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SENDETERMIN Di, 20.6.2017 | 21:45 Uhr | Das Erste

Hausbesuch? Ooch Ne! Warum Kinderärzte nicht mehr zu ihren kleinen Patienten kommen

Die meisten Kinderärzte machen nicht mehr regelmäßig Hausbesuche, das hat eine bundesweite Umfrage von REPORT MAINZ ergeben. Laut Bundesmantelvertrag sind Kinderärzte aber dazu verpflichtet, wenn der Praxisbesuch nicht zumutbar ist. Krankenkassen und Verbraucherverbände fordern die Ärzte auf, ihrer Verpflichtung nachzukommen.

Nur jeder neunte Kinderarzt macht noch regelmäßig Hausbesuche: Das hat eine Umfrage von REPORT MAINZ unter 700 Kinderärzten ergeben. Und das obwohl sie dazu laut Bundesmantelvertrag verpflichtet sind.

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Umfrage von REPORT MAINZ

Machen Kinderärzte noch Hausbesuche?

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Hausbesuch? Neee!
Nur 12 Prozent der Kinderärzte führen regelmäßig Hausbesuche durch. Die meisten geben an, nur in Ausnahmefällen Kinder zu Hause zu besuchen. In aller Regel ist das die Vorsorgeuntersuchung U2, die Kinderärzte bei Neugeborenen zu Hause durchführen. Auch schwerbehinderte und sterbende Kinder sind hier gemeint. Knapp ein Drittel gibt an, gar keine Hausbesuche durchzuführen.

Hausbesuch? Neee!
Nur 12 Prozent der Kinderärzte führen regelmäßig Hausbesuche durch. Die meisten geben an, nur in Ausnahmefällen Kinder zu Hause zu besuchen. In aller Regel ist das die Vorsorgeuntersuchung U2, die Kinderärzte bei Neugeborenen zu Hause durchführen. Auch schwerbehinderte und sterbende Kinder sind hier gemeint. Knapp ein Drittel gibt an, gar keine Hausbesuche durchzuführen.

Keine Zeit! Zu schlecht bezahlt!
Der Praxisbetrieb lasse ihnen keine Zeit für Hausbesuche: Das gibt die überwiegende Mehrheit der Kinderärzte als Begründung an. Aber sie glauben auch, dass die Eltern vor allem Wartezeit und Aufwand sparen wollen, wenn sie um einen Hausbesuch bitten. Schlechte Honorierung der Hausbesuche gibt noch ein Drittel als Begründung an. Immerhin acht Prozent sagen, dass Patienten die so krank sind, dass sie nicht in die Praxis kommen können, besser in die Notaufnahme gehen sollten. Und weitere acht Prozent sehen Hausbesuche nicht als kinderärztliche Leistung an.

Mehr Geld!

Kinderärzte, die als Hauptgrund die schlechte Honorierung angegeben haben, würden nur dann Hausbesuche durchführen, wenn es dafür mehr als 45 Euro Honorar gäbe.

Kein Umdenken in Sicht

Bessere Rahmenbedingungen würden die Mehrzahl der Kinderärzte auch nicht zum Umdenken bewegen: Nur 27 Prozent geben an, dass sie dann mehr Hausbesuche durchführen würden.

Von denjenigen, die noch Hausbesuche durchführen, machen weniger als fünf pro Woche. Bei etwa 500 Patienten pro Woche, erhalten selbst im besten Fall höchstens ein Prozent der Patienten einen Hausbesuch.

Und auch diejenigen, die noch Hausbesuche machen, fühlen sich schlecht dafür bezahlt und geben an, dass sie Hausbesuche durchführen, obwohl sie keine Zeit dafür haben.

Florian Lanz, Sprecher des Verbandes der Krankenkassen GKV erklärt: "Ein Kinderarzt, der grundsätzlich sagt, nein ich mache keine Hausbesuche, der verstößt natürlich gegen den Vertrag." Zuständig für Sanktionen der Ärzte seien die Kassenärztlichen Vereinigungen.

3:26 min | Di, 20.6.2017 | 21:45 Uhr | Das Erste

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REPORT MAINZ fragt Florian Lanz

Der Sprecher des Verbandes der gesetzlichen Krankenkassen GKV-Spitzenverband sagt, Patienten sollten bei den Ärzten mehr Druck machen.



In der REPORT MAINZ-Umfrage begründen die Kinderärzte ihre ablehnende Haltung zu Hausbesuchen damit, dass sie keine Zeit hätten und Hausbesuche zu schlecht honoriert würden. Tatsächlich verdienten Kinderärzte in Deutschland sehr gut, weiß GKV-Sprecher Lanz. "150.000 Euro Bruttoeinkommen im Jahr."

Die Gesundheitsexpertin des Verbraucherzentrale Bundesverband Dr. Ilona Köster-Steinebach warnt vor den Konsequenzen verwehrter Hausbesuche: Häufig würden Eltern notgedrungen auf den teuren Rettungsdienst ausweichen: "Der fehlt dann, wenn zum Beispiel ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall ansteht."

3:24 min | Di, 20.6.2017 | 21:45 Uhr | Das Erste

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REPORT MAINZ fragt Dr. Ilona Köster-Steinebach

Die Gesundheitsexpertin betrachtet den drastischen Rückgang der Hausbesuche kritisch. Insbesondere Kinderärzte machen fast keine Hausbesuche mehr.