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29.05.2012 | Berliner Islamist Reda Seyam rechtfertigt Todesurteil bei Beleidigung des Propheten Mohammed Bayerns Innenminister Herrmann (CSU): Das ist eine neue Dimension

Mainz. Vor dem Hintergrund der Debatte um Mohammed-Karikaturen und die jüngsten Gewaltausbrüche radikaler Salafisten hat der bundesweit bekannte Islamist Reda Seyam es grundsätzlich gerechtfertigt, wenn Menschen getötet werden, die den Propheten Mohammed beleidigen.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zeigte sich im Interview mit REPORT MAINZ entsetzt über die Aussagen Seyams. Wörtlich sagte er: "Das ist in der Tat noch einmal eine neue Dimension. In dieser Klarheit, in deutscher Sprache, in unserem Land, letztendlich diese Kampfansage: Jeder, der sich dem Islam in den Weg stellt, muss damit rechnen, dass er einen Kopf kürzer gemacht wird." Herrmann kündigte an, die Aussagen auf mögliche Straftatbestände hin zu überprüfen.

Nach REPORT MAINZ-Recherchen kursieren solche mittelalterlichen islamischen Rechtsurteile derzeit in salafistischen Internet-Foren. Der Bonner Djihadist Yassin Chouka, der sich im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet aufhalten soll, hatte kürzlich in einer Internetbotschaft zur Tötung von Mitgliedern der rechtsextremen PRO NRW und Journalisten aufgerufen, weil sie Mohammed-Karikaturen gezeigt hätten. Auch er berief sich dabei auf das islamische Rechtsurteil.

Danach gefragt, ober er die Aufforderung Choukas unterschreibe, sagte Seyam gegenüber REPORT MAINZ: "Ich weiß nicht. Wenn ich in der Lage bin, dann will ich ihnen Bescheid sagen." Bayerns Innenminister Herrmann dazu: "Wenn es keine klare Distanzierung von Todesurteilen oder Mordaufrufen gibt, dann wird die Minderheit an gewaltbereiten, an fanatischen Muslimen es genau so verstehen, sich daran zu beteiligen. Und das ist völlig unerträglich."

Nach Einschätzung von Experten gehört Reda Seyam zu den Schlüsselfiguren der radikalen Salafisten-Szene. Die Islamismus-Expertin Claudia Dantschke von der anerkannten Extremismus-Aufklärungsstelle "Zentrum Demokratische Kultur" sagte gegenüber REPORT MAINZ: "Er ist ein Symbol durch seine Aktivitäten. Er hat es geschafft, sich in Berlin zu etablieren, mit einer eigenen Gemeinde, wo er Jugendarbeit macht, also junge Leute in seinem Sinne ausbildet. Und er taucht überall in diesen Netzwerken auf, bundesweit, wo es darum geht, bestimmte Propaganda zu machen im Sinne des radikalen Salafismus. Da kann man ihn durchaus als spiritus rector bezeichnen."

Reda Seyam war in den 90er Jahren als Kameramann im Bosnienkrieg. Zudem soll er sich an der Finanzierung des Terroranschlags von Bali 2002 beteiligt haben. Er selbst streitet dies ab.