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02.02.2014: Verfassungsschutz Baden-Württemberg warnt vor islamischer Gülen-Bewegung

REPORT MAINZ und DER SPIEGEL recherchieren Vorwürfe von Gewalt, Druck und Mobbing an Gülen-nahen Bildungseinrichtungen

Mainz/Hamburg. Der Verfassungsschutz warnt nach Informationen des ARD-Politikmagazins REPORT MAINZ und dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL vor der Gemeinde des islamischen Predigers Fethullah Gülen. In einem internen Papier des Landesamtes für Verfassungsschutz Baden-Württemberg heißt es, Gülens Gedankengut stehe in mancherlei Hinsicht im Widerspruch zur freiheitlich demokratischen Grundordnung. Die Bewegung verfolge einen türkischen Nationalismus in „seriösem Gewand“ mit „islamistischen Komponenten“. Gülen selbst strebe einen Gottesstaat an. Anhänger des Imams sind in 140 Ländern aktiv. Alleine in Deutschland betreiben sie etwa 300 Bildungseinrichtungen - zum Teil mit staatlicher Unterstützung. Das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg kritisiert nun, Äußerungen Gülens seien mit dem Prinzip der Gewaltenteilung, der Religionsfreiheit, der Freiheit von Wissenschaft und Lehre und der Gleichberechtigung von Mann und Frau mitunter nicht in Einklang zu bringen. 

REPORT MAINZ und DER SPIEGEL berichten über Vorwürfe gegen mehrere Bildungseinrichtungen, die der Gülen-Bewegung zugerechnet werden. So beschwerten sich in Rüsselsheim Eltern über den Gülen-nahen „Förderkreis Rhein-Main“.

Ihr dreijähriges Kind sei dort während der Kinderbetreuung im Rahmen eines Integrationskurses geschlagen worden.

Laut einer Sprecherin des zuständigen Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) habe eine Erzieherin des Vereins eingeräumt, dem Kind einen „leichten Klaps“ gegeben zu haben. Der Verein erklärte, die Erzieherin habe versucht, einen Streit zu deeskalieren. Das BAMF stellte zudem fest, dass ein Kind während der Kinderbetreuung in seinem Buggy „festgeschnallt“ gewesen sei. Der Förderkreis Rhein-Main darf künftig keine Integrationskurse mehr anbieten.

Auch gegen die private Carl-Friedrich-Gauß-Schule in Ludwigsburg werden laut Recherchen Vorwürfe erhoben. Eine Mutter berichtet, ihre Tochter sei an der Schule dazu gedrängt worden, Kopftuch zu tragen. Mehrere Zeugen berichten zudem von systematischem Mobbing und Gewalt gegenüber Schülern, die nicht zur Gülen-Bewegung gehörten. Eine Mutter sagte REPORT MAINZ und SPIEGEL:

„Mein Kind drohte nach und nach in die Hände der Gülen-Bewegung zu entgleiten, es war wie eine Sekte. Sie wollten die Kontrolle über mein Kind.“

Der Geschäftsführer der Gauß-Schule wies die Vorwürfe zurück. Mitarbeiter der Schule hätten die Vorfälle nicht bestätigen können. Es sei die freie Entscheidung jeder Schülerin, Kopftuch zu tragen. Die Gülen-Bewegung spiele weder im Schulalltag noch im pädagogischen Konzept eine Rolle, auch wenn er als Privatmann einige Werte Gülens teile.

Mehrere Zeugen und Aussteiger werfen gegenüber REPORT MAINZ und SPIEGEL der Gülen-Bewegung vor, dass die Bildungseinrichtungen dazu genutzt werden, Kinder als neue Anhänger und Funktionäre der sektenähnlichen islamistischen Gemeinschaft zu rekrutieren. Zeugen berichten auch von Homophobie, Ablehnung der Evolutionstheorie sowie Ablehnung von muslimischen Minderheiten wie den Aleviten. Solche Einstellungen seien von den Verantwortlichen der Schulen propagiert oder zumindest toleriert worden, bestätigen mehrere ehemalige Lehrer und Schulleiter.