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Nachgefragt am 16.06.2014 Deutsche Bahn will Vergangenheit aufarbeiten

Logos der Reichsbahn und der Deutschen Bahn

Die Deutsche Bahn AG ist die Rechtsnachfolgerin der DDR-Reichsbahn

Nachgefragt am 16.06.2014

Die Deutsche Bahn AG will Hinweisen auf Zwangsarbeit bei der DDR-Reichsbahn nun doch nachgehen. Das bundeseigene Unternehmen werde eine Studie in Auftrag geben, um den Einsatz von Strafgefangenen und den Häftlingstransport bei der Deutschen Reichsbahn von Wissenschaftlern aufarbeiten zu lassen, kündigte Bahnchef Rüdiger Grube an.

"Uns liegt sehr daran, dass dieses bisher weitgehend unbekannte Kapitel aus der Geschichte der Reichsbahn konsequent durchleuchtet und dokumentiert wird", fügte er hinzu. Die Bahn reagiert damit auf entsprechende Berichte von REPORT MAINZ und einen neuen Forschungsbericht.

REPORT MAINZ berichtete am 10.06.2014

5:56 min | Di, 10.6.2014 | 22:00 Uhr | Das Erste

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Neue Recherchen zeigen das ganze Ausmaß der Ausbeutung bei der DDR-Reichsbahn

Zwangsarbeit bei der Bahn (XL-Version)

Sie mussten schuften bis zum Umfallen, ohne nennenswerte Entlohnung und standen dabei unter hohem Druck – Tausende Häftlinge leisteten Zwangsarbeit in der DDR für die Reichsbahn. Die Opfer leiden bis heute.

Nicht nur Westfirmen wie Ikea und Quelle, auch die DDR-Reichsbahn hat in über Jahrzehnte hinweg in erheblichem Umfang von der Zwangsarbeit politischer Gefangener profitiert. Die Reichsbahn hat regelmäßig Kontingente von Zwangsarbeitern erhalten. Jährlich wurden rund 1.200 bis 1.500 Strafgefangene in der DDR eingesetzt.

Sie waren vor allem zu Arbeiten gezwungen, die normale Bahnmitarbeiter nicht leisten wollten, insbesondere beim Gleisbau, bei der Demontage von alten Gleisen oder bei der Verschrottung von Waggons.

Die Profite lassen sich heute nicht mehr exakt beziffern. Nachweisbar ist durch Akten lediglich, dass Amnestien für Strafgefangene zu Millionenverlusten bei der Reichsbahn führten. Für die Staatssicherheit und das Innenministerium der DDR führte die Reichsbahn außerdem Gefangenensammeltransporte im großen Stil durch. Die politischen Häftlinge empfanden den "rollenden Knast" als menschenunwürdig.

Die Deutsche Bahn AG erklärte, ihr lägen zur Zwangsarbeit und zu den Gefangenentransporten keine entsprechenden Erkenntnisse vor, außerdem sei sie nicht die Rechtsnachfolgerin der DDR-Reichsbahn. Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke (SPD), forderte die Deutsche Bahn AG hingegen auf, die Verantwortung für diesen Teil ihrer Unternehmensgeschichte anzunehmen und die Verstrickung mit dem DDR-Regime aufzuarbeiten. Der Bundesvorsitzende der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG), Rainer Wagner, kritisierte, die Bahn wolle sich vor ihrer moralischen Verantwortung drücken.