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05.06.2011 Gesundheitsgefahr durch EHEC in Biogasanlagen

Experten warnen: EHEC kann sich in Biogasanlagen vermehren

Traktor mit Güllewagen vor Biogasanlagen

In Biogasanlagen können sich Ehec-Keime vermehren.

Mainz. Immer mehr Experten warnen vor einer möglichen Gesundheitsgefahr durch EHEC-Keime in Biogasanlagen. Das berichtet das ARD-Politikmagazin REPORT MAINZ.

Hintergrund ist, dass viele Biogasanlagen Gülle von Rindern verwerten und damit auch mögliche Krankheitserreger aufnehmen. Viele Anlagen werden bei Temperaturen zwischen 30 und 40 Grad Celsius betrieben. Experten sind sich einig, dass dabei keine umfassende Hygienisierung stattfindet. Henriette Mietke-Hofmann, Expertin in der Abteilung Mikrobiologie in der Staatlichen Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft in Dresden, geht sogar davon aus, dass sich die Gefahr erhöht. Gegenüber REPORT MAINZ sagte sie: "EHEC ist eine besondere Form von E-Coli und E-Coli ist ein ganz normaler Darmerreger, der in der Gülle vorhanden ist und der sich unter aneroben Bedingungen, unter Luftabschluss vermehren kann. Bei 37 Grad Celsius fühlt sich der Erreger sehr wohl. Er vermehrt sich und stirbt nicht ab." Gärreste werden von Landwirten häufig als Düngemittel auf die Felder gebracht.

Auch in Österreich nimmt man das Problem ernst. Erwin Pfundtner, stellvertretender Abteilungsleiter Düngemittelüberwachung bei der Agentur für Gesundheit und Nahrungsmittelsicherheit (AGES) in Wien, sagte dem Magazin: "Unter den organischen Düngemitteln haben Gärreste sicher das höchste Belastungsrisiko mit EHEC Keimen. Wenn belastete Gärreste unsachgemäß ausgebracht werden, dann kann das eine große Gefahr für den Menschen darstellen."

Anders als in Deutschland gehen die Behörden in Österreich deshalb gezielt gegen den Erreger in Biogasanlagen vor. Seit 2010 ist gesetzlich vorgeschrieben, dass Gärreste, die in Verkehr gebracht werden, durch unangekündigte Kontrollen stichprobenartig auf EHEC-Keime untersucht werden. Pfundtner: "Für uns war wichtig: Wenn Gärreste als Düngemittel in Verkehr gebracht werden dürfen, dass wir dann auch geeignete Maßnahmen haben, die sicherstellen, dass keine Gefahr für Tier, Mensch und Pflanzen entstehen, auch in Zusammenhang mit pathogenen Keimen wie EHEC. Durch die aktuelle Entwicklung sehen wir uns bestätigt."

Die Biogasbranche sieht hingegen keine Gesundheitsgefahr durch Biogasanlagen. Josef Pellmeyer, Präsident des Fachverbandes Biogas, sagte REPORT MAINZ: "Gülle ist der ideale Ausgangsstoff. Durch das Vergären in der Biogasanlage ist er schon stückweit hygienisiert, stückweit keimfreier gemacht."