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16.11.2009 Osteoporose-Studie aus Kalifornien zeigt: Risiko von Kiefernekrosen (Absterben des Kiefers) durch Medikamente deutlich höher als bisher angenommen

Deutsche Wissenschaftler halten Untersuchung für „zuverlässig“

Chirurgen der Uni Mainz fordern „frühzeitige Risikoaufklärung“

Mainz. Das Risiko an einer Kiefernekrose nach der Einnahme von Osteoporose-Tabletten (so genannten Bisphosphonaten) zu erkranken, ist deutlich höher als bisher bekannt. Nach einer REPORT MAINZ vorliegenden Studie der Universität Kalifornien in San Francisco liegt die Wahrscheinlichkeit bei 1:952. Bislang ging man davon aus, dass Patienten, die Osteoporosetabletten einnehmen, nur ein sehr geringes Risiko haben, an einer Kiefernekrose zu erkranken. Experten sprachen von 1:100.000.

Auch in Deutschland nehmen immer mehr Patienten diese Bisphosphonate. Laut Arzneiverordnungsreport wurden 1999 noch 55 Millionen Tagesdosen dieser Bisphosphonate verschrieben, 2008 waren es bereits rund 205 Millionen.

Deutsche Wissenschaftler nehmen die Ergebnisse aus den USA sehr ernst. Der Pharmakologe Professor Peter Schönhöfer hält die kalifornische Studie für „zuverlässig“. „In ihrer Aussagefähigkeit ist sie klar und eindeutig und sie ist deshalb für die Beurteilung der Bisphosphonate geeignet“, erklärte er gegenüber REPORT MAINZ.

An der Universität Mainz gibt es sogar eine Spezialsprechstunde für Patienten, die Bisphosphonate einnehmen müssen. Seit Jahren erforscht Professor Bilal al-Nawas die Nebenwirkungen dieser Medikamente. „Diese Studie deckt sich mit unseren klinischen Erfahrungen. Es sind die ersten harten Daten, die zeigen, dass tatsächlich auch ein Risiko für Patienten mit Osteoporose besteht“, so Bilal al-Nawas. Professor Schönhöfer kritisiert, dass Bisphosphonate zu häufig und auch zu leichtfertig eingesetzt werden. „Denn sie sind eine Therapie mit limitiertem also beschränktem Nutzen. Die nützen nichts zur Prävention der Osteoporose“ , so Schönhöfer wörtlich. Die Wissenschaftler fordern eine frühe Risikoaufklärung für Patienten.

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