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18.08.2008 Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen fordert mehr Geld für Hausbesuche von Fachärzten

SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach wirft KV „Erpressung“ vor.

Mainz. Der SPD Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach wirft der kassenärztlichen Vereinigung „Erpressung“ vor. Der Grund: Immer weniger Fachärzte besuchen Patienten in Pflegeheimen. Das berichtet das ARD Politikmagazin REPORT MAINZ in seiner Sendung am 18. August 2008 im Ersten. Ärzte kritisieren eine zu niedrige Honorierung der Hausbesuche. Für den ersten Besuch im Quartal würden 17 Euro vergütet, für den zweiten nur noch sechs Euro, sagen Ärzte gegenüber REPORT MAINZ.

In einem Schreiben der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen an den Wiesbadener Seniorenbeirat heißt es: „Die Versorgungswirklichkeit stellt sich dann so dar, dass behandlungsbedürftige ältere Bürger mit Krankentransport in die Facharztpraxis gefahren werden, wo sie umfassend versorgt werden und danach wieder per Krankentransport zurück gefahren werden“. Für Hin- und Rückfahrt entstünden Kosten von insgesamt 190 Euro. Transporte stellen für alte und pflegebedürftige Menschen eine hohe Belastung dar und sind häufig mit Schmerzen verbunden. Nach Recherchen des ARD Politikmagazins REPORT MAINZ sind viele dieser Fahrten in die Praxis des niedergelassenen Facharztes völlig überflüssig, da es sich um Routinehandgriffe handelt. Ein Beispiel ist der Wechsel des Blasenkatheters durch einen Urologen.

Der SPD Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach kritisiert das Vorgehen der Mediziner: „Die Fachärzte, die das tun und auch die kassenärztlichen Vereinigungen, die dies dulden, versuchen die Politik zu erpressen. Sie sagen, wenn wir keine höheren Honorare bekommen, verursachen wir so hohe Transportkosten, selbst wenn das Schmerzen für die Patienten bedeutet, dass die Politik zum Schluss nachgeben wird. Und das ist eine Erpressung, auf die wir als Gesundheitspolitiker nicht reagieren werden, indem wir sagen, ihr bekommt, was ihr wollt.“ Die Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, Margita Bert, verteidigt dagegen das Vorgehen der Mediziner: „Ich glaube, da geht es zum Teil auch um ein Prinzip, dass man sich nicht mehr ausbeuten lassen möchte.“ Auch die Krankenkassen kritisieren die kassenärztliche Vereinigung: „Es ist genügend Geld im System. Es stellt sich gegebenenfalls die Frage der Verteilung innerhalb des Systems. Das ist aber in erster Linie eine innerärztliche Angelegenheit“, erklärte AOK Sprecher Ralf Metzger gegenüber REPORT MAINZ.