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06.06.2011 Neue Vorwürfe gegen die katholische Kirche

Unionspolitiker: Man hält die Missbrauchsopfer bei Entschädigungszahlungen hin

Bischöfe mit gefalteten Händen

Neue Vorwürfe gegen die katholische Kirche.

Mainz. Der Vorsitzende des Rechtsausschusses im Deutschen Bundestag, Siegfried Kauder, äußert Kritik an der Vorgehensweise der Katholischen Kirche in Bezug auf Entschädigungszahlungen für Opfer im baden-württembergischen Oberharmersbach und wirft der Kirche eine Art Verzögerungstaktik vor. Gegenüber REPORT MAINZ sagte Kauder: "Man hält die Opfer hin. Das halte ich für eine katastrophale Folge einer Straftat mit psychischen Konsequenzen für das Opfer, die nicht sein dürfen, die eine Kirche nicht in Kauf nehmen darf".

Auf die Frage, ob die katholische Kirche hier ihren moralischen Ansprüchen gerecht werde, antwortete Kauder: "Ich glaube eher nicht. Ich bin auch der Meinung, dass die Kirche diese Linie nicht lange wird durchhalten können".

Im baden-württembergischen Oberharmersbach hat ein katholischer Pfarrer von 1968 bis 1991 mindestens 22 Kinder und Jugendliche zum Teil jahrelang missbraucht. An einem Opfer verging sich der Geistliche rund 900 mal. Die Gepeinigten leiden an den Folgen der Straftaten.

Dem ARD Politikmagazin berichteten sie von ständigen Albträumen. Auch seien sie beziehungsunfähig. "Wenn ich eine Beziehung eingehen will, dann habe ich gleich wieder Angstgefühle, Panikzustände, dass wieder ein anderer Kontrolle über mich erlangen könnte", sagte ein Opfer im Interview mit REPORT MAINZ.

Nach Recherchen des ARD Politikmagazins REPORT MAINZ versuchen acht der Opfer seit Mai 2010 über einen Rechtsanwalt von der katholischen Kirche eine finanzielle Anerkennung zu erhalten. Ihr Rechtsanwalt, Ingo Lenßen, berichtet REPORT MAINZ von schleppenden Verhandlungen mit den Kirchenvertretern. "Wir sind immer wieder vertröstet worden, es sind immer wieder neue Fristen gesetzt worden, die wir abzuwarten hätten, auf die dann Antworten erfolgen sollten", so Lenßen. Bis zum heutigen Tage sei keine zufriedenstellende Antwort erfolgt. Erst im März 2010 gab es das erste konkrete Angebot. 5.000 Euro sollte jedes Opfer erst einmal bekommen. Gegenüber REPORT MAINZ äußerte sich ein Betroffener verbittert: „Wenn ich daran denke: 5.000 Euro für 400 maligen Missbrauch. Das sind dann zehn, elf, zwölf Euro pro Nummer mal grob über den Daumen gepeilt. Das ist dann eine ganz billige Nummer.“

Auf Anfrage von REPORT MAINZ betont die katholische Kirche schriftlich, dass das Hilfspaket der Bischofskonferenz nicht auf die materielle Anerkennungsleistung von 5.000 Euro reduziert werden dürfe. So zahle man zum Beispiel auch Psychotherapien. In besonders schwierigen Fällen seien auch zusätzliche Leistungen möglich. Weiter betont die Kirche: Sie prüfe jeden Antrag unbürokratisch aber eingehend.