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Presseinformation REPORT MAINZ, 26. Februar 2007 Milliardenverlust durch falsche Krankenhausabrechnungen

Kassen befürchten schlechtere Kontrollmöglichkeiten durch Gesundheitsreform

Mainz. Krankenhäuser rechnen Leistungen gegenüber Krankenkassen häufig falsch ab. Das berichtet das ARD-Politikmagazin REPORT MAINZ. Demnach hat die Kaufmännische Krankenkasse festgestellt, dass bei 64.000 im vergangenen Jahr durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen überprüften Krankenhausabrechnungen die Hälfte fehlerhaft war. Durch Kürzung nicht sachgerechter Krankenhausrechnungen erreichte die KKH vergangenes Jahr Rückforderungen in Höhe von 25 Millionen Euro. Hochgerechnet auf alle Versicherten ergäbe das laut Schätzungen der KKH um bis zu einer Milliarde Euro überhöhte Krankenhausabrechnungen. Etwa durch das Hinzufügen falscher Nebendiagnosen hätten die Krankenhäuser zu hohe Fallpauschalen abgerechnet.

Der Vorstand der Kaufmännischen Krankenkasse, Ingo Kailuweit, bemängelte in diesem Zusammenhang die Neuregelung des § 275 SGB V im Rahmen der Gesundheitsreform. „Wir werden beschränkt in der Aufdeckungsquote“, so Ingo Kailuweit in REPORT MAINZ. Die Neuregelung sieht eine Sechs-Wochen-Frist für die Überprüfung von Krankenhausrechnungen vor. Außerdem müssen Kassen künftig eine Aufwandspauschale von 100 Euro an das Krankenhaus zahlen, sollte die Überprüfung keine Minderung des Rechnungsbetrages ergeben. Durch diesen Kostenfaktor werde sich die Zahl der zur Prüfung vorgelegten Fälle reduzieren. „Insoweit hat das Krankenhaus weniger Risiko, bei Abrechnungsoptimierung auffällig zu sein“, so Kailuweit weiter.

Nach Erhebungen des Medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen richten Krankenhäuser ihre Behandlung offenbar auch an der Vergütung im Rahmen von Fallpauschalen aus. Bei Herzkatheter-Untersuchungen etwa werden die Einstiche an den Blutgefäßen normalerweise mit einem herkömmlichen Druckverband versorgt. Seit dem Jahr 2005 können Krankenhäuser fast 500 Euro mehr abrechnen, wenn sie die Wunde mit wenigen Stichen nähen. „Erstaunlich dabei ist“, so Dr. Claus E. Krüger vom Medizinischen Dienst der Spitzenverbände in REPORT MAINZ, „dass es ab dem Zeitpunkt, wo das erlösrelevant ist, drei Mal so viele Nähte an den Gefäßen in der Leiste oder in der Ellenbeuge gegeben hat als in den Jahren vorher. Man muss davon ausgehen, dass es nicht nur in den Situationen entstanden ist, wo es vielleicht medizinisch notwenig war.“

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