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10.03.2008 Heftige Proteste gegen neues Karfreitagsgebet

Salomon Korn: Eine „Erniedrigung“ für die Juden

Vatikan lehnt jede Änderung ab

Mainz. Juden und Katholiken in Deutschland verschärfen ihre Kritik an der päpstlichen Neufassung des Karfreitagsgebets. Auch international wächst der Protest gegen den Vatikan. Der Streit um die von Benedikt XVI formulierte Juden-Fürbitte wird heftiger. Das berichtet das ARD Politikmagazin REPORT MAINZ in seiner Ausgabe am Montag.

Der Papst hatte im Februar angeordnet, im alten Ritus an Karfreitag für die Juden zu beten: „dass Gott unser Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus erkennen, als den Retter aller Menschen. (...) Gewähre gnädig, dass, wenn die Fülle aller Völker in Deine Kirche eintritt, ganz Israel gerettet wird.“

Diese Sätze zeigen aus Sicht von Professor Salomon Korn, dem Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, dass die katholische Kirche die Juden „weiterhin bekehren möchte und sie weiterhin als unmündig betrachtet.“ Professor Korn erklärte in REPORT MAINZ, diese Stellen, „die Juden erniedrigen oder sie zu einer zweitklassigen Religion machen, die bekehrt werden muss, muss in jedem Fall reformiert werden.“

Professor Salomon Korn fordert die Deutsche Bischofskonferenz dazu auf, „dass sie sich beim Papst dafür einsetzt, noch mal darüber nachzudenken, ob man dieses Gebet nicht doch überarbeitet.“ Das lehnt die Deutsche Bischofskonferenz jedoch ab. Schriftlich teilte sie REPORT MAINZ mit: „mit Blick auf die in Rom anstehenden klärenden Gespräche wird sich die Deutsche Bischofskonferenz in dieses laufende Verfahren nicht einmischen.“

Demgegenüber stellte Kurienkardinal Walter Kasper in REPORT MAINZ klar: „Der Papst lässt das Gebet so. Es ist ja auch aus unserer Sicht theologisch vollkommen in Ordnung. Es ist nur schwierig für die Juden, das zu akzeptieren.“

Die Allgemeine Rabbinerkonferenz Deutschland äußerte sich „besorgt über die Tatsache, dass die jüdisch-katholischen Beziehungen Schaden genommen haben.“ Professor Walter Homolka, Rabbiner und Repräsentant der Weltunion für progressives Judentum sagte in REPORT MAINZ: „Was sind denn die 50, 60 Jahre Dialog wert? Was waren die Schuldbekenntnisse wert nach dem Holocaust, wenn uns so wenig Respekt entgegengebracht wird?“

Die Vereinigung der Konservativen Rabbiner erklärte ihre „Bestürzung“ über das neue katholische Gebet. Die Vereinigung, der weltweit 1.600 konservative Rabbiner angehören, forderte eine Klarstellung vom Vatikan.

Professor Hanspeter Heinz, Lehrstuhlinhaber für Pastoraltheologie an der Universität Augsburg und katholischer Vorsitzender des Gesprächskreises „Juden und Christen“ im Zentralkomitee der deutschen Katholiken erklärte in REPORT MAINZ, die neue Juden-Fürbitte im Karfreitagsgebet sei eine „Kränkung“ der Juden und „eine Bedrohung des Judentums als Religion“.

Nathan Kalmanowicz, Kulturdezernent im Präsidium des Zentralrats der Juden in Deutschland sagte dem Politikmagazin gegenüber: „Jedem, der Lesen und Schreiben kann ist klar, dass gemeint ist, das Judentum soll missioniert werden. (...) Wir erwarten, dass diese Missionierungsversuche unterlassen werden. Wir wollen nicht missioniert werden.“

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