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Presseinformation REPORT MAINZ, 16. Juli 2007 Massive Lücken bei Luftfrachtsicherheit

Vereinigung Cockpit: „Das ist definitiv ein Risiko im Bereich des Terrors.“

Luftfahrtbundesamt hat Einhaltung von Sicherheitsauflagen noch nie überprüft

Mainz – Bei der Lagerung von Luftfracht, die auch auf Passagiermaschinen mitgeführt wird, gibt es offenbar gravierende Sicherheitslücken. Das zeigen die Recherchen des ARD Politikmagazins REPORT MAINZ. In dem Bericht, der am Montag Abend in der ARD ausgestrahlt wird, ist zu sehen, dass der Zugang zum Frachtbereich an den Flughäfen Hamburg, München und Frankfurt für Betriebsfremde ohne Kontrollen möglich ist. Die verdeckt gedrehten Bilder dokumentieren, dass die Fracht entgegen den Richtlinien des Luftfahrtbundesamtes (LBA) zum Teil unbewacht auf dem Flughafengelände in München und Hamburg gelagert wird. Betriebsfremde konnten sich stundenlang unbehelligt auf dem Frachtgelände bewegen, in Lagerräume gelangen und sich Luftfracht detailliert ansehen.

Zu den Aufnahmen erklärt der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, Markus Kirschneck im Interview mit REPORT MAINZ: „Erschreckend. Man kann hier offenbar an Fracht, die demnächst auf Flugzeuge verladen werden soll, ungehindert hingreifen oder unter Umständen auch einmal ein Päckchen austauschen. Das ist definitiv ein Risiko in allen Bereichen, auch im Bereich des Terrors.“

Der für Luftsicherheit zuständige Gewerkschafter der Polizei, Josef Scheuring, sagte dem ARD Politikmagazin nach Ansicht der Aufnahmen: „Ich will die Menschen nicht verunsichern. Aber solche Sicherheitslücken darf es nicht geben, dass muss man ganz, ganz deutlich sagen.“ Scheuring zeigte sich empört angesichts der Sicherheitslücken bei der Luftfracht: „Das kann nicht sein, dass auf der einen Seite gegenüber dem Passagier konsequent kontrolliert wird, mit allen Möglichkeiten richtigerweise kontrolliert wird, und auf der anderen Seite regelrechte Scheunentore offen sind an den deutschen Flughäfen. Das kann doch gar nicht sein, das muss verändert werden.“

Der für Luftfrachtsicherheit zuständige Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee, SPD, kündigte im Interview mit REPORT MAINZ an, den Versäumnissen der Spediteure nachzugehen. Tiefensee: „Wenn diese Informationen richtig sind, dann wird im Luftfahrbundesamt, und zwar unter der Federführung des Präsidenten, gründlich geprüft, und wir werden dann entsprechend reagieren.“

Luftfracht-Spediteure müssen seit Anfang 2006 eine Zertifizierung als sogenannte Reglementierte Beauftragte beim LBA beantragen und als zertifizierte Spediteure strenge Sicherheitsauflagen erfüllen. Im Leitfaden des LBA heißt es dazu: „Der Schutz vor Zugriffen Unbefugter ist bei allen Transporten zu gewährleisten“.

Der Präsident des Luftfahrtbundesamtes (LBA), Ulrich Schwierczinski, erklärte gegenüber REPORT MAINZ, seit Beginn der Zertifizierung der Spediteure seien diese bisher noch nicht dahingehend überprüft worden, ob sie die Sicherheitsauflagen des Luftfahrtbundesamtes auch tatsächlich erfüllen. Schwierczinski erklärte gegenüber REPORT MAINZ: „Es fehlt im Grunde genommen nur noch der allerletzte Schritt, jetzt zu gucken, ist das was aktenmäßig vorhanden ist, und die Vorschriften zweifelsohne erfüllt auch tatsächlich in der Praxis umgesetzt.“

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Speditions- und Logistikverbandes, Heiner Rogge, sagte angesichts der Recherchen von REPORT MAINZ: „Hier ist sicherlich nicht alles korrekt gelaufen, dass unbefugte Personen ohne weiteres Zugang zu Anlagen hatten, das ist nicht in Ordnung und das man muss im Einzelnen auch mit den Unternehmen besprechen und sie darauf hinweisen, dass solche Verhältnisse natürlich der Sicherheit nicht dienen und auch den Unternehmen nicht nützen.“

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