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REPORT MAINZ, 3. Dezember, um 21.45 Uhr im Ersten 31 Pensionskassen unter intensivierter Aufsicht. Finanzaufsicht BaFin: Niedrigzins bringt Pensionskassen in Gefahr

Mainz. 31 Pensionskassen stehen aktuell unter "intensivierter Aufsicht" der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Rentner sitzen auf Bank

Rentner in Sorge um Altersversorgung

Mainz. 31 Pensionskassen stehen aktuell unter "intensivierter Aufsicht" der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

"Pensionskassen sind durch die aktuelle Niedrigzinsphase besonders betroffen. Es muss jedem klar sein, dass ihr Geschäftsmodell in Gefahr ist, wenn sich die Zinsen weiter auf diesem Niveau bewegen. Wir beobachten die Situation mit Sorge", sagte Dr. Frank Grund, Exekutivdirektor Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht der BaFin, im Interview mit dem ARD-Politikmagazin REPORT MAINZ. Bei drei Pensionskassen habe man in den vergangenen Monaten bereits Leistungskürzungen gesehen. Eine davon ist die Pensionskasse der Caritas VVaG.

Die Leistungskürzungen der Pensionskasse der Caritas liegen nach ihren eigenen Angaben für die Mehrheit der Versicherten zwischen zehn und 30 Prozent. Dazu hatte die Pensionskasse im September Informationsschreiben an ihre Mitglieder verschickt. REPORT MAINZ liegen mehrere dieser Schreiben vor. Demnach betragen die Kürzungen für Versicherte mitunter mehr als 300 Euro im Monat. Handelt es sich um eine Betriebsrente, muss der Arbeitgeber für die entstandene Differenz einspringen. Bei einer privaten Altersversorgung, wie beispielsweise bei Selbstständigen, besteht keine Ausgleichsmöglichkeit durch einen Dritten. In den Informationsschreiben erklärt die Pensionskasse der Caritas: "In der Rückschau wurden die Rahmenbedingungen und Risiken sowie die Niedrigzinsphase falsch eingeschätzt. Es wurden Fehler gemacht. Dafür entschuldigen wir uns bei Ihnen."

Der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Gerald Mann, FOM Hochschule München, erklärte im Interview mit REPORT MAINZ: "Niedrigzinsen und Negativzinsen sind ein Angriff auf die Altersvorsorge. Diejenigen, die für ihr Alter vorsorgen wollen, stellen fest, dass diese Produkte eine immer geringere Rendite abwerfen. Das kann bei einigen Leuten, die es sich nicht leisten können noch mehr zu sparen, dazu führen, dass eine Versorgungslücke im Alter entsteht."

Darüber hinaus sieht Prof. Gerald Mann auch die Gefahr der Zunahme von Anlagebetrug: "Die Niedrigzinsphase macht es unseriösen Anbietern von Finanzanlageprodukten auf jeden Fall leichter, Kunden zu finden, die sie schädigen können, als das in normalen Zinszeiten der Fall wäre." Auf Nachfrage von REPORT MAINZ teilte das Bundeskriminalamt dazu mit: "Die Verbreitung von in betrügerischer Absicht angebotenen Anlagemöglichkeiten über das Internet und Soziale Medien nimmt zu. Bei den täterseitig zum Schein angebotenen Geldanlagen handelt es sich um Finanzprodukte wie Differenzkontrakte, Binäre Optionen, virtuelle Währungen und Initial Coin Offerings. Es ist von einem erheblichen Dunkelfeld auszugehen."