viele Kolleginnen und Kollegen, die Opfer von Mobbing sind." Mit diesen Zahlen wolle man den Anschein erwecken, dass bei der Polizei in puncto Mobbing alles in Ordnung wäre. Dies sei aber nicht der Fall.

Auch Prof. Christian Pfeiffer betonte im Interview mit REPORT MAINZ, dass Mobbing bei der Polizei kein Einzelfall sei. Im Gegenteil sieht der Kriminologe dort sogar ein erhöhtes Risiko für Mobbing: "Polizeibeamte müssen enorm viel an Stress aushalten, an Aggressivität durch andere. Und dann sucht sich das ein Ventil, dann nimmt man irgendwo einen Schwächeren und lässt an ihm seinen Ärger aus. Daraus erwächst Mobbing.", so Prof. Pfeiffer.

Gegenüber REPORT MAINZ kritisierten außerdem mehrere Polizei-Mitarbeiter und Anwälte eine mangelnde Aufarbeitung der Mobbing-Fälle. Die Mobbing-Opfer fühlten sich von ihrem Arbeitgeber alleine gelassen. Auf Nachfrage gaben die Innenministerien dazu an, dass das Interesse an Aufarbeitung groß sei. Allerdings findet die Aufklärung, laut den Ergebnissen der Umfrage unter den Ministerien, fast immer polizeiintern, durch Mitarbeiter der Polizei, statt.

Dies kritisierte der Kriminologe Prof. Christian Pfeiffer scharf. Für die betroffenen Opfer sei das ein Trauerspiel, erklärte er. Aufgrund der besonderen Bündnistreue innerhalb der Polizei könne eine neutrale Aufarbeitung so nicht erfolgen. "Keiner verrät den anderen, wenn da mal Fehler passiert sind. Es intern zu handhaben schwächt die Position der Opfer, es gibt ihnen keine richtige Möglichkeit zu ihrem Recht zu kommen. Auf Dauer ist das nicht akzeptabel.", so Prof. Pfeiffer. Im Interview mit REPORT MAINZ forderte der Kriminologe deshalb externe neutrale Vermittler, die die Mobbing-Fälle bei der Polizei aufklären und aufarbeiten.