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Nachgefragt am 24.05.2017 Schlachtverbot für hochträchtige Rinder

Nahaufnahme einer Milchkuh

Qualvolle Praxis: die Schlachtung trächtiger Kühe

Am Donnerstag, den 18. Mai 2017, hat der Bundestag ein Verbot für das Schlachten hochträchtiger Tiere beschlossen. Die Abgeordneten nahmen einen Gesetzentwurf von Union und SPD an, der ein Schlachtverbot für Säugetiere "im letzten Drittel der Trächtigkeit" vorsieht. Im Gesetzestext heißt es, dass die ungeborenen Tiere in dieser Zeit "bis zu ihrem Tod Schmerzen und Leiden" ausgesetzt seien. Sie erstickten bei der Schlachtung durch Sauerstoffmangel.

Nach dem neuen Gesetz ist das Schlachten des hochträchtigen Muttertieres nun erst nach der Geburt des Kalbs erlaubt. Von dem Verbot ausgenommen sind Schafe und Ziegen. Damit reagiert der Bundestag auf einen Beitrag von REPORT MAINZ, der am 14.7.2015 ausgestrahlt wurde.


Report Mainz berichtete am 14.07.2015

REPORT MAINZ berichtet am 14.07.2015 erstmals über die Schlachtung trächtiger Kühe. Bei Dreharbeiten im Schlachthof Wilhelmshaven konnte dokumentiert werden, wie ein Kalb in der Gebärmutter einer gerade geschlachteten Kuh entdeckt wurde. Das Tier war qualvoll nach der Schlachtung des Muttertieres erstickt. Bilder, die anschließend bundesweit - auch bei den Verantwortlichen - für großes Entsetzen sorgten.

Christian Schmidt, Bundeslandwirtschaftsminister (CSU)

Christian Schmidt, Bundeslandwirtschaftsminister (CSU)

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) versprach anschließend, die Schlachtung trächtiger Kühe so schnell wie möglich verbieten zu wollen. Konkret kündigte der Minister im Interview mit REPORT MAINZ Verordnungen und neue Vollzugsregelungen auf europäischer und erstmals auch auf nationaler Ebene an.
Nach Schätzungen der Bundestierärztekammer werden bis zu 180.000 trächtige Kühe pro Jahr geschlachtet.

Christian Schmidt im Interview gegenüber REPORT MAINZ: "Es ist absolut inakzeptabel, dass trächtige Rinder geschlachtet werden. Deswegen wollen und müssen wir etwas dagegen tun. Ich denke, dass diese Frage europäisch geregelt werden muss und dass wir national mit unseren Instrumenten beides tun müssen. Ich möchte, dass wir so bald wie möglich diese Praxis beenden."

Er wolle außerdem mit der EU-Kommission sprechen. Bei der Feststellung der Schwangerschaft der Kühe und der Transporte sehe er auch auf nationaler Ebene Ansatzpunkte für gesetzliche Regelungen.

Der Minister reagierte damit auf eine langanhaltende Kritik von Seiten der Schlachthofveterinäre und der deutschen Fleischwirtschaft, über die REPORT MAINZ berichtet. Beide Seiten fordern schon seit zwei Jahren ein Schlachtverbot für trächtige Kühe.

Dr. Kai Braunmiller, Veterinär

Dr. Kai Braunmiller, Veterinär

Dr. Kai Braunmiller, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft für Fleischhygiene, Tierschutz und Verbraucherschutz in Bayreuth, erklärt gegenüber REPORT MAINZ: "Wir haben im März 2013 schon das Bundesministerium darauf aufmerksam gemacht. Die Bundestierärztekammer hat es im letzten Jahr auch wiederholt. Und wir erwarten jetzt ein Handeln, das heißt ein Verbot des Schlachtens von trächtigen Nutztieren."

Der Veterinärdirektor sieht Handlungsbedarf, weil die ungeborenen Kälber in der Gebärmutter nach der Tötung der Kuh langsam erstickten. Bis zu 20 Minuten dauere dieser Vorgang. Er spricht von einem langsamen Sterben.

Die angekündigten Maßnahmen des Bundeslandwirtschaftsministers wären tatsächlich eine grundlegende Veränderung der derzeitigen Praxis. Trächtige Milchkühe dürfen nach dem derzeit geltenden Recht nur im letzten Stadium der Trächtigkeit, in der Phase der letzten zehn Prozent, nicht mehr transportiert werden. Doch dies wird, so REPORT MAINZ-Recherchen, in der Praxis kaum kontrolliert.

Der Minister spricht deshalb auch jetzt von verstärkten Kontrollen, die er veranlassen wolle. Im letzten Drittel der Trächtigkeit sollen danach Kühe nicht mehr transportiert werden dürfen.