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Altenpflegerin hatte bei REPORT MAINZ auf Missstände hingewiesen Sieg für Meinungsfreiheit

Brigitte Heinisch

Brigitte Heinisch

2006 berichtete REPORT MAINZ über die Berliner Altenpflegerin Brigitte Heinisch. Sie beklagte schlimme Zustände an ihrem Arbeitsplatz und wurde deshalb gefeuert. Auch Arbeitsgerichtsprozesse verlor sie. Monatelang hat die REPORT MAINZ Redaktion recherchiert. Heute hat Heinisch vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) recht bekommen.

Brigitte Heinischs Reaktion gegenüber REPORT MAINZ: "Ich freue mich über die positive Entscheidung, vor allem weil ich bis jetzt so viele schlechte Erfahrungen mit der Justiz gemacht habe. Das Urteil ist ein Meilenstein und wird auch vielen anderen 'Whistleblowern' Mut machen".

Einer Arbeitnehmerin fristlos zu kündigen, weil sie auf Missstände bei ihrem Arbeitgeber hingewiesen hat, verstößt gegen die Menschenrechtskonvention. Das entschied heute der EGMR. Die Straßburger Richter schützen damit sogenannte "Whistleblower", also Arbeitnehmer, die auf Missstände in Unternehmen oder Institutionen öffentlich aufmerksam machen. Im konkreten Fall hatte die Berliner Altenpflegerin Brigitte Heinisch ihren Arbeitgeber, den Klinikbetreiber Vivantes, des Betrugs beschuldigt. Im Juli 2006 sprach Heinisch bei REPORT MAINZ über die skandalösen Missstände bei der Betreuung alter Menschen. Vivantes habe zu wenig Personal und sei deshalb nicht in der Lage, die Bewohner eines Pflegeheims ausreichend zu versorgen. Daraufhin war die Altenpflegerin fristlos gekündigt worden. Die deutschen Gerichte bestätigten die Kündigung. Der EGMR sieht darin eine Verletzung der Meinungsfreiheit und sprach der Pflegerin eine Entschädigung von insgesamt 15 000 Euro zu.